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Kontrabass als große Liebe

erstellt am 08.01.2009 um 19:50 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:11 Uhr | x gelesen
Lausham (hac) Mit vielen namhaften Musikern aus der Jazz- und Unterhaltungsmusik wie Peter Alexander, Gilbert Bécaud, Paul Kuhn oder Udo Jürgens tourte er weltweit. Er wirkte bei über 200 Fernsehproduktionen mit und rund 80 Schallplatten und CDs tragen seine musikalische Handschrift: Gary Todd.
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Ein voller Terminkalender: Das Foto aus dem Jahr 1991 zeigt Gary Todd am E-Bass mit Paul Kuhn am Piano.
Auch im Landkreis Pfaffenhofen ist er öfter aufgetreten, wie vor kurzem in der Künstlerwerkstatt. Bereits vor 30 Jahren hat Gary Todd, der leidenschaftliche Musiker am Kontra- und E-Bass, mit seiner Familie Lausham in der Gemeinde Reichertshausen als Rückzugsgebiet ausgewählt.

Damals war Lausham eine Künstlerkolonie mit vielen Jazzmusikern, erinnert sich Gary Todd (64). Leute wie Olaf Kübler, Leszek Zadlo oder Al Porcino haben hier gewohnt. Deshalb ist Todd 1978 nach der Hochzeit mit seiner Frau Hannelore von München aufs Land gezogen. Heute wohnt er als einziger dieser Gruppe noch in Lausham. Und das ist ungewöhnlich für einen Mann, der in seinem Leben über 40-mal umgezogen ist.

Beruflich bedingt musste er zuerst mit seinen Eltern mitziehen, später erforderte seine musikalische Laufbahn flexible Wohnsitze. Aufgewachsen ist Todd in Syracuse im Bundesstaat New York. Die Liebe zur Musik hat er von seinen Eltern mitbekommen: Seine Mutter (Orgel, Klavier) war Kirchenmusikerin und sein Vater hatte in der Jugend Posaune gespielt. In der dritten Klasse hat Todd Klavier bei einer deutschen Musiklehrerin gelernt, in der fünften kam Trompete dazu, mit der er oft bei Kirchenkonzerten, bei Festen und mit dem Schulorchester aufgetreten ist. Ein Zufall führte ihn schließlich zu seinem späteren Lieblingsinstrument, dem Kontrabass.

Weil beim Weihnachtskonzert in der Schule ein Kontrabass besetzt werden musste, hat er sich in der neunten Klasse das Spielen selber beigebracht. "Ich wollte mal wieder was Neues ausprobieren", erzählt Todd. Erst später hat er dann etwa fünf Jahre lang Unterricht bekommen. Er hat bei den Auftritten auch E-Bass gespielt. Aber bis heute fasziniert ihn der Kontrabass am meisten. "Ich habe ein sehr gutes Gehör und auch eine gute Naturbeziehung zur Musik", erklärt er seine Leidenschaft.

Der Bass ist für ihn das Fundament der Musik. Er stehe nicht im Vordergrund, spiele vielmehr eine untergeordnete, aber dennoch tragende Rolle, erzählt er: "Der Bass hält die ganze Gruppe zusammen, sie kann auf ihm aufbauen und sich entwickeln." Zur Vertiefung seiner Kenntnisse studierte Todd Bass, Trompete und Betriebswirtschaft. Unterbrochen wurde das Studium durch den Vietnam-Krieg, wobei er drei Jahre in einem Militärorchester Trompete und Eufonium spielen musste. Durch Auftritte in San Francisco konnte er viele Kontakte mit Musikern knüpfen.

Nach der Militärzeit brach er deshalb sein Studium ab und spielte gleich bei Stan Kenton mit, einem der berühmtesten Jazz-Orchester. Mit seinem Kontrabass ging er mit Kenton bis 1971 vier Jahre lang durch 48 Bundesstaaten auf Tournee. "Das war eine sehr schöne Zeit für mich", sagt Todd. Fast täglich wurde gespielt, die Präzision und Interpretation bei seinem Spiel hat sich enorm entwickelt und die Leute waren begeistert.

Durch seine vielseitigen Musikerkontakte kam er schließlich 1972 zum ersten Mal nach Deutschland: In Hamburg wurde das Musical "Godspell" aufgeführt, bei dem er als Bandmitglied und als Schauspieler mitwirkte. Getourt wurde anschließend nach Wien, Zürich und München. In München besuchte er die Sommerolympiade und trat nebenbei in Jazzlokalen wie im Domicile auf. "Ich war damals als Amerikaner ein Exot", erinnert sich Todd. Und durch seine Tournee mit Stan Kenton genoss er großes Ansehen in Musikerkreisen. Nachdem er schon so viel herumgereist war und seinen "Wandertrieb" befriedigt hatte, wollte er eigentlich nach seiner Rückkehr aus Deutschland sesshaft werden und eine Familie gründen. Doch mit dem Anruf von Udo Jürgens’ Agent änderte sich alles: 1973 kehrte Todd wieder nach Deutschland zurück, um mit Udo Jürgens in Europa mit einem großen Orchester und nach Japan mit einem Sextett auf Tournee zu gehen.

Es folgten Fernsehauftritte und Schallplattenaufnahmen. Etwa 250 Auftritte absolvierte er jährlich in den 70/80er Jahren. In München, wo er im Olympiadorf wohnte, lernte er auch seine spätere Frau Hannelore kennen. Dass die gelernte Außenhandelskauffrau nicht musikalisch ist und auch kein großes musikalisches Interesse hat, macht ihm nichts aus. Ist doch ihr organisatorisches Talent eine große Unterstützung für ihn. Auch die Tochter Gloria (23) und sein Sohn Brendan (27) widmen sich beruflich lieber kaufmännischen Aufgaben, auch wenn sie Klavier und Schlagzeug gelernt haben. So war Hausmusik bei den Todds nie ein Thema.

Dafür kann Todd bei seinen Auftritten eine lange Liste mit renommierten Musikern aus der Jazz- und Unterhaltungsmusik vorweisen. Weltstars wie Gilbert Bécaud, Charly Antolini, Ack van Rooyen, Helmut Zacharias, Buddy Rich oder Attila Zoller zählen dazu. Engagiert wurde er außerdem von Joe Nay, Pony Poindexter, Peter Alexander, Falco, Catarina Valente oder Katja Ebstein. Auch berühmte Orchester wie Hugo Strasser, Max Greger, Paul Kuhn oder Horst Jankowski engagierten Gary Todd als erfahrenen Kontra- oder Elektrobassisten. Sein jüngstes Highlight war sein Auftritt an den Weihnachtstagen in der Kölner Philharmonie mit Paul Kuhn und seiner Big Band und dem Weltstar der Mundharmonika Jean "Toots" Thielemans. Auch im Theater Ingolstadt spielt er immer wieder Kontrabass wie jetzt bei der Junk Opera "Shockheaded Peter". Heute empfindet er seinen Terminkalender mit immer noch rund 100 Auftritten im Jahr allerdings als nicht mehr so gedrängt wie früher. Jetzt hat er deshalb mehr Zeit, auch als Musiklehrer zu arbeiten. Er unterrichtet Trompete, Horn, E-Bass und Kontrabass – für Anfänger und Profis von sechs bis derzeit 70 Jahren. Als Ausgleich ist für ihn regelmäßige Bewegung wichtig wie Langlaufen, Golf Spielen oder Indoor-Klettern. Sein Lieblingshobby ist das Segelfliegen. Als Begleiter genießt der 64-Jährige die Aussicht: "Meine Seele ist dort oben ganz frei." Und natürlich macht ihm seine Musik nach wie vor sehr viel Spaß und bleibt seine Leidenschaft. So spielt er auch gerne mal für sich alleine oder komponiert funkig-jazzige Stücke wie auf seiner jüngsten CD "Images". Die ideale Voraussetzung für seine künstlerische Entfaltung hat er ja in der Ruhe der ländlichen Idylle im Ilmtal gefunden.

Von Cornelia Hartmuth
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