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Franziska Moll aus Pfaffenhofen ist bei der Planung der Langen Nacht der Demokratie in München dabei

Andere Meinungen respektieren

Pfaffenhofen
erstellt am 11.09.2018 um 18:29 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Franziska Moll ist an der Planung der der Langen Nacht der Demokratie in München beteiligt. Demokratie ist für die Studentin nichts Selbstverständliches. Besonders junge Menschen sollten ihrer Meinung nach aktiver werden. Deswegen finden am Samstag in zehn bayerischen Städten verschiedene Events und Projekte für Jugendliche statt.
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Praktikum in Zeichen der Demokratie: Für die 23-jährige Franziska Moll aus Pfaffenhofen ist Demokratie nichts Selbstverständliches.
Praktikum in Zeichen der Demokratie: Für die 23-jährige Franziska Moll aus Pfaffenhofen ist Demokratie nichts Selbstverständliches.
Studioline Augsburg
Pfaffenhofen
Die gewaltsamen Ausschreitungen bei den Protesten in Chemnitz zeigen, dass viele Menschen politikverdrossen sind, sagt Franziska Moll. Wo Gewalt und Auseinandersetzungen herrschen, treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Oft glauben die Beteiligten, es gebe nur eine Meinung und fordern ihr demokratisches Recht auf freie Meinungsäußerung, sagt sie. Doch Demokratie ist viel mehr. Bei der Langen Nacht der Demokratie gibt es verschiedene Workshops, Vorträge und Theateraufführungen rund um das Thema Demokratie. In Augsburg ist beispielsweise der chinesische Menschenrechtsaktivist Dejun Lui zu Gast. Er referiert über das Bloggen für Demokratie.

"Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, sich über die Bedeutung der Demokratie bewusst zu werden", sagt Franziska Moll. Die 23-Jährige studiert Pädagogik mit Schwerpunkt Politik und Psychologie an der Universität Augsburg. Über das Netzwerk Politische Bildung Bayern absolviert sie ein Praktikum, bei dem sie an der Planung der Langen Nacht der Demokratie in München beteiligt ist. Besonders Geschehnisse wie in Chemnitz zeigen, dass der friedliche Dialog verloren geht, so die Studentin. Das motiviert sie, aktiv zu werden.

Für Franziska Moll bedeutet Demokratie nicht nur das passive Genießen aller Rechte, die man durch sie zugesprochen bekommt. Sie habe sich früher auch nicht besonders für Politik interessiert und ist erst durch ihr Studium auf die Thematik aufmerksam geworden. "Mir ist erst spät bewusst geworden, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist", erklärt sie. Menschenrechte, Freiheit und Gleichberechtigung gäbe es nicht, wenn niemand dafür gekämpft hätte und aktiv geworden wäre, so Moll. Es gehe auch darum, den Respekt vor Menschen mit anderen Ansichten und Meinungen einzuhalten, erklärt die Studentin weiter. Die Lange Nacht der Demokratie ist ein Anlass, aktiv zu werden und sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Die Begegnung und der Austausch auf Augenhöhe stehen im Vordergrund.

Da Demokratie die Vielfältigkeit der Meinungen einschließt, soll sich niemand ausgeschlossen fühlen. Die Folge: Politikverdrossenheit, Frustration, Wut. Der Dialog mit den Menschen und der Austausch sollen bei der Aktion im Vordergrund stehen. Das gehe ihrer Meinung nach immer mehr verloren.

Moll ist in der Planungsgruppe für München aktiv. Sie trägt die Verantwortung für die Planung einer Podiumsdiskussion. Dazu hat sie die Youtuberin Lisa Sophie Laurent eingeladen, die über 300000 Abonnenten auf ihrem Kanal im Internet hat. "Ich habe nach jemandem gesucht, der die Jungen erreicht. Da Laurent in den sozialen Medien eine große Reichweite hat, freue ich mich, dass sie dabei ist", so Moll. Außerdem werden die Journalistin und Autorin Meredith Haaf und die Präsidentin des bayerischen Landesfrauenrates, Hildegund Rüger, dabei sein. Drei Frauen und drei Generationen werden dann über ihr Verständnis von Demokratie diskutieren.

"Durch das Projekt wollen wir vor allem die Jugend für Politik begeistern", sagt Moll. Viele Jugendliche fühlen sich machtlos und unbeachtet, so die Studentin. Und genau das soll sich ändern. Dafür hat jede Stadt ihr eigenes Programm entworfen, zusammen mit Influencern und der örtlichen Öffentlichkeitsarbeit. Sowohl die Volkshochschulen als auch die Kreisjugendringe sind vor Ort vertreten. "Auf der Veranstaltungsseite bei Facebook für München haben wir schon knapp 2000 Interessierte", sagt Moll. Egal wie viele sich dann wirklich beteiligten, Moll ist sich sicher, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg wird: "Das Projekt gab es 2012 schon in Augsburg und es kam sehr gut an."

Als besonders motivierend empfand Mol den demokratischen Aspekt während der Vorbereitungsphase: "Jeder, der sich beteiligen wollte, hatte die Möglichkeit dazu, wurde ernst genommen und jederzeit berücksichtigt", sagt die Studentin. Viel Freude habe ihr der Austausch mit so vielen Menschen verschiedener Interessen bereitet, erzählt Moll. Dabei begegnete sie Menschen von unterschiedlichen Organisationen, Verbänden und Interessensgruppen, die sonst nie aufeinandertreffen würden. Der friedliche Aspekt und die gute Zusammenarbeit waren dabei das oberste Gebot - auch wenn man unterschiedliche Standpunkte vertritt. "Dadurch ist ein tolles und abwechslungsreiches Projekt entstanden", freut sich die Studentin.

Am Samstagabend möchte die Studentin mit allen Besuchern und Organisatoren die Demokratie feiern. Wichtig sei, ins Gespräch zu kommen und den Ideen freien Lauf lassen zu können, so Moll. In Gefahr sieht sie die Demokratie nicht, beobachtet jedoch einige Veränderungen. "Das allgemeine Verständnis von Demokratie muss deutlicher hinterfragt werden", sagt Moll. Das ginge nur mit Respekt und Akzeptanz Andersdenkenden gegenüber.

Wer sich für die Lange Nacht der Demokratie interessiert, kann am Samstag, einen der Veranstaltungsorte besuchen. Beteiligte Städte sind Augsburg, Regensburg, Würzburg, Selb, Donauwörth, Puchheim, Straubing, Murnau, Kronach und München. Informationen zum Programm der jeweiligen Stadt gibt es im Internet unter www.lange-nacht-der-demokratie.de. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

Tina Blum
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