Dienstag, 18. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Züchter aus dem Landkreis lässt über 20 Kaninchen verwahrlosen

Schimmeliges Heu, Kot und kein Licht

Pfaffenhofen
erstellt am 20.08.2018 um 14:58 Uhr
aktualisiert am 25.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Fast zwei Dutzend Kaninchen sind aus ihren extrem verwahrlosten Ställen gerettet worden: Am Freitag waren Veterinäramt, Polizei und Tierschutzverein zu dem Züchter gefahren, um die Tiere abzuholen. Gegen den Mann aus dem Landkreis Pfaffenhofen soll nun ein entsprechendes Haltungsverbot erlassen werden.
Textgröße
Drucken
In diesen verdreckten Ställen haben die Mitarbeiter des Veterinäramtes über 20 Kaninchen gefunden. Ein Teil der Tiere wurde gerettet und ist nun im Tierheim untergebracht, einen Teil hatte der Besitzer offenbar schlachten lassen.
In diesen verdreckten Ställen haben die Mitarbeiter des Veterinäramtes über 20 Kaninchen gefunden. Ein Teil der Tiere wurde gerettet und ist nun im Tierheim untergebracht, einen Teil hatte der Besitzer offenbar schlachten lassen.
Fotos: Braunmüller, Renner
Pfaffenhofen
Eigentlich waren die Mitarbeiter des Veterinäramts bereits am Donnerstag bei dem Tierhalter gewesen - doch der Mann reagierte derart aggressiv, dass die Beamten unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Die Zustände in den Kaninchenställen waren verheerend, wie Maike Schäfer vom Veterinäramt berichtet. "Ein Kaninchen ist oben an der Decke mit dem Rücken angestoßen - nicht mit den Ohren, mit dem Rücken", erzählt sie. Denn der Käfig war so lange nicht mehr gemistet worden, dass die Tiere inzwischen auf bergeweise Kot, Heu und Dreck saßen. "Zum Teil lag schimmliges Heu in den Käfigen. Manche Tiere hatten kein Wasser, manche kein Futter." Hinzu kommt, dass es in dem Raum beinahe stockdunkel war: "Für Mastkaninchen sind eigentlich 40 Lux vorgeschrieben. Wir haben Werte zwischen 0,13 und 2,23 Lux gemessen", berichtet die Sachgebietsleiterin am Veterinäramt. "Die Tiere waren nicht abgemagert und nicht krank. Nichtsdestotrotz habe ich keinen Zweifel, dass sie gelitten haben."

Am Freitag kamen Schäfer und ihre Kollegen daher noch einmal zu dem Züchter - zusätzlich waren Tierschützer sowie auch Polizisten dabei, um zumindest noch 16 junge Kaninchen sowie sechs ältere zu retten. Einen Teil der Tiere hatte der Besitzer nach dem ersten Besuch bereits schlachten lassen, offenbar hatte er auch den Rest der Mastkaninchen für den Nachmittag zum Schlachten angemeldet.

Auch die Mitglieder des Tierschutzvereins zeigen sich nach dem Einsatz geschockt. "Es war unbeschreiblich", fasst die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Manuela Braunmüller, zusammen. "In einem fensterlosen Raum standen übereinander winzige, verrottete Holzkäfige, in denen über 20 Kaninchen saßen." Außerdem seien auch Enten und Hühner in dem Raum gewesen. "Eine Ente brütete direkt neben der Tür. Vor der Tür stand eine Kiste, in der ein bereits mumifiziertes Huhn lag. Ebenfalls in dieser Kiste, direkt neben dem Kadaver, einige, wie die Besitzerin der Tiere es formulierte: ?frische Eier'." In dem Raum habe es derart nach Ammoniak gestunken, dass die Tierschützer immer wieder an die Frischluft mussten. Zum Teil mussten die Jungtiere freigeschaufelt werden aus Höhlen, die sich unter der stinkenden, gärenden, teils verschimmelten Schicht aus Heu und Exkrementen befanden. Nach rund einer Stunde waren die knapp zwei Dutzend Tiere befreit. Die Kaninchen kamen in die Pfaffenhofener Tierherberge, einen Teil nimmt auch der Freisinger Tierschutzverein auf.
 
Fotos: Braunmüller, Renner
Pfaffenhofen



Die Leidensgeschichte der Kaninchen reicht dabei schon einige Monate zurück. Denn zum ersten Mal war das Veterinäramt im Jahr 2016 bei dem Tierhalter, wie Sachgebietsleiterin Schäfer erklärt. Auch zu dem Zeitpunkt waren die Zustände in den Kaninchenställen schon schlecht. "Es war dunkel, die Ställe klein und verschmutzt", sagt Schäfer. Das Veterinäramt setzte daher eine Frist, dass der Mann diese Zustände ändern solle. Der Kaninchenzüchter habe diese Fristen zum Teil eingehalten, doch langfristig verbesserte sich die Situation der Tiere nicht genug. Die Verbraucherschutzverwaltung ordnete daher weitere Auflagen an, 2017 folgte Zwangsgeld. Heuer im April wollten die Mitarbeiter des Veterinäramtes nun erneut kontrollieren - wie immer als Spontanbesuch. Doch der Mann selbst war gesundheitlich in sehr schlechter Verfassung, so Schäfer, sodass die Kontrolle erst einmal ausgesetzt wurde und der Kaninchenzüchter ins Krankenhaus kam. Vergangene Woche nun wollten die Tierärztin und ihre Mitarbeiter wieder nach dem Rechten sehen. "Es war so verheerend. Alle unsere Maßnahmen haben den Zweck nicht erfüllt", erklärt Schäfer. Seit dem Besuch im April waren die Ställe beispielsweise nicht mehr gemistet worden: Der Mann selbst war demnach zu krank, seine Frau wollte diese Arbeit nicht übernehmen. Daher entschied sich Schäfer, die Tiere kurzerhand abzunehmen. "Eine Tierfortnahme ist selten und heftig", sagt die Tierärztin. "Man muss sich das sehr gut überlegen. Das muss auch Bestand haben, wenn es vor Gericht geht." Sie selbst arbeitet seit 2001 am Pfaffenhofener Veterinäramt - etwa ein halbes Dutzend Mal ist es in dieser Zeit zu einer solchen Maßnahme gekommen. Doch Schäfer stellt auch klar: "Das ist nicht der schlimmste Fall, den ich hier erlebt habe."

Momentan gehe es den Kaninchen bis auf ein paar kleinere Blessuren den Umständen entsprechend gut, so der aktuelle Bericht aus der Tierherberge. Was für andere Tiere selbstverständlich ist, empfänden diese Kaninchen offensichtlich als Wellness: "Diese Tiere sehen zum ersten Mal in ihrem Leben Tageslicht und atmen frische Luft", heißt es in einer Mitteilung des Tierschutzvereins.

Noch am Wochenende wurden die Kaninchen von einer Tierärztin in der Herberge erstmals untersucht, gegen Parasiten behandelt und geimpft. Die erwachsenen Kaninchen werden bereits im Laufe dieser Woche kastriert; die Jungtiere folgen, sobald sie alt genug sind. "Wir können also recht bald die ersten Tiere vermitteln", erklärt Sandra Lob, die Leiterin der Tierherberge.

Auf den Züchter kommt nun einerseits ein Haltungsverbot zu, er soll entsprechend keine Kaninchen mehr haben dürfen. Außerdem wird das Veterinäramt eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen: "Das war Tierquälerei", sagt Schäfer.

MÖGLICHE MAßNAHMEN

Bis ein Tier tatsächlich seinem Besitzer weggenommen wird, muss eine entsprechende Hürde genommen werden.

Wie Maike Schäfer vom Veterinäramt erklärt, gelten hier klare Regeln und Schritte. Meist werden die Mitarbeiter des Veterinäramtes über Hinweise von Bürgern über derartige Fälle informiert. Mit unangekündigten Besuchen sehen sie dann nach dem Rechten. "Wir kontrollieren dann und suchen das Gespräch mit dem Tierbesitzer", sagt Schäfer. "Man muss den Besitzern auch die Möglichkeit einräumen, dass sie sich ändern. " Dabei können Fristen gesetzt werden, bis wann sich die Haltebedingungen verbessern müssen. Wenn diese Termine nicht eingehalten werden, wird die Verbraucherschutzverwaltung eingeschaltet.

"Wenn deren Anordnungen nicht erfüllt werden, gibt es ein Zwangsgeld", sagt Schäfer. Wenn auch diese Maßnahme nicht wirkt, besteht die Möglichkeit der Fortnahme sowie des Haltungsverbots - wie es bei diesem Kaninchenbesitzer nun der Fall ist. Dazu gibt es einen offiziellen Bescheid, gegen den der Halter auch klagen kann. Wenn das Haltungsverbot Bestand hat, kann es auf Antrag des Tierbesitzers aufgehoben werden - wenn beispielsweise der Stall neu gebaut wird, er einen passenden Kurs zur Tierhaltung besucht hat und anderes.
Claudia Lodermeyer, Paul Ehrenreich
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!