Mittwoch, 19. September 2018
Lade Login-Box.

Pfaffenhofen und Affalterbach starten Planung für Hochwasserschutzmaßnahmen an Ilm und Gerolsbach

Das lange Warten hat ein Ende

Pfaffenhofen
erstellt am 14.09.2018 um 14:26 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (pat) Seit über 20 Jahren wünschen sich die Bürger aus Pfaffenhofen, Uttenhofen und Affalterbach immer wieder Hochwasserschutzmaßnahmen. Jetzt ist es nach langem Zaudern tatsächlich so, dass das Wasserwirtschaftsamt (WWA) in die Pötte kommt - und ab sofort mit der Planung loslegt.
Textgröße
Drucken
 
Die Stadt muss dazu aber erst einmal ihr Geldsäckel öffnen. Rund 2,9 Millionen Euro kostet alleine das Planen der Vorhaben, die neben der Stadt auch die Anwesen in den beiden Ortsteilen vor sogenannten "hundertjährigen Hochwasserereignissen" (plus einem Puffer von 15 Prozent) bewahren sollen. Die Hälfte dieser Kosten muss Pfaffenhofen selbst berappen, erklärte mit Werner Eidelsburger der zuständige Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt. Der Stadtrat stimmte in seiner Sitzung am Donnerstag einhellig zu, nachdem Eidelsburger diverse Fragen beantwortet hatte.

Umgedacht: Seit dem Hochwasser 2013 erwägt das Wasserwirtschaftsamt wieder Hochwasserschutzmaßnahmen in Pfaffenhofen. Jetzt kann die Planung endlich starten.
Umgedacht: Seit dem Hochwasser 2013 erwägt das Wasserwirtschaftsamt wieder Hochwasserschutzmaßnahmen in Pfaffenhofen. Jetzt kann die Planung endlich starten.
Gegger
Pfaffenhofen
Die eigentlichen Schutzmaßnahmen - voraussichtlich handelt es sich dabei um diverse Mauern und Deiche - taxierte Susanne Lebe in der Präsentation auf ganz grob geschätzte 20 Millionen Euro. "Wobei sich dieser Betrag noch vollkommen ändern kann", schränkte sie den Wert dieser Zahl erheblich ein. Die Kosten werden den vorrangig betroffenen Hausbesitzern und Mietern im Uttenhofener "Elend", in Affalterbach und den betroffenen Stadtteilen von Pfaffenhofen allerdings egal sein. Hauptsache, ihre Keller und Wohnungen werden nicht länger in regelmäßigen Abständen überflutet, so wie es zuletzt vor allem bei der Hochwasserkatastrophe von 1994 und den Überflutungen im Jahr 2013 der Fall war. "Da haben wir sehr genau gesehen, wo überall ein Schutz erforderlich ist", eröffnete Lebe ihre Ausführungen.

So soll im Pfaffenhofener Süden ein großer Flutkanal angelegt werden, der in den Mühlkanal übergeht. Im Westen der Stadt und auf der Ilminsel werden die bestehenden Schutzmauern überprüft und gegebenenfalls erhöht. Weitere Ergänzungen sind entlang der Ilm und am Flutkanal angedacht. Vor allem die Deiche im südlichen Bereich von Affalterbach und die Schutzmauern, die sich quer durch das Dorf ziehen werden, sind zudem absolut neu.

Um all diese Vorhaben zu ermöglichen, muss ein neues hydraulisches Modell für den gesamten Bereich entlang der Ilm und des Gerolsbachs berechnet werden. "Dann setzen wir ein neues Überschwemmungsgebiet fest, das als Grundlage für die Planung gilt", so Eidelsburger. Anfang nächsten Jahres soll dieses Modell auch schon fertig sein. Danach kann mittels einer EU-weiten Ausschreibung ein Planungsbüro gesucht werden, das die Hochwasserplanung dann vorantreibt. "Die ganze Anlage, die Freibordhöhen und die Binnenentwässerung werden dabei auch überprüft", erklärte Lebe.

Werner Eidelsburger nutzte seinen Auftritt im Stadtrat, um sich für die Untätigkeit seiner Behörde in den vergangenen 20 Jahren zu entschuldigen. Vor über 20 Jahren wurde erstmals in diese Richtung überlegt. Dann seien aber die Schutzmaßnahmen an der Donau bei Vohburg dazwischengekommen. "Außerdem wurde das Vorhaben früher für überdimensioniert erachtet", räumte Eidelsburger ein. Erst in den letzten Jahren sei diese Haltung überdacht und schließlich revidiert worden. "Das war eine verwaltungsinterne Geschichte. Aber so wie es aussieht, hat sich das Warten irgendwie auch gelohnt", fügte er an. Denn bis jetzt wäre es niemals möglich gewesen, sowohl die Maßnahmen in Pfaffenhofen als auch jene in Affalterbach in einem Schwung umzusetzen. "Jetzt ist das gekoppelt - und das ist sehr gut."

Die Nachfragen aus dem Gremium drehten sich vorrangig darum, ob die Vorgänge irgendwie beschleunigt werden könnten - und ob es sinnvoll sei, ergänzend auch weitere noch Rückhaltemaßnahmen Ilm- oder Gerolsbach-aufwärts vorzunehmen, also auf dem Grund der Nachbargemeinden. Beiden Gedankenspielen erteilte Eidelsburger klare Absagen. "Der Fokus liegt eindeutig auf dem Innerorts-Ausbau", sagte er. Der Bau von riesigen Rückhaltebecken sei in beiden Fällen absolut utopisch und würde nicht dazu führen, dass auf Deiche und Mauern verzichtet werden könnte. "Die würden dann halt nicht 70 sondern nur 50 Zentimeter hoch", erläuterte der WWA-Abteilungsleiter. "Aber alles in allem würde das die Kosten noch weiter nach oben treiben - und keinen vernünftigen Effekt mit sich bringen."

So verliefen die Anregungen im Sande. Und die Erkenntnis von Hans Prechter (CSU) brachte alles auf einen Nenner. "Seit zehn oder 15 Jahren ist nichts passiert. Jetzt haben wir die Möglichkeit und sollten schnell die Beschlüsse fasse, damit wir es endlich angehen können", meinte er. Wohl wissend, dass noch sehr viel Wasser die Ilm hinabfließen wird, bis diese Schutzmaßnahmen in vielen Jahren hoffentlich umgesetzt sind. Danach wurde abgestimmt, Kontra gab es nicht. Und die Anfrage, ob das WWA den Bürgern eine Infoveranstaltung ermöglichen könnte, beantwortete Eidelsburger zwar positiv, aber auch nicht ohne Einschränkung. "Gerne. Aber erst, wenn wir ein Planungsbüro haben. Davor macht das nämlich noch gar keinen Sinn."
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!