Mittwoch, 23. Mai 2018
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Viele Flurnamen rund um Pfaffenhofen, die unsere Großeltern noch im Schlaf aufsagen konnten, geraten mehr und mehr in Vergessenheit. In dieser PK-Serie werden sie gedeutet - diesmal von Herrnrast bis Reichertshausen. Von Reinhard Haiplik

Wo einst eine unglückselige Braut ertrank

erstellt am 17.05.2018 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 20.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Viele Flurnamen rund um Pfaffenhofen, die unsere Großeltern
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An der Brautlache  im Ilmmünsterer Forst erinnert ein Marterl an das Ertrinken einer Braut, die dort auf der Fahrt zu ihrer Hochzeit starb.
An der Brautlache im Ilmmünsterer Forst erinnert ein Marterl an das Ertrinken einer Braut, die dort auf der Fahrt zu ihrer Hochzeit starb.
Foto: PK-Archiv
Kehren wir zurück nach Herrnrast. Das Waldstück "Eckloh" (im Süden) ragt wie eine Ecke nach Nordwesten hinein. Hier wird - wieder einmal - die Form des Flurstückes beschrieben. So könnte man "Eckloh" mit "lichtem Wald an einer Ecke" erklären. Das Riedermühlholz (Der Wald bei der Riedermühle) drängt sich schon nahe an die Bundesstraße 13. Von der so glänzend renovierten Wallfahrtskirche Herrnrast führt, den Buchengrund entlang, ein Weg zum Dürrnberg hinauf. "Buchengrund" ist einfach zu deuten: Es ist ein kleines, an Buchen reiches Tal. Der Name Dürrnberg erzählt von einem wasserarmen, trockenen Berg. Zu Grunde liegt das Eigenschaftswort "dürr". (althochdeutsch "durri"). Der Dürrnbucher Forst ist demnach ein Forst mit wenig Wasser und vielen Buchen.

Der Dürrnberg trennt die Waldabteilungen "Vordere und Hintere Klinge". Wir haben erwähnt, dass "Klinge" bei Flurnamen einen Taleinschnitt bezeichnet. In der "Vorderen Klinge" sind südlich des Herrnraster Baches Grabhügelfelder zu erkennen. In der "Hinteren Klinge" sind sie fast zerstört. Weitere Grabhügel erkennen wir im Riedermühlholz. Am östlichen Ende des Waldes erhebt sich, unmittelbar vor dem schon zu Freising gehörenden Weiler Letten, der "Lettenberg" , der lehmige Berg (von althochdeutsch "letto" für Lehm). Weiter südlich, schon am östlichen Waldrand, liegt der "Christlberg" - der Berg eines Mannes mit dem Vornamen Christian? Ein Berg, den ein Kreuz oder eine Christusstatue zierte?

Wenn wir uns links vom Christlberg Richtung Reichertshausen dem Wald zuwenden, bietet sich, leicht erhöht, ein wunderschöner Platz mit Tisch und Bank zum Rasten an. An föhnigen Tagen gewährt er Alpenblick. Ein liebliches Bild: Man sieht die Kirchtürme von Paunzhausen, Johanneck und Walterskirchen, Wiesen, Wälder und Felder, Dörfer, Weiler und Einöden. Es ist eine Landschaft, die das Herz erfreut. Nicht großartig, nicht spektakulär, aber anheimelnd und beruhigend. Dass Paunzhausen zum beliebten Wohnort wurde, verwundert da nicht.

Im Wald wird es dann, dunkler und geheimnisvoller. Leicht verliert man auf schmalen Pfaden die Orientierung. Wenn wir konsequent dem Radweg nach Reichertshausen folgen, gelangen wir nach einiger Zeit zu einer Weggabelung. Etwas abseits bilden zwei lange, waagrechte Bretter einen Zaun. Über einen meist trockenen Graben führt ein Steg. Altertümlich wirkende Buchstaben ergeben das Wort "Brautlache" - den Namen dieser Flur. Er erinnert an eine unglückliche Braut, die hier auf der Fahrt zur Hochzeit starb. Das Bild auf dem Marterl wirkt dramatisch: Mondschein, hohe Tannen und eine Kutsche bilden den Rahmen. Im Vordergrund die braun gekleidete Braut. Das Ende ihres schneeweißen Schleiers ist schon ins Wasser getaucht. Mund und Augen der jungen Frau sind weit geöffnet. Verzweifelt hebt die Sterbende die Arme zum Himmel. Das Rinnsal, der hier floss, hat sich wohl nach heftigem Regen zu einer riesigen Lache gewandelt, die der Braut dann zum Verhängnis wurde.

Der "Brautlachenweg" endet am Friedhof von Reichertshausen. Wir könnten auch über die Angerhöfe durch den Reichertshauser Wald wandern und wieder dem Wegweiser für Radfahrer folgen. Der Weg, von dem man besser nicht abzweigt, ist stimmungsvoll. Mitten im Wald treffen wir auf einen lauschigen Platz. Auf zwei morsch werdenden Bänken könnten wir unter Hagebuttensträuchern rasten und uns in die Einsamkeit, die einen hier umgibt, versenken. Vor einer Bildsäule lesen wir den Flurnamen "Sankt Leonhard". Vielleicht stammt, das Bild, das wir sehen, vom Maler der sterbenden Braut. Hier aber erblicken wir Mystisches: ein Jäger mit langem Gewehr wandert durch den Wald. Sein Hund läuft vor ihm. Über den Bäumen blickt der heilige Leonhard , von hellem Schein umstrahlt, auf ihn herab.

Südlich schließt sich ein Wald an, der einen schönen Namen trägt: "Weihenlinde". Wir können einen Zusammenhang mit der Bildsäule nicht ausschließen. Vielleicht ist nach einer Legende hier der heilige Leonhard über einer Linde dem Jäger erschienen. In Orts- und Flurnamen bedeutet "Weih" (von althochdeutsch "wih") heilig. Den Germanen waren Eichen und Linden heilig. In späterer Zeit stellte man dort gerne Marienfiguren hinein. So könnte eine Linde mit einer heiligen Maria dem Wald seinen Namen gegeben haben.

Man wandert meist ganz allein durch das Reichertshauser Holz. Dabei sind die Wege gepflegt, abwechslungsreich und irgendwie geheimnisvoll.

Zum Autor: Heimatforscher Reinhard Haiplik (64) ist Verfasser zahlreicher heimatkundlicher Schriften und Bücher, im PK hat er bereits Serien über "Geheimnisvolle Plätze in unserer Heimat" und "Ungewöhnliche Ortsnamen" veröffentlicht.
Reinhard Haiplik
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