Dienstag, 16. Oktober 2018
Lade Login-Box.

Wegen des Unwetters mit Starkregen in der Nacht zum Mittwoch hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun

Land unter

Pfaffenhofen
erstellt am 13.06.2018 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (pat/mck/kat) Das schwere Gewitter mit heftigem Starkregen hat weite Teile des Landkreises in der Nacht zum Mittwoch getroffen: Vielerorts gab es überflutete Straßen, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller - vor allem bei Geisenfeld und nördlich von Pfaffenhofen herrschte Land unter. Die Einsatzkräfte waren im Dauereinsatz.
Textgröße
Drucken
 
Fotos: Ermert, FFW Pfaffenhofen, Einödshofer
Pfaffenhofen
Probleme bereiteten vor allem die schieren Regenmengen: An zwei Stellen im Landkreis sollen 90 Liter pro Quadratmeter gemessen worden sein - namentlich im Pfaffenhofener Ortsteil Bachappen sowie im Geisenfelder Ortsteil Brunn, wo folglich auch die größten Einsatzschwerpunkte lagen.

In der Großgemeinde Geisenfeld sind etliche Ortsteile förmlich abgesoffen. "Der Starkregen war enorm", berichtet Feuerwehrkommandant Hans Rottler. Rund 90 ehrenamtliche Helfer aus Geisenfeld und den meisten der kleineren Ortsteilwehren waren die ganze Nacht hindurch im Dauereinsatz. "Bis etwa 4.30 Uhr in der früh", so Rottler. Bei Engelbrechtsmünster wurde die B300 stellenweise überflutet. In Untermettenbach hat das Regenrückhaltebecken das von den Feldern heranströmende Oberflächenwasser gerade noch fassen können. Angesichts von Starkregenfällen kam auch das Rückhaltebecken an der Rottenegger Straße an seine Kapazitätsgrenze. Die Feuerwehrler versuchten (teilweise vergeblich) das Becken mit Sandsäcken vor dem Überlaufen zu bewahren, um die Wohnbebauung zu schützen. "Am schlimmsten hat es aber eindeutig Rottenegg und Unterpindhart erwischt", berichtet Rottler . Dort sind mehrere Keller vollgelaufen. "Der Gasthof Rockermeier ist zum Beispiel komplett abgesoffen." Die Straße habe sich in einen einzigen, fast ein Meter tiefen Fluss verwandelt, erzählte einer der Helfer in Unterpindhart.
 
Fotos: Ermert, FFW Pfaffenhofen, Einödshofer
Pfaffenhofen



Auch in Pfaffenhofen waren die Feuerwehrler im Dauereinsatz: "Wir hatten gestern im Stadtgebiet 25 Einsatzstellen", bilanziert Feuerwehrkommandant Roland Seemüller. Zum ersten Unwettereinsatz rückten seine Leute gegen 21 Uhr aus - "dann ging alles Schlag auf Schlag." Alle Ortsteilwehren seien im Einsatz gewesen. Am kritischsten war die Lage in Bachappen, wo 15 Anwesen unter Wasser standen. "Mit Sandsäcken und Pumpen haben wir versucht, Schlimmeres zu verhindern", berichtet Seemüller. Das sei auch gelungen, als das Wasser weiter nach Affalterbach strömte und die dortigen Häuser bedrohte. Es blieb aber nicht beim Regen: Ein Blitz schlug ein, so dass der Strom in Bachappen ausfiel und die Abwasserhebeanlage ihren Dienst versagte. Der Kanal drohte sich in die Häuser zurückzustauen. Das Technische Hilfswerk, das ebenso wie die Feuerwehren und die Stadtwerke im Einsatz war, speiste die Anlage bis gestern Mittag mit einem Notstromaggregat.

Um 2.18 Uhr früh kam in der Kernstadt ein Gasalarm dazu: An einer Straßenbaustelle im Draht ist die aufgeweichte Böschung der Baugrube abgerutscht. Dadurch wurde eine freigelegte Gasleitung beschädigt. "Unter Druck ist Erdgas ausgetreten", berichtet Seemüller. "Zwei Trupps unter Atemschutz haben das Leck abgedichtet." Gefahr für Anwohner habe zum Glück nicht bestanden: Außerhalb der Grube habe laut Messungen keine Explosionsgefahr bestanden. Nach gut einer Viertelstunde konnten die Anwohner eines aus Sicherheitsgründen geräumten Hauses in ihre Wohnungen zurückkehren. Und auch das Unwetter ließ langsam nach: "So schnell wie das Wasser kam, so schnell hat es sich wieder beruhigt", so Seemüller über die Gewitternacht. Die Pfaffenhofener Polizei registrierte nur einen Unwettereinsatz: In der Moosburger Straße wurden zwei Gullydeckel nach oben gedrückt - und ein darüberfahrendes Auto wurde beschädigt.
Die Geisenfelder Feuerwehr musste das Regenrückhaltebecken zwischen Geisenfeld und Rottenegg in der Nacht zum Mittwoch mit Sandsäcken verstärken (Foto oben). Hier überprüfen Tanja Weber und Andreas Galler, ob die Barriere dem Wasser standhält. In Bachappen bei Pfaffenhofen liefen mehrere Keller voll (Foto unten links). Und wegen überspülter und verschmutzter Fahrbahnen waren ebenfalls viele Feuerwehren im Einsatz ? wie hier die Geisenhausener auf der Straße nach Walkersbach (Foto unten rechts),
Die Geisenfelder Feuerwehr musste das Regenrückhaltebecken zwischen Geisenfeld und Rottenegg in der Nacht zum Mittwoch mit Sandsäcken verstärken (Foto oben). Hier überprüfen Tanja Weber und Andreas Galler, ob die Barriere dem Wasser standhält. In Bachappen bei Pfaffenhofen liefen mehrere Keller voll (Foto unten links). Und wegen überspülter und verschmutzter Fahrbahnen waren ebenfalls viele Feuerwehren im Einsatz ? wie hier die Geisenhausener auf der Straße nach Walkersbach (Foto unten rechts), wo der Regen von einem Feldweg Schotter auf den Asphalt gespült hat.
Fotos: Ermert, FFW Pfaffenhofen, Einödshofer
Pfaffenhofen



Auch andernorts im Landkreis herrschte Land unter: So stand in Thierham bei Hohenwart beispielsweise Wasser in einer Halle im Gewerbegebiet. Und zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen hat der Starkregen den Wolnzacher Ortsteil Hüll schwer erwischt. Zum zweiten Mal ist - neben landwirtschaftlichen Betrieben - auch das Hopfenforschungsinstitut betroffen: Wieder drang Wasser ein, kaum dass die Aufräumarbeiten vom Donnerstagsunwetter abgeschlossen waren. Die Belegschaft pumpte die vollgelaufenen Keller diesmal in Eigenregie aus - auch, weil vom vorherigen Unwetter die Pumpschläuche der Gebrontshausener Feuerwehr noch im Institut lagen. Darüber hinaus kam es im Raum Wolnzach zu mehreren Unwettereinsätzen, die vom umgestürzten Baum hin zum überfluteten Keller reichten.

Aus dem Bereich Schweitenkirchen wurden 65 Liter Regen pro Quadratmeter gemeldet: Das Wasser schwemmte bei drei Verbindungsstraßen größere Mengen Schotter auf die Fahrbahn. Zwischen Aufham und Ampertshausen stürzte ein Baum in eine Telefonleitung. Im Gemeindebereich kam es außerdem auf der A9 zu einem Aquaplaning-Unfall.

Doch mit dem Ende des Regens war für die Helfer die Arbeit nicht getan: Feuerwehren und Mitarbeiter der Bauhöfe hatten gestern mit Aufräumarbeiten, Straßensäuberung und Grabenräumen alle Hände voll zu tun.

Durch die Starkregen schwollen gestern früh auch die Flüsse im Landkreis schlagartig an - ernsthafte Hochwassergefahr bestand abgesehen von örtlichen Ausuferungen aber nicht. In Vohburg schnellte der Donaupegel auf über zwei Meter. Die Ilm in Geisenfeld überschritt in den frühen Morgenstunden mit 2,5 Meter die erste Hochwassermeldestufe deutlich. Doch weil die Regenfälle am Vormittag nachließen, wurde die zweite Meldestufe nicht gerissen. "Da sind wir nochmal davongekommen", sagt Geisenfelds Kommandant Rottler. Und auch in den anderen Flüssen im Landkreis ging das Wasser gestern im Lauf des Tages wieder zurück.
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!