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Bei Infoabend an Pfaffenhofener Berufsfachschule für Altenpflege wird Faszination der sozialen Berufe greifbar

"Pflege hat Gefühle"

Pfaffenhofen
erstellt am 15.04.2018 um 12:56 Uhr
aktualisiert am 21.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) "Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen", freut sich Alicja Kulisch Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe in Pfaffenhofen. Genau genommen sogar mehrere Wünsche: Seit 2015 ist die Einrichtung in der Kreisstadt ansässig und seit vergangenem Jahr sogar staatlich anerkannt.
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Anhand einer nachgestellten Pflegesituation samt Puppe im Bett konnten sich die Besucher am Infoabend über die Ausbildung informieren.
Anhand einer nachgestellten Pflegesituation samt Puppe im Bett konnten sich die Besucher am Infoabend über die Ausbildung informieren.
Frye-Eeber
Pfaffenhofen
Sie hat mit ihrer Einrichtung im Landkreis "der Pflege ein Stimme gegeben", wie sie es nennt, und noch dazu stößt sie bei der hiesigen Politik auf offene Ohren. So war es für Landrat Martin Wolf (CSU) und den Zweiten Bürgermeister von Pfaffenhofen, Albert Gürtner (FW), selbstverständlich, die Infoveranstaltung der Fachschule am Freitag in ihren Räumlichkeiten in der Michael-Weingartner-Straße zu besuchen - und den dort Tätigen sowie den Auszubildenden Respekt und Anerkennung zu zollen.

"Wir haben gute Lehrer, ein schönes Gebäude, eine angenehme Atmosphäre. Wir können uns sehen lassen! Und dennoch ist unser Beruf unattraktiv. Er wird nicht geschätzt und nicht entsprechend vergütet. Pflege ist oft ein Tabuthema - bis man selber betroffen ist", zeichnete Alicja Kulisch ein düsteres Bild. "Pflege hat viele Gesichter", fährt sie fort und macht einmal mehr deutlich, wie wertvoll die Arbeit in der Altenpflege sei. "Sie setzt Worte in Taten um und nimmt Ängste. Pflege hat Gefühle", fuhr die Schulleiterin fort.

Nicht ohne Stolz verwies sie darauf, dass die Berufsfachschule für Altenpflege in Pfaffenhofen, die zur Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste (GGSD) und damit zu einem bayernweiten Verbund von Bildungseinrichtungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales gehört, trotz seiner jungen Geschichte an dem Standort bereits beeindruckende Erfolge vorzuweisen habe. Während im Gründungsjahr, also 2015, zunächst 14 Schüler die einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer absolvierten, werden es heuer, mittlerweile im dritten Jahr, schon 20 sein.

Durchschnittlich schlossen die Pfaffenhofener Schüler bisher mit der Note 1,7 ab. "Damit sind wir die beste Schule in Oberbayern", so Kulisch, die in diesem Zusammenhang verkündete, dass die Schule für das kommende Jahr die Zweizügigkeit beantragt habe. Da sich bereits 20 Interessenten für das im September beginnende Schuljahr zur Ausbildung zum Pflegfachhelfer angemeldet haben, ist die Schulleiterin optimistisch, die geforderte Schülerzahl von 36 - und damit das Zustandekommen einer zweiten Klasse - zu erreichen.

Geplant war, der Pflege an diesem Abend noch eine weitere Stimme zu verleihen. Doch der Rapper Dustin Struwe, Künstlername Dena, musste krankheitsbedingt absagen. Dabei hatten sich einige der rund 100 Gäste ganz besonders auf diesen außergewöhnlichen Künstler, der hauptberuflich als Altenpfleger arbeitet, gefreut. In seinen Werken, die nun umständehalber in einem Musikzimmer zu Gehör gebracht wurden, setzt er sich mit seinem Beruf, der gesellschaftlichen Wahrnehmung sowie seinen positiven und negativen Aspekten auseinander. Trotz der psychischen und physischen Herausforderungen überwiegt bei ihm unüberhörbar die Begeisterung für seinen Beruf, die er in seinen Liedern wortreich vertont.

Unter den Gästen befanden sich neben den derzeitigen Schülern auch ehemalige Absolventen und Vertreter der landkreisweit rund 40 Pflegeeinrichtungen, wie Caritas, Bayerisches Rotes Kreuz, Compassio oder Haus der Generationen, die mit der Schule zusammenarbeiten. Diese bieten den Schülern Plätze für die zur Ausbildung erforderlichen Praktika und oft anschließend Jobs. So auch Ramona Stier, die nach ihrem Abschluss beim Roten Kreuz in Wolnzach eine Stelle gefunden hat. Die 57-jährige gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin vermisste in ihrem ursprünglichen Beruf den Kontakt zu Menschen - und entschloss sich, umzusatteln.

Schon jetzt sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, ist Schülerin Tetyana Schillinger. "Die Arbeit mit den älteren Menschen macht Spaß und man bekommt sehr viel Zuwendung zurück", verschweigt die 21-jährige dennoch nicht, dass es zuweilen auch schwierige Situationen zu meistern gilt. Dabei helfen ihr die Kollegen, die mit ihrer Erfahrung den Neulingen gerne zur Seite stünden. Schon jetzt ist für sie klar, dass sie nach der Ausbildung weiterlernen möchte. Um sich zur Altenpflegerin ausbilden zu lassen muss sie allerdings nach Ingolstadt pendeln.

Diesen Schritt ist auch Vika Adolf gegangen. Da die Ausbildung zur Krankenschwester der aus Russland stammenden 38-Jährigen in Deutschland nicht anerkannt wird, ging Adolf in die Altenpflege. Als Altenpflegehelfer im Pfaffenhofener Vitalis Seniorenzentrum arbeitet ihr ehemaliger Klassenkamerad Julian Siebler. Der 22-jährige kam auch über einen Umweg zu seinem jetzigen Beruf. Nach der Schule hatte er zunächst Landmaschinenmechaniker gelernt. "Doch der Umgang mit Menschen gefällt mir besser", begründet Siebler seine Entscheidung.

Gute Noten stellt auch die Praxisanleiterin im BRK Wolnzach der hiesigen Schule aus. "Den Schülerinnen gefällt es sehr gut und sie kommen mit vielen neuen Ideen zu uns zurück", freut sich Christa Zöllner, dass ihre Schützlinge so überdies bestätigt würden, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Ebenso wie Alicja Kulisch wünscht sie sich von der "großen" Politik im Umgang mit der Pflege mehr Unterstützung. Vor Ort hingegen könne sie sich nicht beklagen.

"Der Landkreis hat in den ersten zwei Jahren unsere Miete in diesem von der Stadt Pfaffenhofen zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten übernommen", dankte die Schulleiterin ausdrücklich. Auch im Namen ihrer Schüler, schließlich spendiert der Landkreis für die Abschlussfahrt der erfolgreichen Absolventen jährlich 1000 Euro.

"Sie sorgen dafür, dass wir auch in Zukunft in einer menschenwürdigen Gesellschaft leben", betonte Landrat Wolf in seiner Ansprache. "Daher sind wir froh, dass wir eine solche Einrichtung haben und freuen uns über jeden, der diesen Berufsweg einschlägt", bekräftigte er - und versprach auch in Zukunft, die Einrichtung tatkräftig zu unterstützen.
Petra Frye-Weber
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