Dienstag, 18. September 2018
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LBV-Projekt: Kiesabbauer können mit wenig Aufwand einen wertvollen Beitrag zum Erhalt leisten

Auch Wildbienen sind immens wichtig

Geisenfeld
erstellt am 14.05.2018 um 16:42 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Engelbrechtsmünster (GZ) Geht es um Bienen, denkt man üblicherweise an die Honigbiene. Die Wildbiene steht weit weniger im Fokus, doch ist auch sie ein überaus wertvoller Bestäuber. Vor diesem Hintergrund ist ein LBV-Projekt von besonderer Bedeutung, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Vorkommen von Wildbienen in Kies- und Sandgruben zu fördern.
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Wildbienen lieben frisch ?abgeschnittene? Steilwände, wie sie auf Initiative des LBV in einer Sandgrube der Firma Schweiger bei Engelbrechtsmünster geschaffen wurden. Bei einem Ortstermin wurde nun von Professor Hans-Joachim Leppelsack (2. v. rechts) über den Stand des Projekts informiert.
Wildbienen lieben frisch "abgeschnittene" Steilwände, wie sie auf Initiative des LBV in einer Sandgrube der Firma Schweiger bei Engelbrechtsmünster geschaffen wurden. Bei einem Ortstermin wurde nun von Professor Hans-Joachim Leppelsack (2. v. rechts) über den Stand des Projekts informiert.
Kohlhuber
Geisenfeld
"Ganz falsch", sagt Professor Hans-Joachim Leppelsack lächelnd, "der LBV setzt sich nicht nur für Vögel ein." Der Kreisvorsitzende des Landesbundes ist federführend bei dem Projekt "Schutz bodenbewohnender Insekten im Landkreis: Wildbienen in Kiesabbaustätten". Um über den Stand der Dinge zu informieren, hatte der LBV jetzt zu einem Ortstermin auf eine seit Längerem unbewirtschaftete Grube der Firma Schweiger bei Engelbrechtsmünster ein geladen. Mit dabei: deren Geschäftsführer Karl Lichtenstern, Stephanie Gillhuber vom Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden (dem Dachverband der Kiesabbauer) sowie Klaus Poschlod, Regierungsdirektor beim Bayerischen Landesamt für Umwelt. Diese Behörde ist maßgeblich für die Regionalentwicklung zuständig. Und schließlich war bei der Besichtigung noch Dorothee Bornemann als Leiterin der LBV-Kreisgruppen-Geschäftsstelle mit dabei.

Genauso interessant wie das Schutzprojekt selbst, ist dessen Vorgeschichte, die Leppelsack bei dem Termin nochmals kurz Revue passieren ließ: So seien in mehreren nah beieinander liegenden Sandgruben in Engelbrechtsmünster nach 2010 Brutvorkommen des Bienenfressers entdeckt worden, der zu den buntesten Vögeln Europas zählt und der gerne in Steilwänden brütet. Um die Population zu fördern, wurden in einer inaktiven Sandgrube der Firma Schweiger mit Unterstützung des Unternehmens drei Steilwände "geschnitten". Zur Freude der Vogelschützer kam es in einer dieser Wände zur erfolgreichen Brut eines Bienenfresserpaares - aber nicht nur das: "Bei der Nachkontrolle im Herbst wurde deutlich, dass in allen drei Wänden eine intensive Besiedelung durch Boden bewohnende Insekten stattgefunden hatte", so Leppelsack.

Daraus sei die Idee entstanden, die Besiedelung der Steilwände durch Insekten näher zu dokumentieren, womit dann im Jahr 2016 begonnen wurde. Das Projekt erstreckt sich dabei auch auf zwei Gruben im südlichen Landkreis, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Grube bei Engelbrechtsmünster. "Im Verlauf der Projektumsetzung zeigte es sich, dass die beobachteten Insekten mit Bruthöhlen ganz überwiegend Wildbienen waren", erläuterte der LBV-Kreisvorsitzende bei dem Ortstermin. "Daraus ergaben sich interessante Erkenntnisse über die Möglichkeiten, diese Tiergruppe in den Abbaustätten zu fördern."

Das Konzept zum Artenschutz umfasst einen Katalog an Maßnahmen. "Am meisten geholfen ist den Wildbienen mit frisch angeschnittenen Steilwänden, die aber dann über die Dauer von ein bis zwei Sommer von weiterer Nutzung freigehalten werden müssen", so Professor Leppelsack. Dass solche frisch geschnittenen Wände binnen kurzer Zeit besiedelt werden, zeigte sich auch bei dem Ortstermin. "Da haben wir schon wieder einige frische Löcher, obwohl wir noch sehr früh in der Brutsaison sind", demonstrierte Dorothee Bornemann.

Bleibt noch das Thema Nahrung, denn viele Gruben liegen isoliert und bieten Wildbienen keine solche in der Nähe. Die gefundene Lösung: Das Ausbringen eines speziellen Wildpflanzen-Saatguts, das auf sandigen Böden ohne zusätzliche Düngung keimt. Diese Wildpflanzen versorgen dann die Wildbienen mit den notwendigen Pollen zur Ernährung der Brut.

Das leicht umsetzbare Konzept zum Schutz der Wildbienen findet die Unterstützung des Industrieverbandes, wie deren Vertreterin bei dem Ortstermin bestätigte. Damit die Abbaubetriebe bei der Umsetzung alles richtig machen, wurde für sie ein Infoblatt mit den wichtigsten Punkten zusammengestellt.

Professor Leppelsack hofft, dass sie sich in großer Zahl beteiligen. "Denn vieles von dem, was über den dringend notwendigen Schutz von Honigbienen gesagt wird, gilt auch für die Wildbienen." Nicht nur, aber auch wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung: Beim Raps in Deutschland etwa oder bei Äpfeln und Birnen in den Niederlanden erfolgt die Bestäubung in erster Linie durch Wildbienen.
Gerhard Kohlhuber
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