Freitag, 17. August 2018
Lade Login-Box.

Neubau in Ilmmünster kostet mehr als drei Millionen Euro - Gemeinderäte suchen Sparmöglichkeiten

Kinderhaus wird teurer als gedacht

Ilmmünster
erstellt am 14.06.2018 um 18:27 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ilmmünster/Hettenshausen (PK) Mit einer kleinen Hiobsbotschaft hat Architektin Rita Obereisenbuchner am Dienstagabend ihren Zwischenbericht zum geplanten Kinderhaus begonnen: Die Kostenschätzung vom Februar mit rund 2,8 Millionen Euro kann nicht gehalten werden.
Textgröße
Drucken
"Bei der Kostenberechnung sind wir auf 3,4 Millionen Euro gekommen - diese Summe hat uns sehr nervös gemacht", sagte Obereisenbuchner vor den Ilmmünsterer und Hettenshausener Gemeinderäten. Nach einer intensiven Sitzung und Diskussionen über mögliche Einsparungen einigten sich beide Gemeinderäte am Dienstag, die Pläne aber weiter voran zu treiben - nach einigen Streichungen rechnet Obereisenbuchner nun mit Kosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro.

Etwa 100000 Euro waren dabei schnell gestrichen: Bei der Berechnung hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, die Steuer war doppelt beachtet worden. Weitere 100000 Euro fallen indirekt weg: Sie werden für den Abbruch des bisherigen Ilmmünsterer Bauhofs fällig, auf dem Gelände soll der Kindergarten entstehen. "Die sind aber eigentlich nicht dem Kinderhaus zuzurechnen", sagte Obereisenbuchner. Diese Kosten trägt allein Ilmmünster.

Und weitere 100000 Euro ließen sich einsparen, wenn der Speicher umgeplant wird. "Wir haben versucht, das Haus niedriger zu bauen", sagte Obereisenbuchner. Der First würde entsprechend von zehn Meter Höhe auf 8,95 Meter sinken; einen Kniestock gibt es nicht mehr. "Es würde weiterhin ein Lagerraum im Speicher bleiben, aber der ist nicht mehr so komfortabel, weil er nicht so hoch ist", sagte Obereisenbuchner. Durch den niedrigeren Bau würde Material gespart. "Das hat sich erstaunlich ausgewirkt", so die Planerin.

Wolfgang Hagl von der Hettenshausener UWG stimmte dem Vorschlag zu. "Je mehr Raum, desto mehr Glump", begründete er seine Ansicht. Das sah auch Bürgermeister Hans Wojta (UWG) so: "Wir haben erst das Lager von unserem Kindergarten ausgeräumt und drei Kipper weggefahren. Ich halte wenig von einem solchen Lagerraum im Kinderhaus."

Simon Lachermeier, ebenfalls von der Hettenshausener UWG, schlug noch eine andere Herangehensweise vor: Womöglich ließe sich Geld einsparen, wenn die Dämmung nicht im Dach verbaut wird, sondern in der Decke zwischen Obergeschoss und Speicher. "Wenn die Dämmung im Dach ist, heizt man den Speicher immer mit", sagte Lachermeier. Allerdings erklärte die Fachplanerin Petra Herzog, dass sich mit dieser Version beim Bau kaum Geld sparen ließe: Im Obergeschoss seien nämlich sogenannte Spielegalerien mit angedacht, die den Speicher unterbrechen und direkt bis unter das Dach gehen. "Da bräuchten wir also im Speicher senkrechte Wände, die wir ebenfalls dämmen müssten", so die Energieberaterin. Außerdem verwies Obereisenbuchner darauf, dass eine Dämmung im Dach für das Gebäude ein besserer Schutz sei. Auch wenn die Spielegalerien für Einsparungen im Speicher nur einen engen Rahmen zulassen, waren sich die Gemeinderäte einig, hier nicht mit dem Rotstift anzusetzen. "Das Gebäude hat viel Mehrwert, das würde ich nur ungern wegsparen", sagte Obereisenbuchner. "Das kommt den Kindern zugute." Das sahen auch die Bürgermeister und Gemeinderäte so: "Es darf nicht auf Kosten der Kinder gespart werden", stimmte Ilmmünsters Bürgermeister Anton Steinberger (CSU) zu. "Die Qualität für die Kinder soll nicht leiden."

Brigitte Wallner von der Ilmmünsterer CSU brachte noch eine andere Idee ins Spiel: "Können wir den Lagerraum auch anderweitig nutzen - für das Rathaus zum Beispiel?" Das sah jedoch Bürgermeister Wojta kritisch: "Wir bekommen das Kinderhaus ausschließlich über Kindergartenprogramme gefördert." Entsprechend muss das Haus für diesen Zweck genutzt werden.

Ein Problem ergibt sich aus dem niedrigeren Speicher: Ein Teil der Haustechnik hat dort dann keinen Platz mehr, wie Martin Regler erklärte. Der Ilmmünsterer FWG-Gemeinderat plant die Wärmeversorgung des Kinderhauses, die Geräte dazu sollten eigentlich im Speicher umterkommen. "Wenn wir so niedrig werden, haben wir für einen Puffer und die Lüftung keinen Platz mehr", sagte Regler. "Aber gehen wir davon aus, dass wir dafür eine Lösung finden."

Das Blechdach bereitete dem Ilmmünsterer Franz Baumann (CSU) Kopfzerbrechen. "Ist es nicht billiger, wenn wir ein Ziegeldach machen?" Obereisenbuchner allerdings sagte, dass momentan die Dachneigung für ein solches Dach zu gering ist: "Wir müssten es dann steiler bauen." Das wiederum wäre wieder teurer. Der Hetttenshausener Richard Stampfl (UWG) fragte noch nach: "Wenn wir aber ohne Kniestock bauen, aber die Firsthöhe wie geplant lassen - ist es dann steil genug?" Die Architektin verwies jedoch darauf, dass dann die Zwischenwände im Speicher zu den Spielegalerien hin wieder höher - und somit teurer - werden. Mit einem solchen Blechdach habe sie außerdem in Schweitenkirchen und im Pfaffenhofener Ecolino keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Schließlich stimmte Hettenshausen einstimmig für die geänderten Pläne mit einem niedrigeren Speicher. In Ilmmünster votierte Wallner gegen die Änderung. Damit belaufen sich die Kosten nach aktuellen Berechnungen auf 3,1 Millionen Euro.

Claudia Lodermeyer
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!