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Jürgen Franke hilft mit seinem Verein Soziale Gerechtigkeit denen, die sich selbst nicht helfen können

Kämpfer für die Schwachen

Pfaffenhofen
erstellt am 31.07.2018 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 04.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Der 72-jährige Jürgen Franke hilft sozial Schwachen, ihre Ansprüche gegenüber dem Jobcenter geltend zu machen - notfalls vertritt der Pfaffenhofener sie sogar ehrenamtlich vor Gericht. Der Linken-Bezirkstagskandidat für die Region 10 gründete außerdem den Pfaffenhofener Mieterverein, der Mietern etwa bei Schimmel in der Wohnung rechtlich beisteht. Sein ehrenamtliches Engagement erklärt er mit seiner "Wut auf das System".
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Jürgen Franke ist Vorsitzender des Vereins Soziale Gerechtigkeit.
Jürgen Franke ist Vorsitzender des Vereins Soziale Gerechtigkeit.
Foto: PK/Archiv
Pfaffenhofen
Die ist entstanden, als Frankes Welt vor rund 20 Jahren Kopf stand. Dann nämlich verlor er seinen gut dotierten Job als Manager in einem Betrieb für Datenfernverarbeitung in München, berichtet er. Erst habe er noch Arbeitslosengeld erhalten, später dann sei er auf Hartz VI-Niveau abgerutscht. "Ich habe Tausende Bewerbungen geschrieben - erfolglos", sagt er. Als 53-Jähriger habe er keine Chance auf dem Arbeitsmarkt gehabt.

Fortan war er also auf Leistungen des Jobcenters angewiesen. "Ich habe mir dann das Sozialgesetzbuch näher angeschaut und gemerkt, dass einiges bei meinen Leistungen nicht stimmt." Er habe bei m Amt seine Leistungen erstritten. "Die Wut auf das System brachte mich dazu, mich auch für andere einzusetzen", so Franke.

Seit 2015 erstreitet er als Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Soziale Gerechtigkeit für Sozialfälle Leistungen, beispielsweise für die Miete. Das Problem liegt in der Natur des Menschen, sagt Franke. "90 Prozent der Personen, die ich treffe, können sich nicht selbst helfen", sagt er. "Deshalb tue ich es." Im Moment hat er gerade 90 Mandate. Der Ablauf ist immer gleich: Franke ackert sich durch die Gesetze, bis er findet, was er sucht. Dann reicht er beim Amt Widerspruch ein und falls sein Widersacher dann nicht einlenkt, geht es vor das Münchner Sozialgericht. Für diese Tätigkeit hat Franke eine Woche lang eine Fachanwaltsausbildung absolviert, bezahlt "aus eigener Tasche". Für jeden Fall brauche er rund zwei bis drei Tage, alles ehrenamtlich, versteht sich. Bisher seien es fünf Fälle, die vor Gericht endeten. "Meine Bilanz: Vier mal gewonnen, ein Vergleich."

Seine Mandanten haben oft schon eine ganze Sammlung von Problemen, bevor sie zu ihm kommen. "Eines haben sie gemeinsam: Sie wollen alle arbeiten", sagt er. Oft seien sie schon älter und kämen aus einem Job, in dem sie lange gearbeitet haben und gut verdienten. Ein häufiges Problem: Die Firmen versuchten, die Abfindung zu sparen und der Mitarbeiter bemerke es gar nicht. Was undenkbar klingt, ist laut Franke nachvollziehbar: "Diese Menschen sind oft schon psychisch angeschlagen, weil sie jahrelang aus der Firma gemobbt wurden." Hier hilft Franke, schreibt die Firmen an, mahnt, fordert, bis seine Mandanten zu ihrem Recht kommen.

Auch die Kunden des Mietervereins, den Franke 2009 gründete, kommen oft erst, wenn es eigentlich schon lange zu spät ist. "Wenn die Kinder husten, weil alles voller Schimmel ist." Das komme im Landkreis öfter vor, als man denke. Die Beratung durch die Rechtsexperten des Vereins steht nur den Mitgliedern offen, die auch Beiträge zahlen. Allerdings gibt es einen Rechtshilfe-Fonds, der bei einer Niederlage vor Gericht etwas beisteuern könne, so Franke. Doch oft reiche es auch, den Vermieter anzuschreiben und mit Erkenntnissen aus einer Begutachtung zu konfrontieren: Etwa der Feuchte in der Wand oder Fotos mit schwarzen Flecken darauf. "Am effektivsten ist es, wenn wir eine Mietminderung androhen", so Franke.

Diesen Samstag veranstaltet der Verein Soziale Gerechtigkeit zusammen mit der Partei Die Linke ab 14 Uhr ein Grillfest im Pfaffenhofener Sport- und Freizeitpark. Für Tafelausweis-Besitzer gibt es kostenlos Essen, aber das Fest ist offen für alle. Für die, die keinen Tafelausweis haben, gilt: Jeder soll sich selbst etwas mitbringen. Auch die Spitzenkandidatin der Linken Bayern für die Landtagswahl, Eva Bulling-Schröter, sowie der Pfaffenhofener SPD-Kreisvorsitzende Markus Käser haben sich angekündigt.

Desirée Brenner
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