Donnerstag, 17. Januar 2019
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Zukunftsträchtiger Zweig für die Einrichtung

Das neue Zugpferd der Scheyrer FOS

Scheyern
erstellt am 11.01.2019 um 16:02 Uhr
aktualisiert am 16.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Scheyern (PK) Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Die Berufliche Oberschule Scheyern hat vergangenes Jahr den neuen Fachoberschulzweig Agrarwirtschaft, Biotechnologie und Umwelttechnik einrichten können. Jetzt geht es um die Nachhaltigkeit: Die Schulleitung hofft, dass sich heuer noch mehr Schüler aus der Region 10 für den zukunftsträchtigen FOS-Zweig begeistern können.
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Die Laborwerte von Lebensmitteln  testen, ein ordentliches  Bier brauen, eine nachhaltige Photovoltaikanlage planen oder sich daran erfreuen, wie der eigene Daumen immer grüner wird – all das und noch viel mehr  lernen die Scheyrer FOS-Schüler seit einem  halben Jahr im neuen Zweig Agrarwirtschaft, Biotechnologie und Umwelttechnik (ABU).  „Der Startschuss hat hervorragend geklappt“, berichtet Bärbel Ritthammer, die Stellvertretende Schulleiterin der Beruflichen Oberschule. Und nicht nur die Lehrkräfte, vor allem die Schüler sind begeistert.

„Ich freue mich jeden Tag darauf ins Praktikum zu gehen, wo mich Spaß, super Kollegen und viel Interessantes erwartet“, sagt Milena Selmayer. Die  17-jährige Pfaffenhofenerin  übt sich neben dem Schulalltag  im Mikrobiologielabor der  urologischen Arztpraxis von Thomas Niesel. „Ich  wurde vom ersten Tag an wie eine Azubine behandelt – und dadurch sind meine Aufgaben sehr vielseitig“, sagt sie. Statt  Post abzuschicken oder Akten zu schreddern, erhält die 17-Jährige  Einblicke in verschiedene Behandlungen und Verfahren, um Krankheitserreger aufzuspüren.

Ähnlich wie Milena Selmayer ergeht es den meisten ABU-Schülern. „Alle sind wohl nicht glücklich. Das ist aber in jedem Zweig leider ganz normal“, meint Ritthammer.  Zusammen mit Otmar Schaal, der ebenfalls in der Schulleitung mitarbeitet, und Winfried Menges, der tatkräftig unterstützt von Bernd Huber die Praktikumsplätze organisiert, wirkt Ritthammer zufrieden mit den ersten Monaten. „Wir hatten 68 Anmeldungen – schon diese Welle hat uns positiv überrascht“, berichtet Schulleiter Hubert Ruisinger.  „Und es haben nur zwei abgesagt“, fügt Ritthammer an. Diese Quote sei sagenhaft, meist besser als in den weiteren FOS-Zweigen Technik, Wirtschaft und Sozialwesen.

War der erste Anlauf der Scheyrer Schule noch deutlich gescheitert, sich mit ABU einen ganz speziellen Zukunftszweig zu sichern, wurde die kritische Hürde von etwa 50 Anmeldungen im Vorjahr ganz locker genommen. „Überraschend ist dabei vor allem, dass wir eine solide Basis von Schülern  aus unserem eigenen Landkreis   haben“, sagt Otmar Schaal. Lediglich um die 20 Anmeldungen kamen aus der weiteren Umgebung. „Da würden wir gerne noch etwas stärker werden“, fügt Schaal an – und beginnt ein wenig zu werben. ABU sei vielseitig, sagt er. Anfangs sei er noch als Landwirtschaftszweig etwas verrufen gewesen, meint Maximilian Fengler, ein 17-jähriger ABU-Schüler aus Wolnzach. „Zu Unrecht“, wie er anfügt. Denn der Unterricht sei vielfältig, die Praktika breit gefächert. „Da geht es viel um Lebensmittel, um Umwelttechnik und um Nachhaltigkeit.“ Aus genau diesem Grund hat es Stefan Wörle in Kauf genommen, aus Sielenbach nach Scheyern zu pendeln. „Mein Praktikum kann ich daheim in Aichach machen“, sagt er.    „Und der Unterricht ist super. Viel Bio, viel Chemie.“

Es ist bekanntlich gerade der naturwissenschaftliche Bereich, der für die heimische Wirtschaft von besonderem Interesse ist. „Da kommen Techniker und Fachkräfte heraus“, sagt Menges. „Und da haben wir bei uns eher einen Mangel.“ Probleme, passende Praktikumsplätze zu finden, hat er daher kaum. „Die Firmen sind schon sehr auf Nachwuchs aus und kümmern sich entsprechend gut darum.“ Bislang war der naturwissenschaftliche MINT-Bereich –  Chemie, Biologie und Physik – in der Region  unterrepräsentiert, fügt Bärbel Ritthammer an. „Genau in diese Nische stoßen wir mit dem ABU-Zweig hinein. Das ist für viele Schüler hochinteressant. Und oft auch für die Eltern, die für ihre Kinder  immer nur das Beste wollen.“
Wegen der Fokussierung auf die Naturwissenschaften überrascht es ein wenig, dass keineswegs die Buben, sondern vielmehr die Mädchen beim ABU-Zweig in der Überzahl sind. „Wir können was mit Tieren machen, was mit Pflanzen, was mit Lebensmitteln – oder ins Labor gehen“, erzählt Linnea Klee. Die 17-jährige Jetzendorferin absolviert ihr Praktikum in der Klosterbrauerei  und hat dort riesigen Spaß. „Vielleicht mache ich das ja mal beruflich“, liebäugelt sie etwas mit dem Brauerberuf. „Und wenn nicht, war es eine tolle Erfahrung.“

Genau darauf kommt es letztlich auch an. Wer die Vielfalt des Zweiges, aber auch die weiteren Angebote der Scheyrer FOS kennenlernen möchte, kann am Montag, 21. Januar, ab 19 Uhr zum großen Infoabend in den Wittelsbacher Saal des Klosters kommen. „Für erste Informationen ist das genau das Richtige“, versichert Ritthammer. Und wer einen genaueren Eindruck von der Schule, vom Kloster, den Jugendlichen, den Lehrern oder auch vom Wohnheim bekommen möchte, der sollte sich den Tag der offenen Schule am Samstag, 16. Februar, von 10 bis 13 Uhr vormerken. Die Anmeldung für das kommende Schuljahr findet im Zeitraum vom 18. Februar bis zum 1. März statt. Danach wird sich zeigen, ob der ABU-Zweig das große Zugpferd bleibt – dann eventuell in der gesamten Region 10. 

Gartenbau

Kathrin Haack
Kathrin Haack ist im Bereich Gartenbau tätig.
FOS
Scheyern
Seit September bin ich als Praktikantin im Botanischen Garten in München tätig, um  Erfahrungen im Bereich Gartenbau zu sammeln. Durch die vielen Einblicke  wie zum Beispiel das Alpinum oder das System, lerne ich viele spannende und interessante Fakten über die Natur und die verschiedenen Pflanzen unserer Erde.

Kathrin Haack, 17, Petershausen, Praktikumsplatz: Botanischer Garten

Umweltsicherung

Stefan Wörle
Stefan Wörle ist im Bereich Umweltsicherung tätig.
FOS
Scheyern
In der Kläranlage übernehme ich Laborarbeiten wie Probeentnahmen oder Analysen –  und kann recht selbstständig arbeiten. Da ich auch viel nach draußen komme und Abbauprozesse „live“ miterleben kann, gefällt mir die Arbeit überaus gut. Die Erfahrungen sind eine Riesenchance für meine Vorbereitung auf Studium und Beruf.

Stefan Wörle, 16, Sielenbach, Praktikumsplatz: Klärwerk Aichach

Photovoltaik

Maximilian Fengler
Maximilian Fengler ist im Bereich Photovoltaik tätig.
FOS
Scheyern
Ich bin skeptisch eingestiegen, aber mir ist schnell  aufgefallen, wie  interessant alles ist und wie viel Spaß es macht. Es geht um  wichtige Themen wie Ernährung oder die Eigenschaften des Bodens – und mir gefällt die Verknüpfung zwischen Chemie und Biologie. Während des Praktikums  habe ich viel über das Energiesparen gelernt.

Maximilian Fengler, 17, Wolnzach, Praktikumsplatz: Elektro Neuber

Ernährung

Linnea Klee
Linnea Klee ist im Bereich Ernährung tätig.
FOS
Scheyern
Da ich mich sehr für die Braukunst interessiere und diesen Beruf später vielleicht erlernen möchte, ist dies eine gute Gelegenheit um Erfahrungen zu sammeln, Einblicke in das Geschehen und die Arbeit zu bekommen. Es macht mir sehr viel Spaß und ich bin froh, dass ich mich für den ABU-Zweig entschieden habe.

Linnea Klee, 17, Jetzendorf, Praktikumsplatz: Klosterbrauerei Scheyern
 
Patrick Ermert
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