Montag, 21. Januar 2019
Lade Login-Box.

Rettungszweckverband vertagt Entscheidung auf das Frühjahr - Bis dahin steht der Wagen in Pfaffenhofen

Sanka-Verlegung erst einmal auf Eis

Pfaffenhofen
erstellt am 11.12.2018 um 16:41 Uhr
aktualisiert am 23.12.2018 um 12:11 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Alles wieder auf Anfang: Die vorübergehende Stationierung eines Rettungswagens in Scheyern ist auf Eis gelegt. Stattdessen steht das Einsatzfahrzeug wie zuvor an der Pfaffenhofener Ilmtalklinik. Im Frühjahr soll die ganze Strategie noch einmal diskutiert werden. Die Entscheidung im Rettungszweckverband fiel am Dienstagvormittag zwar mehrheitlich - die Diskussion verlief allerdings nicht ohne Zwischentöne.
Textgröße
Drucken
Mussten gestern letztlich unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen: Die Südbürgermeister Martin Seitz (Gerolsbach, von links), Manfred Betzin (Jetzendorf), Manfred Sterz (Scheyern) und Reinhard Heinrich (Reichertshausen) machten sich für eine weitere Verlagerung des Rettungswagens von Pfaffenhofen nach Scheyern stark.
Mussten gestern letztlich unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen: Die Südbürgermeister Martin Seitz (Gerolsbach, von links), Manfred Betzin (Jetzendorf), Manfred Sterz (Scheyern) und Reinhard Heinrich (Reichertshausen) machten sich für eine weitere Verlagerung des Rettungswagens von Pfaffenhofen nach Scheyern stark.
Lodermeyer
Pfaffenhofen
Die Bürgermeister einiger Südgemeinden waren wieder nach Ingolstadt gekommen: Manfred Betzin (CSU) aus Jetzendorf, Manfred Sterz (Freie Wähler) aus Scheyern, Martin Seitz (CSU) aus Gerolsbach und Reinhard Heinrich (CSU) aus Reichertshausen wollten bei der Zweckverbandssitzung im Rathaus noch einmal für ihre Position kämpfen. Denn im vergangenen Jahr war der Rettungswagen von der Ilmtalklinik phasenweise nach Scheyern verlegt worden - was für den Landkreissüden eine Verbesserung bedeutete. Laut der Analyse des Münchner Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) wird in diesen südlichen Gemeinden die sogenannte Hilfsfrist von zwölf Minuten eher eingehalten, wenn der Sanka von Scheyern aus startet. Während sich die Bürgermeister der südlichen Gemeinden daher für den Standort Scheyern stark machen, votiert die Stadt Pfaffenhofen für den ursprünglichen Plan: Der Rettungswagen soll wie gehabt an der Ilmtalklinik auf Einsätze warten.

Rettungswagen Pfaffenhofen

 
 

"Wir haben eigentlich eine Verbesserung im südlichen Landkreis", fasste Günther Griesche, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes, die Ergebnisse der INM-Analyse noch einmal zusammen. Zur Debatte stand am Dienstag daher die Frage, ob diese zeitweise Verlegung des Sankas noch weitergeführt oder der Rettungswagen wieder in Pfaffenhofen stationiert werden soll. Landrat Martin Wolf (CSU) als Vorsitzender des Zweckverbandes setzte sich dabei - trotz harscher Kritik an der Stadt Pfaffenhofen (siehe unten) - für einen Standort in der Kreisstadt ein. "Da haben wir die Anbindung an die Klinik, das ist effizient", sagte er. "Außerdem verbessern sich die Probleme im Süden zwar mit dem Standort in Scheyern - aber wir lösen sie nicht." Denn auch mit dieser Verlagerung lasse sich die Hilfsfrist nicht in allen Gemeinden einhalten. "Wir brauchen eine richtige Lösung", forderte er daher. Sein Vorschlag sei entsprechend, den Rettungswagen wieder in Pfaffenhofen zu belassen und auf ein zusätzliches, fünftes Einsatzfahrzeug zu pochen. Dazu soll im nächsten Jahr eine Studie vorliegen, wie denn die Hilfsfristen im Bereich Dachau, Petershausen und Fürstenfeldbruck eingehalten werden: Im Grenzgebiet könnte womöglich ein zusätzlicher Rettungswagen nötig werden - im Landkreis Pfaffenhofen wäre das der fünfte Wagen und zuständig für die südlichen Gemeinden.

Rettungsleitstelle

 

Dieses Vorgehen sah der Jetzendorfer Bürgermeister Betzin kritisch. "Wir haben jetzt vier Rettungsmittel und müssen damit arbeiten", sagte er. Der Zweckverband müsse das gesamte Rettungsgebiet beachten und überall die Rettungsfrist sichern. "Es geht hier um eine sachliche Entscheidung." Mit Blick auf die Ergebnisse der INM-Studie müsse der Zweckverband die Verlagerung nach Scheyern fortführen und die Ergebnisse begutachten. Dem stimmte der Aresinger Bürgermeister Klaus Angermeier (CSU) zu: "Wir sollten den Rettungswagen verlegen und schauen nächstes Jahr neu."

Der Pfaffenhofener Alt-Landrat Rudi Engelhard (CSU) allerdings warnte: "Wir dürfen nichts unternehmen, das den fünften Rettungwagen gefährdet." Schließlich sei mit dem Scheyrer Standort zumindest ein Teil des südlichen Landkreises regelgerecht abgedeckt. Er fügte an, dass an einem Rettungswagenstandort auch eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein muss. "Alles andere ist eine Zumutung für den Rettungsdienst", sagte er. "Solange wir in Scheyern keine Unterbringung haben, bin ich strikt dagegen." Wie der Scheyrer Bürgermeister Sterz erklärte, sei tatsächlich der bisherige Parkplatz im Feuerwehrhaus inzwischen belegt: Dort steht nun eine Drehleiter der Wehr - wo der Rettungswagen in Scheyern unterkommen soll, sei noch offen. "Es gibt aber durchaus gemeindliche Grundstücke, beispielsweise das ehemalige Kasernengelände. Eine Unterbringung in einem Container ist möglich."

Auch Roland Heß von der Integrierten Leitstelle wies auf die Rettungskräfte hin. "Für das Personal ist es eine schwierige Situation, wenn es keine Infrastruktur gibt", sagte er. "Aber unabhängig davon: Die Verlegung nach Scheyern bringt bessere Zahlen im Süden." Dieses Argument brachte auch Betzin vor: "Der Rettungswagen muss da stehen, wo es sinnvoll ist - und um den passenden Standort müssen wir uns dann kümmern."

Der Geisenfelder Paul Weber (Unabhängige Soziale Bürger) wollte wissen, ob es denn zu den benachbarten Regionen schon erste Ergebnisse gibt. "Wir haben durchaus eine Analyse zum Landkreis Pfaffenhofen, die sagt, wir haben eine Verbesserung durch die temporäre Stationierung in Scheyern. Haben wir aber schon eine belastbare Tendenz zu Fürstenfeldbruck?", fragte er. "Denn wenn die Tendenz ist, dass es einen fünften Rettungswagen gibt, dann erübrigt sich Scheyern."

Das Ingolstädter Verbandsmitglied Thomas Thöne (ÖDP) wies hier noch auf einen kritischen Punkt hin. "Wir haben einen Versorgungsauftrag. In wie weit hängen wir haftungsrechtlich mit drin, wenn wir die Verlagerung nicht machen?" Schließlich belege das Gutachten hierfür ja bessere Werte im Landkreissüden. "Ich bin zwar für den Standort Pfaffenhofen, aber ich kann das Gutachten nicht einfach negieren. Sind wir da in unserer Entscheidungsfindung eingeschränkt?" Eine tatsächliche Antwort darauf gab es im Gremium nicht.

Thomas Röder (CSU) als Pfaffenhofener Delegierter im Zweckverband bat letztlich: "Können wir den Beschluss verschieben? Ich sehe mich nicht in der Lage, das jetzt zu entscheiden." Zweckverbandsvorsitzender Wolf ließ allerdings erst noch über seinen ursprünglichen Vorschlag abstimmen. Für den Beschluss, den Rettungswagen in Pfaffenhofen zu stationieren, und letztlich eine neue Debatte mit den Ergebnissen der Studie für Fürstenfeldbruck Ende 2019 oder Anfang 2020 stimmten neben Wolf noch der Eichstätter Landrat Anton Knapp (CSU), der Pförringer Bürgermeister Bernhard Sammiller (CSU), der Ingolstädter Stadtrat Peter Springl (FW) sowie der Zweite Bürgermeister Albert Wittmann (CSU) - also keine Mehrheit im Gremium. Stattdessen votierten die Mitglieder letztlich dafür, die Entscheidung im Frühjahr erneut auf die Agenda zu setzen. Bis dahin bleibt der Rettungswagen erst einmal in Pfaffenhofen an der Ilmtalklinik.

"Unterirdische Kritik"

Pfaffenhofen (clm) Was in den vergangenen Wochen in der Debatte zur Sanka-Verlegung gesagt wurde, sei "unterirdisch" gewesen, sagte Landrat Martin Wolf. Er spielte dabei auf die November-Sitzung des Pfaffenhofener Stadtrats an, in der die Detailanalyse zur Verlegung des Rettungswagens von Pfaffenhofen nach Scheyern Thema war. Unter anderem der Dritte Bürgermeister Roland Dörfler (Grüne) hatte bei der Gelegenheit erklärt: "Da wurde bewusst manipuliert - und das wahrscheinlich auf politischen Druck. " Für Wolf als Vorsitzender des Rettungszweckverbands ein unmögliches Vorgehen. "Da wird vorgeworfen, dass die Verbandsmitglieder in das Rettungswesen eingreifen, um politisch eine gute Figur zu machen", sagte Wolf. "Wer so etwas sagt, muss sich überlegen, wie er kommunalpolitisch weiter machen will. Ich will dieser Form der Politik eine klare Absage erteilen. "

Auch aus den Reihen der Zweckverbandsmitglieder kam hier Kritik. "Ich hab mir gedacht: Das ist ein ganz schöner Hammer, hier von Manipulation zu reden", sagte beispielsweise Thomas Thöne aus Ingolstadt. Und auch der Jetzendorfer Bürgermeister Manfred Betzin als Gast im Gremium sagte: "Was da von der Stadt Pfaffenhofen vorgebracht wurde, das ist ein Unding. "

Günther Griesche, Geschäftsführer vom Rettungszweckverband, wies zudem die Vorwürfe der Stadt Pfaffenhofen zurück, die kritisiert hatte, dass der Standort Scheyern für Tegernbach und Schweitenkirchen Probleme bedeute. "Auch in Tegernbach und Schweitenkirchen werden die Hilfsfristen erfüllt", stellte Griesche klar und verwies bei Schweitenkirchen vor allem auf den Rettungswagen von Allershausen, der das Gemeindegebiet eigentlich mit abdeckt und normalerweise in acht Minuten vor Ort sei.

Im Gremium gestern war von der Stadt Pfaffenhofen kein offizieller Vertreter dabei.

Claudia Lodermeyer
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!