Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Mit einem kleinen Logo will Hubert Brandl die Braubranche verändern

Auf Solarbier-Mission

Pfaffenhofen
erstellt am 06.12.2018 um 10:26 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) In einem Alter, in dem die meisten schon lange im Ruhestand sind, verfolgt der Pfaffenhofener Hubert Brandl noch immer eisern eine Mission: Er will die energieintensive Bierindustrie umweltfreundlicher machen. Dazu hat er ein Label ins Leben gerufen, um das sich die Brauereien reißen.
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Das Solar-Label von Hubert Brandl gibt es für Essen und für Bier. Den zertifizierten Brauereien bringt das Logo nach Brandls Angaben in der Regel einen spürbaren Umsatzschub.
Das Solar-Label von Hubert Brandl gibt es für Essen und für Bier. Den zertifizierten Brauereien bringt das Logo nach Brandls Angaben in der Regel einen spürbaren Umsatzschub.
Wenisch
Pfaffenhofen
Er fühle sich keinen Tag älter als 58. Darauf legt Hubert Brandl Wert. Und wenn man die Energie, mit der er an seine Aufgaben herangeht, sieht, dann merkt man ihm sein Alter von 70 Jahren tatsächlich nicht an. Denn Hubert Brandl hat eine Mission - die energieintensive Brauwirtschaft soll umweltfreundlicher werden.

Sein Instrument dafür ist eigentlich recht unscheinbar: Ein kleines gelbes oder goldenes Logo in Sonnenform, das auf Bieretiketten prangt. Darin zu lesen ist ein schwarzer Schriftzug: "Solarbier - Gebraut mit der Kraft der Sonne".

41 Brauereien in Deutschland und Österreich sind inzwischen mit Brandls Solarbier-Label zertifiziert oder stehen kurz davor, das Logo zu erhalten. Voraussetzung ist - theoretisch -, dass mindestens 40 Prozent der in einer Brauerei verbrauchten Energie aus regenerativen Quellen stammen. Wobei das derzeit nicht ausreicht. Im Moment sei der Ansturm und das Interesse der Brauereien so groß, dass er derzeit nur Unternehmen für die Zertifizierung annehme, "die mit 60 oder 70 Prozent anfangen". Bei 100 Prozent gibt es von Brandl und seinen beiden Mitgesellschaftern das goldene statt das gelbe Logo, was inzwischen die meisten zertifizierten Brauereien erreicht haben. Das Solar-Label ist laut Brandl zudem seit dem ersten Jahr durchgehend profitabel. Das Geld kommt von den Lizensierungsgebühren, die die Brauerein zahlen, und von Umsatzbeteiligungen, die der Zertifizierer für die Verwendung des Logos erhält.

Besondere Bedeutung hat Brandls Initiative, weil die Braubranche besonders viel Strom verbraucht und sich dementsprechend auch viel CO2 einsparen lässt. Dauerhaftes Sieden, runterkühlen, wochenlanges gekühltes Lagern: "Bier ist eines der energieaufwendigsten Lebensmittel", sagt der ehemalige Pfaffenhofener Freie-Wähler-Ortsvorsitzende, der früher unter anderem als Prokurist in der Graf-Toerring-Brauerei tätig war. Deshalb sei das Sparpotenzial in der Brauwirtschaft auch besonders hoch. Oft könne schon mit kleinen Maßnahmen viel Energie gespart werden - Bequemlichkeit und Unwissenheit verhinderten dies aber immer wieder. Einmal habe er einer Brauerei bei einem Rundgang eine bessere Isolierung für Leitungen empfohlen, sagt Brandl. Schon damit habe sich viel Energie und damit Geld sparen lassen. Als Zertifizierer sieht sich Brandl daher nicht nur als Kontrolleur, der die Einhaltung von Vorgaben des Labels überprüft, sondern auch als Ratgeber und Aufklärer.

Wer die Voraussetzungen für das Solarbier-Label erfüllen will, muss allerdings zu deutlich massiveren Maßnahmen greifen als ein paar Isolierungen. Die Investitionen für große Fotovoltaikanlagen oder intelligente Wärerückgewinnungssysteme rechneten sich aber, betont Brandl. Alleine das Label und die damit verbundene Glaubwürdigkeit in Sachen Umweltschutz machten sich bei den Brauereien bemerkbar. Jeder Betrieb habe nach der Zertifizierung Umsatzschübe verzeichnet, "es wurden deswegen insgesamt 150 neue Jobs aufgebaut", sagt er. Zudem würden jedes Jahr Zehntausende Liter Heizöl eingespart. Überprüfen lässt Solarbier die Erfüllung der Voraussetzungen durch Experten der Technischen Universität München. "Das ist schon eine echte Prüfung, nicht nur Larifari", sagt Brandl. Zudem sei das Label auch durch den Freistaat Bayern anerkannt.

Erstmals auf das Thema Umweltschutz aufmerksam geworden ist Brandl während seiner Bundeswehrzeit in den 70er-Jahren. An der Bundeswehr-Universität sei er auf den Lehrstuhl für Umwelttechnologie gestoßen. "Und das hat mich wachgerüttelt", sagt er. Nachdem er anschließend Brauwesen in Weihenstephan studiert hatte, habe er viele Brauereien von innen gesehen. "Hinter den schönen Sudhäusern mit den Kupferkesseln gab es meistens eine Tür. Und dahinter war die ganze Energietechnik versteckt und der Boden war meist glitschig vom Öl." Da habe er sich gedacht: "Es muss noch mehr geben als Erdöl, Erdgas und Atomkraft." Als später die ersten großflächigen Solarzellen und Windräder zum Einsatz kamen, habe er den Entschluss gefasst, das auch in der Braubranche voranzutreiben.

Vor 15 Jahren ließ sich Brandl Solarbier und Solarfood als Marken patentieren. Seitdem zeichnet er mit den Labels Brauereien und Lebensmittelkonzerne aus, die sich umweltfreundlicher Produktion verschrieben haben. Felsenbräu aus dem mittelfränkischen Thalmannsfeld war 2007 die erste Brauerei, die das Logo auf seine Etiketten drucken durfte. Seitdem sind mehrere Dutzend hinzugekommen, darunter auch die Scheyrer Klosterbrauerei und die oberfränkische Brauerei Kundmüller, die kürzlich beim Bierwettbewerb European Beer Star als beste deutsche Privatbrauerei ausgezeichnet wurde.

Der Trend zum klimaneutralen Brauprozesses wird sich weiter verstärken, prophezeit Brandl: "Da ist Leben im System. Auch die Großkonzerne bewegen sich langsam in die Richtung." Die will er allerdings nicht zertifizieren. Zum einen, weil das Solarbier-Label eine Auszeichnung für Mittelständler sein soll. "Das ist mein Herzensanliegen", sagt er. Zum anderen aber auch, weil ihm die Firmengeflechte bei den Großkonzernen zu unübersichtlich sind. Die Überprüfung, ob bei den komplexen Konzernstrukturen alle Vorgaben eingehalten werden, könne er mit seinen begrenzten Mitteln nicht leisten. Dass die Großen aber durchaus Interesse an seinem Markenzeichen haben, habe sich in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt. Immer wieder habe er sich gegen Weltkonzerne zur Wehr setzen müssen, die ihm die Markenrechte für Solarbier streitig machen wollten, betont Brandl. Bisher sei ihm das immer gelungen. Und solange er sich wie 58 fühlt, wird er seine Mission weiter verfolgen.
Daniel Wenisch
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