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20-Jähriger muss sich wegen Marihuana-Handels vor Gericht verantworten - kommt aber mit Arbeitsstunden davon

13.000-Euro-Drogendeal auf dem Spielplatz?

Pfaffenhofen
erstellt am 12.06.2018 um 18:01 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) 1,3 Kilo Marihuana soll ein 20-Jähriger auf einem Pfaffenhofener Abenteuerspielplatz verkauft haben: Ein Zeuge will ihn und einen Unbekannten beim Wiegen und Verpacken des Stoffs sowie bei der Geldübergabe beobachtet haben.
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Strafrechtlich ist das "Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge". Mindeststrafe: ein Jahr. Deshalb stand Severin A. (Namen geändert) jetzt vor dem Schöffengericht.

Ein Dealer ganz großen Stils? Neun Euro pro Gramm, so hatte der Zeuge damals vor der Polizei ausgesagt, hätten die beiden Jugendlichen in dem Kletterhäuschen ausgemacht. Das Geld, fast 13.000 Euro, sei dann ohne nachzuzählen gebündelt übergeben worden. Aber das ist nicht der einzige Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann macht. Am Schyren-Gymnasium soll er vor zwei Jahren Gras für 500 Euro verkauft haben, im letzten Frühjahr 20 Gramm an einen Freund. Dieser 19-Jährige sagt als Zeuge, Severin A. sei dafür bekannt gewesen, dass er raucht. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden Polizeibeamte Amphetamin und Haschisch, wenn auch in sehr geringer Menge.

Der Angeklagte gibt das zu. Auch den Deal am Gymnasium. Aber an der Geschichte auf dem Abenteuerspielplatz stimme einzig, dass er sich dort mit einem Spezl getroffen habe und der Zeuge irgendwann dazugekommen sei. Leider könne er seine Unschuld nicht beweisen.

Das Gericht hat diesen Zeugen vorgeladen. Justin W. ist gerade mal 16 Jahre alt. Zwei Justizvollzugsbeamte begleiten ihn in den Sitzungssaal - in Handschellen. Wegen Diebstahls sitzt er eine Jugendstrafe ab. Auch wegen Drogendelikten hat er schon Bekanntschaft mit Kripo und Justiz gemacht. Justin W. macht allerdings von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und wird wieder abgeführt. So richtig Licht in die Angelegenheit bringen kann auch der Kripobeamte nicht, der damals Justin W. vernommen hat. Die "Widersprüchlichkeit" in Justins Aussage sei ihm schon damals aufgefallen. Amtsrichter Ulrich Klose hakt nach: Ob er in seiner langen Laufbahn schon einmal erlebt habe, dass Drogengeschäfte in Anwesenheit von Zeugen über die Bühne gegangen seien? Der Ermittler verneint.

Die Staatsanwältin sieht in ihrem Plädoyer "den Sachverhalt nicht bestätigt". Auch die Glaubwürdigkeit des Zeugen zieht sie in Zweifel. Und dass sich der Vorfall auf dem Abenteuerspielplatz tatsächlich so wie in der Anklage zugetragen haben könnte, "diese Wahrscheinlichkeit sehe ich nicht". Sie plädiert in diesem Punkt für einen Freispruch, will aber wegen der anderen Delikte den Angeklagten zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt wissen.

Verteidiger Martin Rohrmann schließt sich der Staatsanwältin an. Auch er hält die Aussage des 16-Jährigen für äußerst fragwürdig. Das ergäbe sich schon allein aus der Tatsache, dass fast 13.000 Euro noch nicht einmal nachgezählt worden seien, wie es der Zeuge beobachtet haben will. Warum er Severin A. bei der Polizei hingehangen hat, bleibt offen. Bei den übrigen Delikten ist Rohrmann der Meinung, dass eine Jugendstrafe "einfach zu viel" sei, auch wenn sein Mandant einen Denkzettel brauche, möglicherweise Jugendarrest. Der wird meist an einem Wochenende abgesessen. Ja, sein Mandant habe mit Drogen zu tun gehabt, wolle aber davon loskommen. "Da muss man ihm unter die Arme greifen. "

Das Schöffengericht spricht Severin A. frei, hält ihn aber für schuldig wegen des Besitzes und Handels von Drogen. Es brummt ihm 60 Arbeitsstunden auf, die er in einer sozialen Einrichtung ableisten muss, außerdem soll er fünf Gespräche mit einem Drogenberater führen. Möglicherweise ergäbe sich ja daraus die Notwendigkeit für eine Therapie. Die 500 Euro aus dem Geschäft am Schyren-Gymnasium werden eingezogen. Severin nimmt das Urteil an. Ohnehin hatte er schon vorher beteuert, sich aus dem Milieu verabschiedet und sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut zu haben. Tatsächlich braucht niemand Freunde wie Justin.

 
Albert Herchenbach
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