Samstag, 15. Dezember 2018
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Durch Hundeattacke in Vieth gebeutelte Familie sucht dringend kleine Wohnung in Pfaffenhofen

Hoffnung auf ein sicheres Zuhause

Scheyern
erstellt am 09.10.2018 um 09:47 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Vieth (PK) Die auch im Kreis Pfaffenhofen allgegenwärtige Krise auf dem Wohnungsmarkt trifft zwar alle - eine kleine Familie aber ganz besonders. Der mittlerweile siebenjährige Bub aus Vieth, der Anfang Juli bei einer Hundeattacke verletzt wurde und psychisch schwer gezeichnet ist, und seine 31-jährige Mutter suchen in Pfaffenhofen händeringend ein neues Zuhause.
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Die Geschichte der kleinen Familie könnte aus einem Kinodrama stammen. Erst Mitte des Jahres sind die beiden umgezogen. Raus aus Pfaffenhofen, nach draußen aufs Land hat es damals geheißen. Im kleinen Scheyrer Ortsteil Vieth sind die beiden fündig geworden. Am Ortsrand haben sie ihre neue Wohnung bezogen. "Wir mussten da zwar viel herrichten und renovieren", erzählt die Mutter. "Aber das sind wir mit Energie angegangen, weil es hier schon sehr idyllisch ist." Gegenüber grasen die Kühe. Den Feldweg entlang beginnt gleich der Wald. Der Hof der Vermieter ist in Sichtweite - und der damals Sechsjährige hat im etwas älteren Sohn des Vermieters auch gleich einen neuen Freund gefunden.

Doch die ländliche Glückseligkeit in Vieth war den beiden Neuankömmlingen gerade mal gute zwei Wochen vergönnt. Dann hat sich jenes Unglück zugetragen, das inzwischen dem halben Landkreis bekannt ist. "Mein Bub ist beim Spielen von den beiden Hunden unseres Vermieters angegriffen worden", erzählt die Mutter - ohne den rechtlichen Streit um das "Weshalb" oder das "Wie genau" erneut aufzuwärmen. Definitiv steht fest, dass sie ihren Sohn mit schweren Kopfverletzungen unter den Hunden herausziehen und ins Krankenhaus bringen musste. Die Verletzungen sind bis heute deutlich zu sehen. Die dicken Narben am Hinterkopf können auch die langsam nachwachsenden Haare nicht verbergen. "Körperlich geht es ihm ja schon wieder viel besser", meint die 31-Jährige. Aber was überhaupt noch nicht verheilt ist, sind die Narben auf der Seele und in der Psyche ihres Buben. "Der Psychologe meint, dass er auf keinen Fall gesund werden kann, wenn er in diesem Umfeld bleiben muss", erzählt sie. Und wie unmöglich die Situation für den Buben sein muss, kann jeder nachvollziehen, der sich vorstellt, dass er die beiden Hunde, die ihm das angetan haben, jeden Tag bellen hören oder beim Gassigehen sehen muss.

Mit dem Nachbarsjungen spielt er übrigens immer noch. "Das sind Kinder, die können ja beide rein gar nichts dafür", meint die Mutter. Aber das Verhältnis zum Vermieter und Besitzer der beiden Hunde könnte schlechter kaum sein. Bei den Tieren handelt es sich um zwei Cane-Corso-Mischlinge, die den Wesenstest bestanden haben und daher weiterhin - wenn auch unter Auflagen - auf dem Hof in Vieth bleiben dürfen. "Der Kontakt läuft mittlerweile nur noch über den Anwalt", erzählt die Mutter. Vor einigen Tagen hat sie zudem die Kündigung zugestellt bekommen. Ende des Jahres muss sie ihre Wohnung, die sie erst Mitte Juni bezogen und deren Renovierung sie seit dem Vorfall natürlich ruhen hat lassen, wieder verlassen. "Da bin ich ja froh drum, wir müssen hier unbedingt weg", sagt sie. Aber: Eine andere Wohnung ist für sie nicht in Sicht.

Die gelernte Bäckereifachverkäuferin arbeitet derzeit als Servicekraft in einer Küche. Der Vater hat die Familie schon vor Jahren im Stich gelassen. "Er kümmert sich nicht", klagt die Mutter. Selbst nach dem schweren Unfall im Juli hat er sich nicht bei ihr und ihrem Sohn gemeldet. Der Kontakt ist weitgehend erloschen. Auch finanziell will sich der Vater nicht kümmern. Außer Schulden hat er wenig hinterlassen. "Daher ist es finanziell sehr eng für uns", räumt die in Teilzeit arbeitende Mutter ein. Umso schwerer macht es ihr das natürlich, eine angemessene Wohnung zu finden. Ihre Schwester und ihre Eltern sind für die gebürtige Pfaffenhofenerin zwar immer da. Aber bei der Wohnungssuche hilft ihr das auch nicht weiter. Von der Gemeinde Scheyern fühlt sich die junge Mutter weitgehend im Stich gelassen. Und die Stadt Pfaffenhofen ist derzeit nicht für sie zuständig. So konnte ihr die Stadtverwaltung lediglich einen Platz im Obdachlosenheim anbieten. "Aber das kommt nicht infrage", sagt die Mutter. "Das kann ich meinem Kind niemals antun."

Lediglich zwei Zimmer bräuchte sie für sich und ihren Sohn. Am besten in Pfaffenhofen selbst. Oder im direkten Umfeld. "Das Landleben ist ihm gründlich vergangen", erzählt sie. "Er will lieber in die Stadt zurück. Da beißen die Hunde nicht, sagt er immer."

In Pfaffenhofen geht der kleine zur Schule. Hier hat er seine Freunde. Auch der Psychologe rät der kleinen Familie, sich wieder in die alte Heimat zu orientieren. "Wir suchen doch nur ein sicheres Zuhause." Genau das zu finden, ist angesichts der prekären Lage auf dem Wohnungsmarkt aber schier unmöglich. "Wir haben natürlich nicht die besten Voraussetzungen", meint die Mutter. "Aber vielleicht kann uns jemand helfen und eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung vermitteln. Das würde uns so sehr weiterhelfen", sagt sie.

Falls kleine Hunde in dem Haus leben würden, wäre das auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Die Familie liebt Hunde. Zumindest wenn sie klein sind. "Kleine Hunde haben auch kleine Zähne, sagt mein Bub immer", berichtet die Mama und bekommt dabei feuchte Augen. Diese Ansicht kommt nicht von ungefähr. Denn der Siebenjährige, dem die beiden italienischen Wachhunde so heftig zugesetzt haben, besitzt selbst einen kleinen Mops. "Er liebt ihn. Er schläft sogar bei ihm im Bett - und beschützt ihn", erzählt die 31-Jährige. Der Respekt und die Angst vor anderen Hunden ist beim Siebenjährigen trotzdem geblieben. Und auch die Mutter macht keinen Hehl daraus, dass sie das Erlebte noch lange nicht verarbeitet hat. "Ich sehe jeden Tag das Bild von der Hundeattacke vor mir", erzählt sie ehrlich. Wenn sie aus dem Fenster blickt, wird ihr Blick ganz glasig. Dann erinnert sie sich. Denn gleich gegenüber der eigenen Haustür ist es passiert. Dort drunten am Feldweg, direkt vor dem Haus. Vor jenem Haus, das sie jetzt verlassen muss - und auch unbedingt verlassen will. "Hoffentlich liest das jemand, der uns helfen kann, der eine Wohnung hat oder weiß - und der mir und meinem Kind ein neues Leben ermöglichen möchte. Wir wären sehr dankbar und wären mit Sicherheit auch sehr gute Mieter."

Wer helfen könnte, in Pfaffenhofen oder der nahen Umgebung eine Wohnung besitzt und diese an die gebeutelte Mutter und deren Sohn vermieten könnte, kann sich an die Lokalredaktion wenden. Per E-Mail an redaktion@pfaffenhofenerkurier.de nimmt unsere Redaktion Angebote gerne entgegen und stellt den Kontakt zu der jungen Mutter her. Vielleicht wendet sich das Drama dann zum Guten - und die Geschichte nimmt ein glückliches Ende.
 
Patrick Ermert
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