Freitag, 20. Juli 2018
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Arbeitskreis Inklusion bricht Lanze für das Bildungsbüro - und fordert Kreisräte zum Umdenken auf

"Ein völlig falsches Zeichen"

Pfaffenhofen
erstellt am 13.07.2018 um 18:11 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Das am Landratsamt eingerichtete Bildungsbüro soll abgespeckt werden. Bestand es anfangs aus drei geförderten Stellen, soll die Arbeit bald nur noch ein Mitarbeiter erledigen - zumindest wenn es nach der Mehrheit im Kreisausschuss geht. Den Arbeitskreis Inklusion hat diese Nachricht regelrecht geschockt.
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"Das wäre ein Zeichen, das in die völlig falsche Richtung geht", bringt es Manfred "Mensch" Mayer auf den Punkt, was die sozial in allen Richtungen engagierten Mitglieder des Arbeitskreises seit Bekanntwerden der Nachricht umtreibt. Alle sind enttäuscht, die meisten sauer, manche sogar richtig aufgebracht. "Das sind geförderte Stellen, die der Landkreis nur zum Teil bezahlen muss", fügt er an. Da das Förderprogramm verlängert werde, sei es in den Augen der Arbeitskreismitglieder eher sinnvoll, das Bildungsbüro zu erweitern und eine Zusatzstelle einzurichten, anstatt jetzt am Personal zu sparen und Stellen zu streichen. "Wir bitten die Kreisräte also und fordern sie auch dazu auf, der Empfehlung aus dem Kreisausschuss nicht zu folgen", sagt Mayer im Namen des losen Zusammenschlusses (siehe Infokasten). "Es ist aus unserer Sicht sogar ein Muss, das Bildungsbüro in der jetzigen Zusammensetzung mindestens zu erhalten, um im Sinne der Agenda 2030 handeln zu können."

Und genau das fordert der Arbeitskreis von einem Landkreis, der sich mit dem Qualitätssiegel "Bildungsregion in Bayern" schmückt. Man könne solche Ziele nicht nur formulieren, man müsse auch etwas dafür tun, um sie zu erreichen, so Mayer weiter. Also fordert er die Kreisräte, die am Montag über das Vorhaben abstimmen, nun zum Umdenken auf - und damit quasi auch zum kollektiven Ungehorsam gegenüber dem Kreisausschuss und dem Vorschlag, den am Montag der stellvertretende Landrat Anton Westner (CSU) im Namen der Kreisverwaltung vorbrachte.

Die Debatte dort war zwar sehr kontrovers verlaufen. Aus so gut wie allen Fraktionen - mit Ausnahme der CSU - waren lobende Worte für die Arbeit des Bildungsbüros zu vernehmen. Gegen die Kürzung stimmten dann aber lediglich die beiden Vertreter der Grünen und der ÖDP, Kerstin Schnapp und Reinhard Haiplik. Aus allen Richtungen war zu hören, dass die Mitarbeiter des Bildungsbüros einen schweren Start hatten. Das räumt auch Manfred "Mensch" Mayer ein. "Anfangs ist das nicht glücklich gelaufen, vor allem die Informationspolitik hat nicht gepasst", meint er. Aber dann hätten sich die Mitarbeiter gemausert und eine "wirklich sehr, sehr gute Arbeit" geleistet. Das von Westner vorgebrachte Argument, wonach die Datenerhebung (also das "Monitoring") inzwischen so gut wie abgeschlossen sei, lässt der Arbeitskreis Inklusion nicht gelten. "Es gibt genug Projekte, die unseren Schulen helfen würden, die Inklusion zu fördern", sagt Mayer. Problemfelder gebe es genug, die Schulen hätten Probleme an allen Ecken und Enden. "Bayern soll barrierefrei werden, heißt es zumindest", fügt Mayer an. Und dabei gehe es nicht nur um Hindernisse für Rollstuhlfahrer, die aus dem Weg geräumt werden müssen. "Es geht auch, und vor allem, um die Barrieren in den Köpfen."

Hier habe der Freistaat noch einen weiten Weg zu gehen. Und der Landkreis ebenso. "Gerade der Einstieg ins Berufsleben ist für viele Menschen mit besonderen Bedürfnissen mehr als steinig", so Mayer. Und obwohl es an vielen Stellen gewisse Initiativen gebe, weise die bayerische Landkarte hier noch immer weitgehend weiße Flecken auf. Es gebe also genug Handlungsfelder, mit denen die Agenda 2030 vorangetrieben werden könne, denken die Arbeitskreismitglieder.

Gerade in der heutigen Zeit, in der bekanntlich viele Personengruppe ausgegrenzt würden, sei es doppelt wichtig ein Zeichen zu setzen. "Der Ansturm der Asylbewerber hat sich zwar erledigt. Aber wir haben genügend Menschen hier, egal welcher Nationalität, die in unsere Gesellschaft besser eingebunden werden müssen", so Mayer. Ein Schritt in diese Richtung sei die Beibehaltung oder gar der Ausbau des Bildungsbüros. "Hoffentlich überdenken jetzt manche ihre Meinung."
Patrick Ermert
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