Mittwoch, 16. Januar 2019
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Die Theatergruppe Tegernbach bietet eine rundum gelungene Premiere

Gefeierte Provinzdiva

Tegernbach
erstellt am 14.01.2019 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 14:01 Uhr | x gelesen
Tegernbach (PK) Das Stück die "Die Provinzdiva" hat auf der Bühne des Pfarrsaals in Tegernbach Premiere gefeiert. Die Theatergruppe Tegernbach bot eine rundum gelungene Vorstellung.
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Stummfilmstar Reni Claude gespielt von Eva Birgmeir (hinten) verpasst der Gürgermeistergattin Gundula Brunnleitner (Monika Lehmair) eine Gurkenmaske.
Stummfilmstar Reni Claude gespielt von Eva Birgmeir (hinten) verpasst der Gürgermeistergattin Gundula Brunnleitner (Monika Lehmair) eine Gurkenmaske.
Ermert
Tegernbach
Die Premiere des Theaterstücks von Holger Zimmermann hätte besser nicht sein können. Alle Rollen waren perfekt besetzt, die Schauspieler brillierten, das Bühnenbild des Brunnleitnerwirts passte bis ins letzte Detail und bildete den perfekten Rahmen für das Schauspiel. Die Premiere war ein voller Erfolg.

Die Darsteller der Tegernbacher Theatergruppe versetzten die Zuschauer in die 30er Jahre und nahmen sie mit in das verschlafene Kaff Holzmaising. Dort legt die im wahrsten Sinne des Wortes beinahe abgestürzte Reni Claude (Evi Birgmeir), ein gefeierter Stummfilmstar aus Berlin, eine Bruchlandung hin und sorgt dann teils für gewaltige Furore und Herzklopfen - aber auch dafür, dass dem Bürgermeister und Wirt Sebastian Brunnleitner (Martin Ostermair) das Herz in die Hose rutscht, als er hört, wer da in seinem beschaulichen Dorf gelandet ist. Denn die Mutter des Filmstars wohnte vor 30 Jahren in Holzmaising und verschwand damals Hals über Kopf aus dem Dorf.

Das Auftauchen der glamourösen Tochter bringt natürlich eine gewaltige Unruhe ins Dorf, am meisten trifft es aber anscheinend den Bürgermeister, denn die Reni will offensichtlich mit Hilfe eines Fotos herausfinden, wer ihr Vater sein könnte.

Der Bürgermeister hat ein rabenschwarzen Gewissen. "Es geht um d'Ehr, ums Sein oder Nichtsein, zumindest wenn mei Oide dahinterkummt", jammert er seinem Knecht Dirscherl (Christian Hörmann) die Ohren voll und bettelt, dass der sich als Bürgermeister ausgibt und verspricht ihm alles mögliche dafür. Der Knecht Dirscherl, schlau wie er ist, verlangt alles schriftlich. Dann wird ganz schnell die Kleidung getauscht.

Keiner im ganzen Dorf kennt sich mehr aus, der Bürgermeister hat aber schnell eine Ausrede parat und seiner "Oidn" (Monika Lehmair) ist der Rollentausch anscheinend ganz recht, sagt sie doch zum richtigen Dirscherl: "Sperrst heit abend dei Kammertür net zua" und genießt ihr neues, freies Leben.

Dieses Bäumlein-Wechsle-Spiel sorgt natürlich für viel Verwirrung. Dem richtigen Bürgermeister steht das Wasser bis zum Hals, er wird immer kleinlauter, sein "Nachfolger" genießt das Bürgermeisterleben. Er fällt unangenehme Entscheidungen, die dem Großbauern und Gemeinderat Korbinian Lang (Claus Reisner) den Schlaf rauben, er sieht mit Sorge auf die kommenden Wahlen.

Ein absoluter Hingucker bei der Premiere war die Gurkenmaske der Frau Bürgermeister, die ihr die Reni aufgelegt hat. Nicht weniger amüsant war der Auftritt der Postbotin Wally (Sonja Roßmeier), die immer schon zum Film wollte. Sie ließ die Hüllen vor Renis Manager Wichtlstein (Christian Reiter) fallen und sang "Ich bin die fesche Lola", wie einst Marlene Dietrich, und tanzte auf den Tischen, was beim Publikum bestens ankam. Der Applaus zeigte es deutlich.

Einige Mannsbilder aus Holzmaising wollten natürlich, dass die Reni Claude schnell wieder verschwindet. Ob das gelungen ist und ob sie ihren Vater gefunden hat, wird nicht verraten. Die Besucher der nächsten Vorstellungen werden es aber auf alle Fälle erfahren und können sich auf einen tollen, abwechslungsreichen und total witzigen Theaterabend freuen. Allerdings sind alle elf Veranstaltungen bereits Zeit ausverkauft.

Die Theatergruppe Tegernbach ist kein Verein, sie ist eine unselbständige Organisation der Katholischen Kirchenstiftung Tegernbach, die den Erlös der Theaterabende jedes Jahr an verschiedene wohltätige Einrichtungen spendet. Die Regie, die Maske, die ganze Aufführung des Theaterstücks und auch das tolle Bühnenbild wurden in kompletter Eigenregie mit viel Herzblut und Liebe zum Detail erstellt.

Christian Hörmann ist zusammen mit Karin Langenecker und Martin Ostermair für die Regie verantwortlich. Neben den altbekannten Schauspielern waren heuer auch Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen mit auf der Bühne, die einen guten Einstand hatten, auch die Arbeiten hinter der Bühne liefen reibungslos. Hörmann bedankte sich fürs Kommen und für den Applaus bei den Besuchern und meinte zum Abschluss: "Uns hat es allen großen Spaß gemacht, jetzt wissen wir erst, was uns im letzten Jahr abgegangen ist", denn damals gab es kein Theater in Tegernbach.
 
Anna Ermert
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