Sonntag, 24. Juni 2018
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Unsere Serie zu fast vergessenen Flurnamen behandelt diesmal das Obere Ilmtal von der Herfurt bei Reichertshausen über das Riedfeld bei Steinkirchen hin zum Bannholz bei Jetzendorf. Von Reinhard Haiplik

Von Pech, Purrbach und Pottacken

erstellt am 12.06.2018 um 18:01 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Unsere Serie zu fast vergessenen Flurnamen behandelt diesmal
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Blick von der Kapelle Sankt Nikolaus am Kremshof Richtung Bannholz.
Blick von der Kapelle Sankt Nikolaus am Kremshof Richtung Bannholz.
Foto: Straßer
Unsere Flurnamenreise führt von Petershausen zurück in den Landkreis Pfaffenhofen und zu den Wiesen, Hügeln und Wäldern, die sich um die Straße von Reichertshausen nach Jetzendorf ausbreiten. Zunächst blicken wir aber noch einmal auf den neuen Reichertshausener Friedhof. In seiner Nähe stand einst ein Waldstück, das den seltenen Namen "Herfurt" trug. Herfurt das ist die Furt bei einem Weg, durch den einst Heere zogen. In einer Urkunde von 1431 wird der Weg von Schloss Reichertshausen zur Herfurt als "arigk und pös"(arg und bös) bezeichnet und darüber sei "manig Clag" (so manche Klage) gekommen. In Flurnamen mit dem Grundwort "Straße" oder "Weg" könnte man einen Hinweis auf römische oder zumindest frühmittelalterliche Verkehrswege sehen.

Südlich von Haunstetten erhebt sich der Kirchenberg. Namensgeberin war wohl die Kirche von Haunstetten, die einmal Ziel vieler Pilger war. Auf dem Kirchenberg liegen vorgeschichtliche Grabhügel. Diese waren auch zwischen Pischelsdorf und Steinkirchen zu erkennen. Der Flurname "Leberwiese" ist ein Beleg dafür. Das mittelhochdeutsche Wort lêwar bedeutet Grab-, Gerichts- oder Grenzhügel.

Auf den Kirchenberg bei Haunstetten folgt im Westen das Haselholz mit dem Hennenberg. Im Haselholz wurden, wie bei dem in einer Lichtung liegenden Haselhof, viele Haselnussstauden, auf dem Hennenberg viele Wildhühner gesehen. Der große deutsche Flurnamenforscher Joseph Schnetz schließt bei mit "Henne" zusammengesetzten Flurnamen einen Zusammenhang mit "Hühne", also einer riesenhaften Gestalt, nicht aus. Wie erwähnt kann das Bestimmungswort "Henne" aber auch an die Abgabenpflicht in Naturalien erinnern, die der Bauer an seinen Grundherrn zu leisten hatte. Die mit Abstand sinnvollste Deutung des "Hennenberg" wird im beliebten Aufenthaltsort von Wildhühnern zu sehen sein.

Zwischen Steinkirchen und Gründholm liegt das "Frauenholz". Vielleicht war der Wald in Besitz eines Frauenkloster. Das Birgittinnenkloster von Altomünster läge nicht weit. Ein Baum, eine Bildstock oder eine Kapelle mit der Muttergottes könnten aber auch zu diesem Namen geführt haben. Wir finden davon keine Spuren mehr.

Zwischen dem Haselholz und dem Frauenholz liegt wieder ein "Gereut", eine gerodete Fläche. Das "Riedfeld" dehnt sich links der Straße von Steinkirchen nach Lampertshausen aus. Gerodetes Feld oder Feld, auf dem Schilf und Sumpfgras wachsen? Für die erstere These spricht die Nähe zum Frauenholz, für die zweite die Nähe zur Ilm.

Auf das Frauenholz folgt - wieder im Westen - das "Bannholz", manchmal auch fälschlicherweise "Bonnholz" geschrieben. Ein "Bannwald" bezeichnet einen Wald, der im Gegensatz zum Gemeindewald allgemein nicht zugänglich, also "gebannt", versperrt und verboten war. Oft unterlagen Banngebiete einer besonderen Gerichtsbarkeit. Heute herrscht im "Bannwald" lebhaftes Treiben: An seinem westlichen Rand wurde der gern besuchte Waldkletterpark errichtet.

Durch das Bannholz fließt der Purrbach. Er hat zwei Quellen. Die eine in einem Weiher vor Breitsamet, die andere zwischen Hörzell und Graham. Eduard Wallner ("Die Ortsnamen des Bezirksamtes Pfaffenhofen") sieht in den Bachnamen einen Zusammenhang mit der Scheyerer Burg, zu dessen Gebiet der Purrbach, wie er meint, gehörte. Wenn man, was hier sinnvoller scheint, Joseph Schnetz folgt, dann liegt das Wort "burren"(althochdeutsch "burjan" für erheben und mittelhochdeutsch "bor" für oberer Raum) zu Grunde.

Wenden wir uns nun Flurnamen in der Nähe der Straße zu, die von Jetzendorf nach Petershausen führt. Vor den Ausläufern des Kammerberger Holzes liegt der "Pechberg". Er erinnert an Pechhütten, in denen einst Baumharz verarbeitet wurde. Eine Pechhütte stand auch außerhalb Pfaffenhofens und der Straßenname "Pechleite" erinnert an sie. So eine Pechhütte stand wohl auch südlich von Jetzendorf. "Pech und Schwefel" - da denkt man an die Hölle. Mag es da verwundern, dass die beim Pechberg liegende Waldabteilung "Höllholz" genannt wird? Wenn nicht hier die bereits ausführlich dargelegten Erklärungsversuche zum Bestimmungswort "Hölle" greifen.

Südlich des Pechberges schieben sich die "Schafgeren", ein schmales Waldstück, in die Fluren um Jetzendorf und die hübschen Weiler Weingarten, Brunnhof und Thann. In Anlehnung an das althochdeutsche Wort "gêr" (Speer) sind Flurstücke mit diesem Namensbestandteil immer spitz zulaufende Geländeformen.

Vor den "Schafgeren" und dem östlich davon liegenden "Gemeindehölzl" zieht sich der "Schwöllgraben" (von mittelhochdeutsch "swellen" für anschwellen). Es ist eine Stelle, an der angeschwemmtes Wasser gestaut wird.

Das "Schlossfeld" am Südrand von Jetzendorf kündet von Jetzendorfer Schlossbesitz. In einer Karte aus dem Jahre 1809 ist jenseits der Ilm eine Flur mit dem Namen "Pottaschenofen" vermerkt. Meinte der Schreiber, bayerischer Mundart nicht kundig, "Pottackenofen"? "Pottacken" ist ein altbairisches Wort für "Kartoffel".

Zum Autor: Heimatforscher Reinhard Haiplik (64) ist Verfasser zahlreicher heimatkundlicher Schriften und Bücher.
Reinhard Haiplik
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