Donnerstag, 13. Dezember 2018
Lade Login-Box.

"Alles gut durchdacht" bis "bodenlose Fehlentwicklung": Kreisräte reagieren auf neue Klinikplanung

Die Diskussion kann beginnen

Pfaffenhofen
erstellt am 07.12.2018 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Eine "angeregte und offene Diskussion in alle Richtungen" wünscht sich Landrat Martin Wolf (CSU) für die kommenden Wochen rund um die neuen Pläne zur Generalsanierung des Pfaffenhofener Krankenhauses. "Kann er haben", scheinen sich die Kreisräte bereits während der Klausur am Donnerstag gedacht zu haben - und sind auch im Nachgang meinungsfreudig.
Textgröße
Drucken
Die neue Planung für die Generalsanierung der Ilmtalklinik liegt vor ? und darf ab sofort munter diskutiert werden. Landrat Martin Wolf hat die Kreisräte sogar extra zu Wortmeldungen aufgerufen ? und die Lokalpolitiker kommen seinem Wunsch eifrig nach.
Die neue Planung für die Generalsanierung der Ilmtalklinik liegt vor - und darf ab sofort munter diskutiert werden. Landrat Martin Wolf hat die Kreisräte sogar extra zu Wortmeldungen aufgerufen - und die Lokalpolitiker kommen seinem Wunsch eifrig nach.
Ebensberger
Pfaffenhofen
Bereits im Pressegespräch nach der Klausur sprach Wolf vier Wortbeiträge aus den Reihen der Kreisräte ganz explizit an. Die "Klimafrage" stellte Roland Dörfler von den Grünen. Da der Klinikkomplex vom Biomasseheizkraftwerk mit Wärme versorgt wird, gebe es von dieser Seite nichts mehr zu verbessern, antwortete Wolf. Bei der Stromversorgung seien aber sehr wohl Neuerungen möglich. Eine PV-Anlage auf dem Dach, um den Eigenverbrauch deutlich zu senken, regte Dörfler an - und die Planer werden sich diesem Thema daher annehmen.

Damit der Landkreis als Bauherr während der Generalsanierung stets auf dem Laufenden ist, sprach sich Max Hechinger (Freie Wähler) für ein neu zu gründendes Gremium aus. Dieses dürfe sich nicht aus ehrenamtlichen Kreisräten zusammensetzen, sondern müsse aus "echten Profis" bestehen, die den Bau überwachen. Auf Widerspruch stößt er mit diesem Vorstoß bei Reinhard Heinrich, dem CSU-Fraktionssprecher. Dieser sieht hier den Projektsteuerer in der Pflicht. Aktuell ist das Stefan Link von den Hitzler Ingenieuren. Generell hätten die neuen Planer bei Heinrich einen guten Eindruck hinterlassen, fügt er an. "Alles ist seriös, das Konzept ist gut - ich stehe dazu."

Dennoch verweist Heinrich darauf, dass der Landkreis angesichts der unseligen Vorgeschichte der Kliniksanierung ein "gebranntes Kind" und deshalb eine gewisse "Vorsicht bei der Kostenentwicklung" angebracht sei. Auf die Steigerung von ehemals 70 Millionen Euro auf nun 82,5 Millionen Euro für die reine Krankenhaussanierung spiele er damit jedoch nicht an. "Das wäre wie Äpfel mit Birnen vergleichen. Weil in die frühere Planung ja nur zwei Drittel des Krankenhauses einbezogen waren", so Heinrich weiter. Es komme ihm vielmehr darauf an, die Entwicklung der Kosten über die mindestens sieben Sanierungsjahre hinweg kritisch zu begleiten - und konsequent im Auge zu behalten. "Unsere Zustimmung darf kein Persilschein sein, dass jedes Geld der Welt für die Sanierung zur Verfügung gestellt wird", so Heinrich. Wenn etwas teurer als erwartet werde, müsse das gegenüber den Aufsichts- und Kreisräten auch schlüssig erklärt und erst dann abgesegnet werden, fordert der CSU-Fraktionssprecher. "Wir müssen sehr dahinter sein, dann können wir die Kostensteigerungen auch etwas besser im Rahmen halten."

Die Stimmung während der Klausur soll unter den Kreisräten eher gelöst gewesen sein, berichten die Teilnehmer. Nur einer konnte sich mit dem Gehörten überhaupt nicht anfreunden: Ex-Landrat und FDP-Kreisrat Josef Schäch. Er bezeichnet die Entscheidung für eine Sanierung, die "eventuell fast genauso viel oder halt nur etwas weniger Geld wie ein Neubau" koste, als "bodenlose Fehlentwicklung". Er sei "sehr sauer", beschrieb Schäch seine Stimmungslage am Tag nach der Klausur. Er habe vor vielen Jahren einen großen Kampf für ein Gymnasium in Wolnzach geliefert - und jetzt werde er sich ebenso intensiv für die Ilmtalklinik einsetzen, kündigte er an. Wie viele Räte an seiner Seite gegen die Sanierungsvariante stimmen werden, kann und will er nicht einschätzen. "Aber ich werde Zahlen, Fakten und einen Vorschlag liefern", versicherte er - auch wenn er dafür noch ein wenig Zeit brauche und jetzt keinen Schnellschuss abfeuern wolle. Nur soviel gleich vorab: Schäch glaubt nicht daran, dass einer Klinik in dieser Größe noch eine lange Zukunft beschieden ist. "Man braucht nur nach Mainburg oder Schrobenhausen schauen, es sind einfach größere Strukturen gewünscht. Mit 400 Betten oder mehr", fährt Schäch fort. Kein anderer Landkreis nehme so viel Geld für eine Sanierung eines so kleinen Hauses in die Hand. Ein Neubau komme nicht viel teurer und sei absolut möglich - "und das werde ich allen darlegen."

Landrat Wolf und Ilmtalklinik-Geschäftsführer Ingo Goldammer sehen das anders. "Eine älter werdende Gesellschaft braucht das Krankenhaus um die Ecke", entgegnet Wolf. Der Gegenwind aus dem Gesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) sei deutlich zu spüren. "Wir kämpfen politisch aufs Härteste gegen diese Berliner Linie", meint Wolf - und wünscht sich "mehr Bodenbezug" der Bundesregierung. Auch Goldammer teilt Schächs Bedenken nicht. "Diese Sanierung beschert dem Pfaffenhofener Krankenhaus eine gute Ausgangsposition für die Zukunft."

Ähnlich sehen es die Sozialdemokraten und die Räte der Aktiven Unabhängigen Liste (AUL). Markus Käser (SPD) versucht sich an einem Rechenbeispiel. "Bei aktueller Kostenschätzung geben wir die kommenden zehn Jahre rund 85 bis 100 Euro pro Jahr und pro Landkreisbürger für die Sanierung aus. Wir denken, das ist bestens angelegtes Geld und jedem Bürger die Zukunftsfähigkeit unserer Klinik wert." Der Landkreis könne sich diese Investition leisten - und Käser betrachtet es auch als Verpflichtung, den Standort Pfaffenhofen zukunftsfähig aufzustellen. "Wir bekommen neue medizinische Standards, bessere Raumnutzungen und echte Wohlfühlatmosphäre auf den Zimmern und Stationen. Wir sollten deshalb nicht zu kurz springen oder an der falschen Stelle den Rotstift ansetzen." Daher würde Käser ein zusätzliches Wohnheim für Pflegepersonal ebenso mitplanen wie eine neue Rettungswache. "Hinsichtlich des beantragten fünften Rettungswagens sollte sie auch tatsächlich neu gebaut werden", fordert er. Und auch das Therapiebad soll - eventuell in Kooperation mit der Danuviusklinik - weitergeführt werden.

Landrat Wolf hatte bei der Präsentation bezüglich des Rettungswachen-Neubaus übrigens von einer "Option" gesprochen, zu der sich kommenden Dienstag bei der Sitzung des Rettungszweckverbands wohl Wegweisendes ergeben werde. Die Sanierung der drei fast 40 Jahre alten Schwesternwohnheime und den Neubau eines weiteren Wohnheims bezeichnete Wolf hingegen als gute Idee. Im Rennen um gute Pflegekräfte sei Wohnraum ein echtes Pfund, sogar im Wettstreit mit großen Kliniken in München.

Voll hinter die angedachte Planung stellt sich schließlich auch noch die AUL. Deren Sprecher Christian Staudter unterstreicht, dass die Fraktion "am Überleben eines kommunalen Krankenhauses sehr interessiert" sei - und sich mit den Vorschlägen des kompetent wirkenden Planungsbüros identifizieren könne. "Der Bestand bleibt erhalten, ein Neubau ist vom Tisch. Jetzt müssen wir die Sanierung sinnvoll begleiten. Aber alles ist gut durchdacht - und wir tragen das mit", so Staudter.
Patrick Ermert
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!