Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Vier Beteiligte an Laurenzimarkt-Schlägerei vor Gericht

Haftstrafen nach derber "Stiefelei"

Ernsgaden
erstellt am 11.10.2018 um 12:57 Uhr
aktualisiert am 14.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ernsgaden (GZ) Zu empfindlichen Haftstrafen - wenngleich auf Bewährung - hat das Pfaffenhofener Amtsgericht zwei junge Männer verurteilt, die im vergangenen Jahr auf dem Ernsgadener Laurenzimarkt auf einen 22-Jährigen eingetreten haben.
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Und damit nicht genug - denn offenbar waren die Täter als Gruppe unterwegs: Ein Dritter handelte sich eine Woche Dauerarrest ein. Ein vierter mutmaßlicher Täter, der angeblich untergetaucht war, wurde aus der Justizvollzugsanstalt Gablingen dem Gericht ebenfalls als Zeuge vorgeführt. Und noch im Sitzungssaal kündigte Staatsanwalt Ingo Desing an, gegen ihn ebenfalls ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Zu Erinnerung: Am 5. August vor einem Jahr abends gegen 20 Uhr setzte sich Andreas B. (alle Namen geändert) mit seiner Freundin Bina im Festzelt zu den drei jetzt Verurteilten an den Tisch. Das war offensichtlich keine sonderlich gute Idee. Denn einer der drei Männer, der 18-jährige Eric O., war Binas Ex-Freund. Ob's tatsächlich keinen anderen Platz im Zelt gab oder ob Andreas seinem Vorgänger demonstrieren wollte, dass Bina mit ihm die bessere Wahl getroffen hat, wurde in der Verhandlung nicht erörtert. Fest steht, dass die drei Männer Andreas anpöbelten ("Du Spast"), ihm folgten, als er das Zelt verließ, ihn zu Boden stießen und auf ihn eintraten. Nur dem beherzten Eingreifen eines Rentners ("Jetzt ist Schluss! Aufhören!") ist es zu verdanken, dass Andreas außer ein paar blauen Flecken nicht schwerer verletzt wurde.

Die erste Verhandlung vor zwei Wochen war vertagt worden, weil das Trio erklärte, an der "Stiefelei" nicht beteiligt gewesen zu sein; so heißt das im Jugendjargon, wenn man auf jemanden eintritt, der schon am Boden liegt. Vielmehr schoben sie die Schuld auf einen vierten Täter, Fabian N., der allerdings unauffindbar sei, weil ihn angeblich seine Eltern rausgeschmissen hätten. Der Verteidiger Hermann Hammermaier hatte deshalb beantragt, Fabian ausfindig zu machen und vorzuladen. Was, wie sich jetzt herausstellte, relativ einfach war. Denn der 26-Jährige ist nach dem Rauswurf nicht obdachlos geworden, sondern hat durchaus ein Dach überm Kopf - allerdings kein allzu komfortables im Gablinger Knast. Von dort haben ihn zwei Polizisten in den Pfaffenhofener Sitzungssaal begleitet. Amtsrichter Ulrich Klose belehrte ihn als Zeugen, dass es ihm freistehe, auszusagen. Er müsse sich nicht selbst belasten. Das hatte Fabian allerdings auch gar nicht vor: Er habe nicht zugetreten, erklärte er umgehend. Staatsanwalt Desing schaltet sich ein: Wenn er aussage, dann bitte wahrheitsgemäß. Tatsächlich war damals Zeugen und dem Opfer Fabians sehr augenfälliges Tattoo aufgefallen, das auch Desing nicht verborgen blieb. Er werde ein Ermittlungsverfahren einleiten. Und dann komme zu dieser Anklage eben noch eine zweite wegen Falschaussage hinzu. "Also", fragte Richter Klose, "wie wollen Sie es halten?" Fabian entschied sich: Er hielt sich bedeckt und sagte ganz einfach gar nichts mehr.
Für den Staatsanwalt war die Sache klar: Alle drei Angeklagten hätten sich der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Er forderte Haftstrafen von zehn beziehungsweise zwölf Monaten auf Bewährung, eine Jugendstrafe für Eric O., außerdem ein Schmerzensgeld für das Opfer sowie eine Geldauflage. Die Nebenklägerin erkannte in der Tat sogar einen versuchten Totschlag. Die Tritte hätten lebensbedrohlich sein können. Der Verteidiger forderte hingegen einen Freispruch. Seine Begründung: Die Zeugenaussagen seien widersprüchlich, die Verletzungen geringfügig - und deshalb hätten auch gar nicht drei Personen zugetreten, sondern vielleicht nur zwei. "In dubio pro reo" also - im Zweifel für den Angeklagten.

Das sah das Schöffengericht aber anders: Der Tatvorwurf habe sich eindeutig bestätigt, hieß es. Es verurteilte die beiden älteren Angeklagten zu zehn beziehungsweise zwölf Monaten Haft auf Bewährung sowie zur Zahlung einer Geldauflage von 900 und 1000 Euro. Außerdem muss jeder dem Opfer 300 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der einzige, der in den Knast marschiert, ist der 18-Jährige. Ihm hat das Gericht nach dem Jugendstrafrecht einen einwöchigen Dauerarrest aufgedrückt.

Eric hielt das für ungerecht. Auf die Frage des Richters, ob der das Urteil annehme, schüttelt er den Kopf. Er will Berufung einlegen. Schwierig, sagte Klose, weil Jugendarrest eine erzieherische Maßnahme sei. Für Eric macht das aber offenbar keinen Unterschied.
Albert Herchenbach
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