Montag, 15. Oktober 2018
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23-Jähriger verletzt drei Personen: Angebotenes Schmerzensgeld zu kümmerlich

Ilmendorfer Discoschläger zu harter Strafe verurteilt

Geisenfeld
erstellt am 09.10.2018 um 11:58 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Was in jener Samstagnacht in der Ilmendorfer Disco passiert ist, müssen die drei Verletzten im Zeugenstand dem Angeklagten erklären. Denn Serkan G. (alle Namen geändert) kann sich an nichts mehr erinnern. Nur, dass er reichlich Wodka getrunken habe, räumt er ein. Es tue ihm auch alles leid, fügt er an.
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Rolf Vennenbernd
Geisenfeld
Die Zeugen helfen ihm auf die Sprünge. Der 20-jährige Tim saß an der Bar, als es hinter ihm ein Gerangel gab. "Plötzlich kam eine Faust aus der Menge und ich hab eine verpasst bekommen", erzählt er. Volle Kanne ins Gesicht, Platzwunde. Ob der das war, fragt ihn Richter Michael Herbert und deutet auf den Angeklagten. "Ja, da bin ich mir sicher", sagt Tim. Dieser holt nach, was er schon vor einem Jahr hätte tun können: Er entschuldigt sich. "Tut mir leid, aber ich kann mich weder an Dich noch an Deine Kollegen erinnern."

Tim erweckt nicht den Anschein, dass er die Entschuldigung annimmt. Auch nicht sein Freund Erik. Denn als die Rangelei draußen weiterging, ist der ihm zu Hilfe geeilt. Tim lag am Boden, Erik wollte ihm aufhelfen. Aber dann bekam er einen Tritt ins Kreuz und ging zu Boden. Serkan war offensichtlich außer Rand und Band: Mit der Faust schlug er immer wieder auf Eriks Kopf ein. Schädel-Hirn-Trauma, Platzwunden, ein zugeschwollenes Auge - zwei Tage musste der 26-Jährige in der Klinik bleiben. Auch seine Freundin Anne kam nicht ungeschoren davon. "Ich bin ja auch nicht ganz unschuldig", gesteht sie freimütig. Denn als es ihrem Freund an den Kragen ging und Freunde von Serkan mitmischten, da ist sie raus: Drei gegen einen, das gehe nicht, sagt sie. Auch sie bekam Serkans Faust zu spüren. Resultat: eine aufgeplatzte Lippe.

Auf der Anklagebank setzt Serkan seinen Entschuldigungsmarathon fort: "Tut mir leid." Anne nimmt's regungslos entgegen. 100 Euro haben sie und Tim von Serkan als Schmerzensgeld bekommen, ihr Freund Erik 150 Euro. Warum so wenig, fragt Amtsrichter Herbert. Serkan zuckt mit den Schultern. Das habe sein Anwalt ausgehandelt. Nein, so gehe das nicht, wettert der Richter. "Es ist Ihre Aufgabe, sich um den Schadensersatz zu kümmern."

Die Staatsanwältin fordert wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von einem Jahr zur Bewährung und eine Geldbuße von 700 Euro. Die rundet der Richter in seinem Urteil auf 1000 Euro auf, senkt aber die Freiheitsstrafe auf elf Monate zur Bewährung. Und die 350 Euro, gibt er Serkan mit auf den Weg, "das ist gelinde gesagt nix."
 
Von Albert Herchenbach
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