Sonntag, 18. November 2018
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Umweltminister Marcel Huber bekommt in Schweitenkirchen stehenden Applaus für seine Rede

Infos statt populistischer Thesen

Schweitenkirchen
erstellt am 21.05.2018 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schweitenkirchen (PK) Stehenden Applaus für seine Rede bekam der bayerische Umweltminister Marcel Huber beim politischen Frühschoppen der CSU in der Schweitenkirchener Festhalle. Anstatt zu polarisieren und zu polemisieren setzte Huber auf Information - und brachte so die vollbesetzte Halle hinter sich.
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Umweltminister Marcel Huber traf den richtigen Ton und bekam für seine Rede in Schweitenkirchen viel Applaus.
Umweltminister Marcel Huber traf den richtigen Ton und bekam für seine Rede in Schweitenkirchen viel Applaus.
Herchenbach
Schweitenkirchen
Der Empfang, den die Schweitenkirchener ihrem Ehrengast aus der Münchener Staatskanzlei bereiteten, hätte für einen Ministerpräsidenten nur unwesentlich opulenter ausfallen können: Nachdem Huber sich im Rahmen eines Sektempfangs im Rathaus ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen hatte, geleitete ihn ein Festzug in die Halle, angeführt von der Blaskapelle der Schweitenkirchener Musikanten, gefolgt von einer Abordnung der Königstreuen mit König-Ludwig-Fahne und der Freiwilligen Feuerwehr. Am Straßenrand hatten die "Eichenlaub"-Schützen Aufstellung genommen und salutierten mit Böllerschüssen.

Der politische Frühschoppen der CSU hat Tradition: Nun schon im 39. Jahr laden die Christsozialen prominente Redner und Gäste zum Pfingstvolksfest ein. Der Landtagsabgeordnete Karl Straub konnte alle drei Landräte begrüßen, außerdem die Kandidaten für den Bezirks- und den Landtag, Martina Fischer, Fabian Fössler und den Pfaffenhofener CSU-Ortsvorsitzenden Christian Moser, den es ins Maximilianeum zieht.

Straub stimmt die Gäste auf die Landtagswahl im Oktober ein: Dem Vorwurf, alle Parteien seien doch verwechselbar und austauschbar, setzte er die jüngsten Entscheidung des Söder-Kabinetts entgegen: die Kreuzverordnung, die das christliche Symbol in allen Behörden vorschreibt, und das Polizeiaufgabengesetz, das "die bayerischen Bürger noch besser schützt als bisher schon". Lügen würden darüber verbreitet: Es würden, so Straub, keine Chat-Verläufe im Internet ausspioniert. Aber "wenn wir eine drohende Gefahr verhindern können, dann werden wir die Bevölkerung davor schützen".

Huber, promovierter Tiermediziner und engagierter Katholik aus Mühldorf, versuchte erst gar nicht, mit populistischen Thesen am rechten politischen Rand zu fischen. Er hob den Wohlstand in Bayern hervor, der bewahrt werden solle. Diesen Wohlstand will der 60-Jährige allerdings nicht auf den materiellen Reichtum reduziert wissen. Vielmehr gehören dazu das Gesundheits- und das Bildungssystem, das "jedem jungen Menschen die Chance gibt, das aus sich rauszuholen, was in ihm steckt". Wohlstand sei auch eine verantwortungsvolle Finanzpolitik. Inzwischen sei in Bayern der 13. Haushalt ohne Neuverschuldung beschlossen worden. 2030, so das Ziel, sei Bayern schuldenfrei.

Innere Sicherheit bietet für ihn ebenfalls Wohlstand. Terroristen könnten heute für Anschläge Drohnen einsetzen, da reiche es nicht, ihre Kommunikation per Handy oder auf dem PC abzufangen. Das Polizeiaufgabengesetz ermöglicht es jetzt auch, in Clouds zu schauen.

Huber stellt sich als überzeugten Europäer vor und beklagte, dass die Diskussion nur polarisierend geführt werde zwischen Europa-Befürwortern und Gegnern. Als Beispiel berichtete er von einem Staubsaugerkäufer, der im Geschäft ein besonders leistungsstarkes Modell verlangt, aber erfährt, dass die Motorkraft nach einer EU-Richtlinie bei 1600 Watt gedrosselt ist. Dem Unverständnis des Kunden hielt er die Vorteile der EU wie die Währungseinheit und die Freizügigkeit entgegen, dass Jugendliche aus Deutschland in ganz Europa studieren können.

Wichtig war es Marcel Huber zu betonen, dass er sich "als Christ in einem reichen Land" verpflichtet fühlt, "Verfolgten Unterschupf zu gewähren". "Das ist meine 100-prozentige Überzeugung!" Drei Türen gebe es für Menschen aus anderen Ländern, nach Deutschland zu kommen. Dies sei die erste. Die zweite sei die europäische Freizügigkeit. Durch die dritte Tür kämen Zuwanderer, und für die müssten Bedingungen gestellt werden, wie dies andere Länder auch tun. Und wenn jemand aus diesem Personenkreis fälschlicherweise durch die erste Tür für Verfolgte gekommen sei, dann müsse man ihm bedeuten, sich noch einmal an der dritten Tür anzustellen.

Kurz blitzte am Schluss dann doch noch der Umweltminister in Huber auf. Der Minister plädierte zugunsten von Insekten für ein "gestaffeltes Blühangebot". Wenn etwa das Rapsfeld abgeerntet sei, wäre der Acker oft über Monate eine Brachfläche. Auch das "Straßenbegleitgrün" müsse nicht einfach nur grün sei. "Und da können Sie alle hier auch etwas tun", ermunterte der Umweltminister die Gäste, die ihm stehend applaudierten.
 
Albert Herchenbach
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