Montag, 16. Juli 2018
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20-Jähriger wird von allen Vorwürfen freigesprochen

Doppelgänger als Moped-Dieb

Pfaffenhofen
erstellt am 13.07.2018 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) So ganz genau wusste die Ingolstädter Staatsanwaltschaft auch nicht, weswegen sie den Beschuldigten belangen sollte.
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Und deshalb schickte sie dem 20-Jährigen eine Entweder-oder-Klage ins Haus: Entweder habe Markus F. (Name geändert) das Moped geklaut. Oder er habe das Moped, das ein anderer geklaut hat, von ihm kaufen wollen. Wie's wirklich war, versuchte jetzt das Jugendgericht zu klären.

"Also", sagt Markus F. , der schmal und blass auf der Anklagebank sitzt, "ich war das nicht. " Und um seine Unschuld zu untermauern, erklärt er: "Ich hab' ja noch nicht mal einen Führerschein. " "Das spielt überhaupt keine Rolle", entgegnet Amtsrichter Ulrich Klose. Wohl wahr: Man braucht keine Fahrlizenz, um ein Moped zu klauen. Markus F. schweigt beklommen. Sein Verteidigungs-Trumpf ist ihm aus der Hand genommen worden. Sein Anwalt Andreas Kreitmeier springt ihm bei und fragt ihn: "Rauchst du? " "Nein", erwidert Markus. Nun muss man auch kein Raucher sein, um ein Moped zu stehlen. Aber: Wenn er schon nicht das Moped, das abgeschlossen aber unbeaufsichtigt in einer Abensberger Hofeinfahrt stand, gestohlen hat, dann hat er zumindest das geklaute Moped kaufen wollen. Das jedenfalls behauptet ein Zeuge. Vereinbart waren 500 Euro, zahlbar in Zigarettenwährung. Aber warum sollte ein Nichtraucher in Zigaretten-Währung zahlen?

Der Zeuge, ein 19-Jähriger, ist ein ehemaliger Schulkamerad von Markus. Auch er ist beschuldigt, das Moped als Hehlerware erworben zu haben. Das zumindest hatte er damals der Polizei gesagt: Markus F. habe es kaufen wollen. Der Richter weist ihn auf sein Aussageverweigerungsrecht hin: Er muss sich vor seinem anstehenden Prozess nicht selbst belasten. Ob er dennoch etwas sagen wolle? Der 19-Jährige schweigt lange. Nach einer gefühlten Minute erklärt er schließlich: "Das war ein anderer Markus F. , nicht der da", und deutet auf den Angeklagten.

Demnach gibt es also zwei Personen mit diesem Namen? Ein Polizist, der in dieser Sache ermittelt hatte, ist als Zeuge geladen worden. Man habe, erklärt er, nach einem Markus F. gesucht und sei dann auf denjenigen gestoßen, der jetzt auf der Anlagebank sitzt. Einen anderen Markus F. habe die Polizei nicht ermitteln können. Ob es denn nicht damals eine Gegenüberstellung gegeben hätte, will der Richter wissen. Nein, gab's nicht. Damit ist der Fall zwar nicht geklärt, aber abgeschlossen. Markus F. wird ohne Wenn und Aber freigesprochen, die Prozesskosten trägt die Staatskasse.
Albert Herchenbach
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