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Pfaffenhofener Gymnasiasten stellen Produktion mit tschechischen Partnern auf die Beine

Ein Musical für die Freundschaft

Pfaffenhofen
erstellt am 26.04.2018 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 29.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Auf ein neues Musiktheater können sich die Schüler des Pfaffenhofener Schyren-Gymnasiums freuen. Zusammen mit tschechischen Gymnasiasten in Decín und dem Konservatorium in Teplice entsteht eine Produktion mit über 100 Schülern aus beiden Ländern. Premiere von "TISA" im Herbst 2019.
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Die Proben laufen bereits: Das Ensemble aus Judith Jung (von links), Stefan Daubner, Dieter Sauer, Christiane Sauer, Marie-Therese Daubner und Wolfgang Jung gehört mit zur Mannschaft einer deutsch-tschechischen Ko-Produktion für das Musical ?TISA? am Schyren-Gymnasium.
Die Proben laufen bereits: Das Ensemble aus Judith Jung (von links), Stefan Daubner, Dieter Sauer, Christiane Sauer, Marie-Therese Daubner und Wolfgang Jung gehört mit zur Mannschaft einer deutsch-tschechischen Ko-Produktion für das Musical "TISA" am Schyren-Gymnasium.
Foto: Steininger
Pfaffenhofen
Nach dem großem Erfolg des Musicals "Gisela und Stephan" vor dem Hintergrund der Scheyerer Geschichte haben sich die Autoren Stefan Daubner (Musik) und seine Gattin Marie-Therese (Text) der Neuzeit gewidmet: Die Handlung des neuen Stücks dreht sich in zwei Akten um den tschechischen Buben Tibor und das sudetendeutsche Mädchen Sabine, die sich im Jahr 1945 ineinander verlieben, aber durch die Vertreibung auseinandergerissen werden. In späteren Jahren treffen sie sich durch allerlei Zufälle wieder.

Die Geschichte beleuchtet die Umstände während der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht und führt über die Vertreibung und den Prager Frühling bis in die Gegenwart. Diesen Handlungsablauf erläuterte Stefan Daubner kürzlich auch einer Gruppe mit Schulleiter Dietmar Boshof, Vertretern aus Tschechien, Sängerinnen, einem Musikensemble, Elternbeirat und möglichen Mitwirkenden. Der Name "TISA" stehe sowohl für eine Ortschaft in Nordböhmen mit dem Kletterfelsen "Januskopf", der im Bühnenbild eine zentrale Rolle spielt, als auch für die Initialen "Ti Sa" für Tibor und Sabine.

Problematisch ist, dass Sabines Vater als Orts-Oberscharführer noch wenige Tage vor Kriegsende eine Durchhalterede hält, die in Auszügen und im Originaltext zitiert wird: "Die wirkt für sich alleine, die kann man nicht umschreiben", betont Daubner. Dazu singt ein fröhlicher Kinderchor, der zunehmend durch Unheil verkündende, disharmonische Klänge übertönt wird. Da macht sich schon bei der beispielhaften Präsentation im Musiksaal des Schyren-Gymnasiums Gänsehaut breit, und das Ensemble aus Marie-Therese Daubner, Christiane Sauer, Dieter Sauer, Wolfgang Jung und Stefan Daubner tut ein Übriges, um mit kurzen Ausschnitten das musikalische Spektrum des Musicals vorzustellen. Als Gesangssolistinnen präsentieren sich Claudia Rösch und Judith Jung - und alle zusammen erwecken den Eindruck, dass sich ein Besuch des Musicals bei der Aufführung im Herbst 2019 lohnen wird.

Aber nicht zuletzt auch deshalb, weil die wechselvolle Geschichte beider Länder ausgewogen zur Sprache kommt, denn auch der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland mit Exzessen, Selbstjustiz und Diskriminierungen widmet das Drehbuch genügend Raum. Tibors Vater Petr trägt als Kommunist seinen Teil dazu bei und steht in krassem Gegensatz zu seinem liberal denkenden Sohn. Sabines Vater aber wird erschlagen, sie verliert ihre kleine Schwester Emma und wird vertrieben. Der zweite Akt beginnt in Pfaffenhofen und dreht sich zunächst um Sabines Mutter, die mit ihren Kindern als Vertriebene in den Baracken in der Ziegelstraße untergekommen ist.

Sabines Verbindung zu Tibor ist eigentlich nie abgerissen, allerdings unterschlägt ihre Mutter ein Telegramm von Tibor, der mit Sabine auswandern will. Die lebt künftig ihr eigenes Leben im Westen, wird Journalistin und trifft 1968 im Prager Frühling per Zufall Tibor wieder. Beide aber haben eigene Partner und Kinder - und trennen sich wieder mit einem Abschiedswalzer.

Im Jahr 2008 steht der Januskopf im Mittelpunkt einer Schar internationaler junger Kletterer, darunter Sabines 16-jährige Enkelin Tina und Tibors Enkel Jan. Bei einer gemeinsamen, anspruchsvollen Klettertour stürzt Jan ins Seil. Dessen Opa Tibor hilft ihm aus seiner misslichen Situation, entdeckt Tina und im Gespräch mit ihr erfährt er, dass sie Sabines Enkelin ist. Sabine aber ist Tina nach Tisa nachgereist, auch weil sie den Verlust ihrer kleinen Schwester Emma nie verwunden hat. Zusammen mit Tibor gehen beide zum Felsen, wo Sabine ihre kleine Schwester symbolisch beerdigt, um abzuschließen und normal trauern zu können.

Eine Geschichte, die viele originale Geschehnisse beinhaltet, deren Szenen durch eine jeweils passende Musik förmlich illustriert werden und deren Texte dreisprachig (Deutsch, Tschechisch und Englisch) gesprochen und gesungen werden. Noch aber haben die Handlungsstränge "ein paar lose Enden", fügt Autorin Marie-Therese Daubner hinzu, aber bis zur Premiere werden die sicher miteinander verknüpft sein.

Die tschechische Übertragung stammt von Andrea Fischerová, der englische Text von Veronika Kettner. Als Regisseurin wurde Jaroslava Leufenová gewonnen, die auch für das Prager Nationaltheater tätig ist.

Weitere Informationen gibt es demnächst auf der entsprechenden Internetseite unter www.tisa-musical.eu.

Hans Steininger
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