Montag, 12. November 2018
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Einrichtung gibt es in Geisenfeld seit genau 20 Jahren Erfahrene Pfleger zu finden, wird immer schwieriger

BRK-Tagespflege erfreut sich enormer Nachfrage

Geisenfeld
erstellt am 08.11.2018 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Geisenfeld (GZ) Genau 20 Jahre ist es her, dass im Zentrum der Stadt Geisenfeld die zweite BRK-Tagespflegestätte im Landkreis eröffnet wurde. Die Nachfrage nach den Plätzen ist enorm, doch gleichzeitig wird es immer schwieriger, erfahrenes Personal zu finden.
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Auch die tagtäglich Beschäftigung mit der Heimatzeitung gehört in der BRK-Tagespflegestätte zum festen Programm. Zum Teil lesen Pflegekräfte wie hier Julia Mühlbauer einzelne Artikel vor und besprechen sie mit den Senioren.
Auch die tagtäglich Beschäftigung mit der Heimatzeitung gehört in der BRK-Tagespflegestätte zum festen Programm. Zum Teil lesen Pflegekräfte wie hier Julia Mühlbauer einzelne Artikel vor und besprechen sie mit den Senioren.
Zurek
Geisenfeld
Der BRK-Kreisverband war der erste Träger, der in der Region solche Einrichtungen zu seinem sozialen Dienstleistungsangebot zählte - als Alternative zur dauerhaften Heimunterbringung von Senioren. "Wir waren da der Zeit voraus", sagt Kreis-Geschäftsführer Herbert Werner nicht ohne Stolz. Seit 1976 betreibt der BRK Kreisverband in Pfaffenhofen, Geisenfeld und Reichertshofen Sozialstationen, die in den 1990er Jahren schon fast 500 pflegebedürftige Personen ambulant in ihrem eigenen Zuhause betreuten.

Was fehlte, war ein ganztägiges Angebot zur Entlastung von Angehörigen, "damit diese weiter ihrer Berufstätigkeit nachgehen können und die Pflegebedürftigen währenddessen in sicherer Obhut wissen", so der BRK-Chef. Schon bald nach Eröffnung der ersten BRK-Tagespflege im Jahr 1995 in Pfaffenhofen habe sich auch für Geisenfeld ein "dringender Bedarf" gezeigt, erzählt Werner. "Dass die zwölf im kommunalen Altenplan festgeschriebenen Plätze tatsächlich in Rekordzeit geschaffen werden konnten, verdanken wir dem damaligen Bürgermeisters Max Steinberger", so der BRK-Geschäftsführer mit Blick auf den im Oktober 1996 besiegelten Vertrag, der dem BRK die langfristige Nutzung des Erdgeschosses im Klosterstock zusichert. Die Räume wurden auf Kosten des Verbandes mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse bedarfsgerecht umgebaut. "Die Stadt kam uns auch finanziell entgegen", betont Werner unter Hinweis auf den jährlichen Zuschuss in Höhe der Erbpacht.

Von einer "wunderschönen Unterbringung" schwärmt Elisabeth Liedl, die von der ersten Stunde an die Einrichtung leitet. Zum tollen Ambiente zählt sie den freundlichen Aufenthaltsraum, die Ruheräume und die moderne Küche ebenso wie den benachbarten Kloster- und Sinnesgarten. "Sehr vorteilhaft" sei zudem die gute Erreichbarkeit von Stadtplatz und Kirche.

"Unser Ziel ist es, unsere Gäste fachlich und menschlich bestens zu versorgen", erklärt Liedl. Teil des Konzeptes ist es dabei auch, dass täglich frisch gekocht wird. Mal macht der Geruch von Liebstöckel Appetit auf die Gemüsesuppe, mal verlockt das Aroma von Kaffee und Plätzchen zum Naschen. "Das ist sehr wichtig zur Anregung der Sinne, und es vermittelt unseren Senioren ein Gefühl von Geborgenheit", so die Leiterin. Zum Tagesablauf gehört auch das altersgerechte Training von Körper und Geist - also gemeinsames Basteln, Singen oder leichte Übungen für die Motorik. Im Jahreslauf zählen Ausflüge und Feiern wie das Hopfazupfa- und das Starkbierfest zu den Höhepunkten. Und wenn ein örtlicher Kindergarten mit seinen Knirpsen vorbei schaut, ist die Freude ebenfalls groß. Eine Herausforderung liegt für die Fachkräfte darin, sowohl den vielen an Demenz erkrankten Gästen als auch den geistig fitten gerecht zu werden. Letztere zeigen da viel Gemeinschaftsgeist. "Es ist schön zu sehen, wie die rüstigen Senioren den integrativen Gedanken mit uns leben", freut sich Liedl.

Gefragt gewesen sei die Tagespflege schon immer, doch seit sich infolge des Pflegestärkungsgesetzes die Zuschüsse für Betroffene deutlich erhöht haben, erlebt die scheidende Leiterin der Sozialen Dienste des BRK, Gabriele Hünten, einen "Run" auf die Plätze: "Wir müssen wir sogar Wartelisten führen."

Im Umgang mit den älteren Menschen braucht es neben der fachlichen Ausbildung auch das nötige Einfühlungsvermögen. Und dies stellt Hüntens Nachfolger Sebastian Seitz vor ein Problem: "Es wird immer schwieriger, erfahrene Pfleger und geeignete Fahrer für die Hol- und Bringdienste zu finden." Noch ist man mit einem Pflege-Team aus zwei Krankenschwestern, einer Altenpflegerin und zwei Pflegehilfskräften nebst Betreuungsassistentin gut aufgestellt. "Aber Zivildienstleistende gibt es nicht mehr, und junge Leute, die durch den Bundesfreiwilligendienst zu uns kommen, haben wir derzeit auch keine", bedauert Liedl.

Eine öffentliche Jubiläumsfeier wird es übrigens nicht geben. Man wolle die Tagesgäste, "deren Wohlbefinden uns am Herzen liegt, nicht unnötig dem Stress der Begegnung mit fremden Menschen aussetzen", begründet die Pflegeleitung diese Entscheidung. An diesem Sonntag von 15 bis 17 Uhr werden ihr Team sowie Vertreter des BRK-Kreisverbands mit den Tagesgästen und deren Angehörigen einfach einen gemütlichen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen verbringen.
Maggie Zurek
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