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Geisenfelderin Sylvia Kuffer kümmert sich in ihrem Gnadenhof um über 50 gerettete Kaninchen

„Hoppel ins Glück“

Geisenfeld
erstellt am 25.08.2017 um 14:41 Uhr
aktualisiert am 30.08.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Geisenfeld (GZ) „Hoppel im Glück“ heißt der Gnadenhof für Kaninchen, den Sylvia Kuffer betreibt. Über 50 Vierbeiner betreut die Geisenfelderin derzeit in ihrem Garten und gerät dabei langsam nicht nur finanziell an ihre Grenzen.
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Kaninchen-Auffangstation Geisenfeld im August 2017
Sylvia Kuffer
Geisenfeld

Wer das „Hasen-Asyl“ sucht, muss sich nur an den bunten Schirmen orientieren, die über den Gartenzaun des Anwesens in der Eichenstraße lugen. Sie spenden den geschundenen Kreaturen Schatten, die von der Geisenfelderin aus Qual-Haltungen oder vor dem Tod gerettet wurden.

Neugierig begrüßt Heidrun die Besucherin von der Heimatzeitung. Die Bart-Kaninchendame gehört einer vom Aussterben bedrohten Rasse an. „Sie sollte getötet werden, weil sie nicht zuchttauglich ist – der Augenabstand ist nicht normgerecht“, erzählt Sylvia Kuffer. In ihren Armen hält die Betreiberin der Tierpension, die zugleich Gnadenhof und Auffangsstation ist, ein Angorakaninchen. Billi schmiegt sich schutzsuchend an seine Retterin. „Sie glauben gar nicht, was man alles erlebt“ , sagt die junge Frau, während sie sanft das flauschige Fell des Tieres streichelt.

Billi hat sie aus „miserabler Haltung“ freigekauft. „Sein Minikäfig war voller Kot und schwarzer Spinnweben“ erinnert sich die Tierschützerin mit Schaudern. Ohne Wasser und Fressen vegetierte das Tier nur noch vor sich hin, die Krallen überlang, das Fell so verfilzt, dass es die Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Unter Narkose musste Billi von seinem knotigen Fell befreit werden. „Nach und nach haben sich seine Muskeln wieder aufgebaut, jetzt kann er sogar hüpfen“, freut sich seine „Pflegerin“, die ihm die ersten Nächte rund um die Uhr zur Seite stand. „Unter anderem, um den Bauch zu massieren, damit seine Verdauung überhaupt mal in Gang kam“, erklärt sie.

Auch Häschen Franzl ist ein Härtefall. Alle zwei Stunden braucht er Medikamente, und seine Ohren müssen regelmäßig gesäubert werden. „Demnächst wird er an den Lauschern operiert“, so die Mutter eines kleinen Sohnes, die solche Kosten bisher aus eigener Tasche stemmt.

Maggie Zurek
Geisenfeld

Derzeit kümmert sich die gelernte Sprechstundenhilfe um 53 Kaninchen. Sie finanziert auch die Kastration nicht sterilisierter Tiere („damit das unkontrollierte Vermehren aufhört“) und lässt sie allesamt impfen. Pro Tier macht das zusammen 100 Euro. Um ihre Schützlinge sachgerecht versorgen zu können, hat sich die Geisenfelderin fortgebildet und eigens nach dem Tierschutzgesetz eine Prüfung beim Veterinäramt abgelegt. In der Gruppe „Bayern rockt“ hilft sie den Behörden zusammen mit 14 weiteren, ehrenamtlichen Mitstreitern, bayernweit Notfälle zu versorgen. Gerade sind die Tierschützer auf der Suche nach Pflegestellen für 150 Angorakaninchen aus einer Rosenheimer Qualzucht.

Geplant war das alles nicht. Zunächst hatte Sylvia Kuffer lediglich zwei eigene Kaninchen. Als dann eine Bekannte fragte, ob sie bereit wäre, eine verwitwete Kaninchendame dazu zunehmen, „hab ich natürlich ja gesagt“. Nicht ahnend, welche Eigendynamik das entwickeln würde. Es folgte eine Bitte um die Urlaubsbetreuung einiger Vierbeiner – und auch die nahm sie an. Die Besitzer wollten die Tiere später aber nicht zurücknehmen. Kuffer behielt sie. Und richtete im Internet einen Blog ein, um Haltern Hinweise für die sachgerechte Haltung von Kaninchen zu geben.

Statt diese Tipps zu beherzigen, fühlten sich aber offenbar einige Menschen ermuntert, unliebsame Hausgenossen auf die Schnelle bei ihr zu „entsorgen“. Einmal findet sie sechs Kaninchen in einem Karton, einmal landet ein blutüberströmtes Tier auf dem Gelände. „Offensichtlich einfach über den Zaun geworfen, um sich das Geld für eine Behandlung zu sparen“, ist die junge Frau erbost. Leider gelte gerade bei Hasen allzu häufig: „Ostern kaufen, Pfingsten aussetzen“, so Kuffer. Überhaupt seien Kaninchen kein Kinderspielzeug, man dürfe sie nicht allein halten „und sie brauchen viel Auslauf und Frischfutter, um gesund zu bleiben“.

Sylvia Kuffer aus Geisenfeld hat eine Auffangstation für bedrohnte Kaninchen eingerichtet
Zurek, Magdalena, Geisenfeld
Geisenfeld

„Aus dem anfänglichen Hobby ist mittlerweile ein sehr zeitintensiver Job geworden“, erklärt die Mutter in Elternzeit, warum sie dringend auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern ist – sei es für den Gehegebau, die Fütterung der Tiere oder das Ausmisten der Ställe. „Jede helfende Hand ist willkommen“, sagt sie und würde sich auch über liebevolle Menschen freuen, „die ein Tier zu sich nehmen und bereit sind, es artgerecht zu halten“.

Wer keinen Platz oder keine Zeit hat, kann alternativ auch die finanzielle Patenschaft für einen der Vierbeiner übernehmen oder einfach einmalig eine Spende leisten (nähere Informationen unter www.tierpension-geisenfeld.de). Das nächste Problem, dass die resolute Tierschützerin lösen muss, naht mit dem Winter. „Da brauchen meine Hoppels eine großzügige, überdachte Fläche, damit sie auch bei Regen und Kälte ausreichend Auslauf haben“, verweist sie auf nötige Baumaßnahmen. Schon erledigt ist die Installation von Überwachungskameras. Die sollen ungebetene Gäste mit unlauteren Absichten abschrecken.

Maggie Zurek
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