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Das Landwirtsehepaar Weichselbaumer hat seinen Schweinen einen neuen Stall mit viel Platz gebaut

Da graust's keiner Sau

Thalhof
erstellt am 05.06.2018 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 09.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Thalhof (PK) Was die Schweinezucht angeht, ist das Landwirtsehepaar Michael und Barbara Weichselbaumer aus dem Pfaffenhofener Ortsteil Thalhof überzeugt: "Es geht auch anders - die Zeit ist reif dafür." Viele Verbraucher seien heute bereit mehr zu bezahlen für Fleisch von Schweinen, die artgerecht gehalten werden und gentechnikfreies Futter bekommen.
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Hier soll es den Schweinen gut gehen: Barbara Weichselbaumer im Offenstall mit ihren Strohschweinen in Thalhof.
Hier soll es den Schweinen gut gehen: Barbara Weichselbaumer im Offenstall mit ihren Strohschweinen in Thalhof.
Foto: A. Ermert
Thalhof
Die Beiden haben ein Konzept dafür entwickelt: "Viel mehr Platz - Ringelschwänzchen - Stroh - genfreies einheimisches Futter". Das sind die vier Säulen auf denen ihr Projekt steht. Es dauerte aber einige Jahre, bis dieses Konzept auch umgesetzt werden konnte: "Es ist einfach schön zu sehen, den Schweinen geht's gut und mir geht's auch besser dabei. Es ist ein Stall, der zu mir und zu meinem Denken passt", sagt Barbara Weichselbaumer heute.

Und so entstand ein Außenklima- oder Kaltstall, der für 500 Schweine genehmigt ist. Ein konventioneller Betrieb würde auf der gleichen Fläche 1500 Schweine mästen. Doch mehr als 500 Schweine wollen die Weichselbaumers gar nicht: Nur so können die Tiere locker untergebracht werden, mit einem geschlossenen Bodenbelag mit viel Stroh. Denn mit Stroh können sich Schweine tagelang beschäftigen und sie fressen es auch, sie sind in Bewegung und das fördert die Fleischqualität. Es gibt keinen kahlen Spaltenboden mit Schlitzen und wenn es die Schweine ruhiger möchten, können sie sich in die Liegekisten zurückziehen, die für kalte Zeiten mit Fußbodenheizung ausgestattet sind. Im Sommer haben sie eine Dusche über dem Mistbereich, bei plus 25 Grad Celsius schaltet sich diese automatisch ein. Wenn ein Schwein nicht abkühlen will, kann es sich in den hinteren Bereich verziehen. Die Ferkel haben ihre Ringelschwänzchen, werden nicht kupiert, wie das sonst üblich ist. Denn wenn genügend Platz ist, beißen sie sich die Schwänze auch nicht gegenseitig ab.

Und was den Weichselbaumers sehr wichtig ist: 97 Prozent der gentechnikfreien Futtermittel kommen vom eigenen Hof. "Denn Sojafutter aus Übersee wollen wir nicht verfuttern", sagen sie. Lediglich drei Prozent Mineralfutter muss zugekauft werden. "Unsere Schweine haben die Vollausstattung", meint Barbara Weichselbaumer. "Der nächste Schritt wäre Biofutter und Weidehaltung." Die komplette Umstellung auf Biolandwirtschaft ist für die Weichselbaumers wegen des Hopfenanbaus und der Biogasanlage auf dem Gelände allerdings nicht ganz einfach.

Als Glücksfall bezeichnen sie, dass sie mit dem Ingolstädter Metzger-Ehepaar Joseph und Claudia Huber einen Partner und Vermarkter gefunden haben, der die gleichen ökologischen Gedanken vertritt wie sie. Die Transparenz vom Hof zum Metzger sei wichtig. Die Suche nach einem Vermarkter gestaltete sich schwierig, Metzger aus der Umgebung waren nicht bereit, 50 Prozent über dem herkömmlichen Preis zu zahlen, was aber laut Barbara Weichselbaumer notwendig ist, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Der Huber-Metzger und die Schweinezüchter haben eine gemeinsame Mission: "Vom glücklichen Naturschwein zum leckeren Fleischgenuss." Wenn es diesen Metzger nicht geben würde? "Dann hätten wir wahrscheinlich auch unseren Stall nicht."

Der Huber-Metzger machte sogar mit seiner ganzen Belegschaft einen Betriebsausflug nach Thalhof, um seinen Leuten zu zeigen, wo das von ihnen verkaufte Produkt herkommt. "Er steht hundertprozentig hinter unserem Produkt und jeder von uns macht das, was er am besten kann." Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, das Fleisch direkt zu vermerkten. Die Weichselbaumers entschieden sich aber dagegen. Das hätte viel zusätzliche Arbeit mit sich gebracht.

Als der Schweinepreis vor Jahren im Keller war, dachten die Landwirte schon ans Aufhören mit der Schweinezucht. "Doch wir konnten gar nicht, in unsere Biogasanlage, die wir 2005 in Betrieb genommen haben, gehört auch ein bestimmter Prozentsatz Mist. Da war also der Mist mehr wert als das Fleisch und da läuft doch etwas total verkehrt", sagt Barbara Weichselbaumer.

Neben dem Hopfenanbau hatte das Ehepaar jahrelang konventionelle Schweinehaltung betrieben. Ihre Kinder wünschten sich auch kleine Ferkel, aber diese sollten nicht im Stall aufwachsen, sondern auf der grünen Wiese. Die Eltern finanzierten dieses Projekt, die Kinder verdienten sich Taschengeld dazu und man konnte beobachten, ob so etwas auch funktioniert. Die Ferkel gediehen prächtig und so entstand der Plan, dass man Schweine in Zukunft nur noch artgerecht in einem ganz anderen Stall halten wolle.

"Wir sind hier schon in einer privilegierten Lage in Thalhof, denn mitten in einer Ortschaft hätte man uns diesen Offenstall für Strohschweine nie genehmigt", ist sich Michael Weichselbaumer sicher. Für ihren neuen Stall haben die Weichselbaumers getüftelt und gebastelt, zunächst Erfahrung gesammelt mit dem Projekt der Kinder, haben sich immer wieder bei befreundeten Bio-Landwirten informiert, vieles angeschaut und nachgebaut, keine Firma wurde eingeschaltet: "Wir haben es selbst gemacht, viel brauchbares Material wie die Futterautomaten aus dem alten Stall verwendet, alte Förderbänder aus einer Kiesgrube hergenommen. Auf dem Dach ist eine große Photovoltaikanlage, die Strom für 60 Haushalte liefert."

Michael ist der "Energieprofessor", sagt Barbara, er hat ein gutes Gespür für den Energieverbrauch, denn das Ehepaar vertritt die Meinung, dass auch der Strom regional produziert werden soll. Barbara ist für die Tiere verantwortlich und so ist dann dieser Stall entstanden, denn wo soll denn ein Nutztier leben, wenn nicht auf dem Bauernhof, fragte sie sich. "Die Regale im Supermarkt sind voll, aber viele Landwirte geben die Tierhaltung auf, das gab mir zu denken. Denn wenn ich es aus der Hand gebe, wird trotzdem produziert, aber wo und wie weiß man dann nicht."

Glück hatten sie auch bei der Suche nach einem geeigneten Züchter. Sie fanden eine Familie, die eigentlich schon aufhören wollte. "Aber wir konnten sie mit unserem Konzept begeistern und überzeugen." So hat man einen guten Austausch, kurze Wege, denn die Züchter wohnen nur acht Kilometer weg. Die Ferkel werden mit dem eigens angeschafften Viehanhänger abgeholt: Ohne Stress, dass tut den Ferkeln gut. Es kommt ganz selten vor, dass ein Schwein eine Behandlung braucht.

Wenn die Schweine dann schlachtreif sind, werden sie auch nicht von einem Schweinetransporter vom Hof nach Ingolstadt gebracht, sondern mit dem eigenen Viehanhänger. "Auch das ist total stressfrei für die Schweine und das merkt man am Fleisch. Joseph Huber bestätigt uns eine super Fleischqualität, denn man kann in den letzten Lebensstunden des Schweins viel kaputt machen, wofür man sich die ganze Zeit bemüht hat und das wollen wir natürlich vermeiden", erklärt Barbara Weichselbaumer

Im Stall gibt es nur die Deutsche Landrasse", der Metzger ist mit dieser Rasse sehr zufrieden. "In die Hallertau gehört einfach dieses deutsche Landschwein", sagt Metzger Joseph Huber.

Stolz sind die Weichselbaumers auf den im Jahr 2017 gewonnenen Klimaschutzpreis der Stadt Pfaffenhofen. "Das war ein richtiges Highlight für uns, denn die Landwirtschaft ist heute teilweise umstritten und ein schwieriges Thema." Für die Beiden war es ein befriedigendes und schönes Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

Es gibt noch viele Sachen, die das Ehepaar weiterhin betreiben möchten und der Klimaschutzpreis bestätigte ihnen: "Es funktioniert, wenn man es wirklich will. Es geht also doch."
 
Anna Ermert
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