Montag, 18. Juni 2018
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Kaum noch Häuser mit Nestern - Spatz bleibt an der Spitze

Wohnungsnot bei Schwalben

Neuburg
erstellt am 13.06.2018 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Der Haussperling bleibt der am häufigsten beobachtete Vogel in Bayerns Gärten, auch wenn sein Bestand stagniert und bayernweit vor allem in den Stadtzentren abnimmt.
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Kam diesmal auf Platz vier bei der Stunde der Gartenvögel: der Star.
Kam diesmal auf Platz vier bei der Stunde der Gartenvögel: der Star.
Sarah Beer/LBV
Neuburg
Zu diesem Ergebnis kommt der Landesbund für Vogelschutz nach der Stunde der Gartenvögel.

Der Feldsperling dagegen hat es dieses Jahr zum ersten Mal in die Top drei geschafft. "Dies ist jedoch kein Erfolg, es zeigt lediglich, dass ein typischer Feldvogel immer öfter in Siedlungsbereiche ausweicht und dort nach einem geeigneten Lebensraum sucht" erklärt Martina Gehret, Citizen-Science-Beauftragte des LBV. Erfreuliche Nachrichten gibt es jedoch von der Rauchschwalbe zu berichten. "Mit mehr als 3600 Beobachtungen wurden uns dieses Jahr so viele Rauchschwalben wie noch nie gemeldet", freut sich Martina Gehret. Ob sich dieser Trend fortsetzt, ist jedoch fraglich und bleibt abzuwarten.

Weniger gut sieht es dagegen bei der Frage nach Schwalbennestern an Häusern aus. "Weniger als sieben Prozent der Teilnehmer meldeten uns ein Mehl- oder Rauchschwalbennest an ihrem Gebäude", so Gehret. Mehr als 9000 bayerische Naturfreunde beteiligten sich heuer an der gemeinsamen Bürgerforscher-Aktion von LBV und seinem Partner NABU.

Glück bei der Wohnungssuche in Bayern brauchen vor allem Gebäudebrüter wie Rauch- und Mehlschwalben. An den rund 4400 zur Stunde der Gartenvögel Plus gemeldeten Häusern gibt es nur an knapp sieben Prozent der Gebäude Schwalbennester. Im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 hat deren Anzahl immerhin nicht weiter abgenommen. Trotzdem scheint sich der Negativtrend unserer Gebäudebrüter weiter schleichend fortzusetzen. "Die Gründe dafür sind hauptsächlich der Flächenversiegelung und dem Rückgang der Fluginsekten zuzuschreiben," erklärt Gehret. Alle Naturfreunde die Schwalben ein Zuhause geben, können sich beim LBV bewerben.

Erfreulich für den LBV: Deutlich öfter als Schwalbennester wurden Lehmpfützen gemeldet, nach denen in diesem Jahr erstmalig bei der Stunde der Gartenvögel Plus gefragt wurde. "Lehmpfützen sind als Grundlage für das Nestbaumaterial von Schwalben unersetzlich. Aus dem feuchten Material formen die Flugkünstler kleine Kügelchen, die sie als halbkugelförmige Nester an Hauswände unter Dachvorsprünge kleben", erklärt die Citizen Science Beauftragte. "Ohne Baumaterial können keine Nester ausgebessert oder neu angelegt werden. Aus diesem Grund freuen wir uns darüber, dass es laut unserer Mitmachaktion in der Umgebung von jedem vierten Haus noch Lehmpfützen geben soll. " Aber nicht nur die Gebäudebrüter haben Schwierigkeiten beim Wohnungsbau. Viele weitere Vogelarten in der direkten Umgebung des Menschen haben Probleme, geeignete Nischen zu finden, in denen sie ihre Jungen großziehen können und satt bekommen.

Das Rotkehlchen beispielsweise ist dieses Jahr der große Verlierer bei der Stunde der Gartenvögel. Es wurden weit über 1000 Tiere weniger gezählt als im Vorjahr. Der beliebte kleine Frühaufsteher ist um zwei Ränge auf Platz 15 abgerutscht. "Das passt zum Trend der besonders starken Abnahme insektenfressender Vogelarten und muss weiter beobachtet werden", so Gehret. "Wer diesen Vögeln helfen will, sollte seinen Garten naturnah mit heimischen Büschen und Bäumen bepflanzen und somit insektenfreundlich gestalten. " Wie es um die Insektennahrung vieler Vögel in Deutschland bestellt ist, wird die neue Citizen-Science-Aktion Insektensommer weiter verdeutlichen. "Wem das Schicksal unserer Gartenvögel am Herzen liegt, der sollte auch bei der Insektenzählung mitmachen", so die Citizen-Science-Beauftragte weiter.

Wie im Vorjahr ist die Amsel auf Platz zwei gelandet, gefolgt vom Feldsperling, der den Star auf Platz vier verweist. Mit Abstand muss sich die Kohlmeise mit Platz fünf der bayerischen Vogelcharts begnügen. Dann folgen mit großem Abstand Blaumeise (6.), Elster (7.) und Grünfink (8.). Wie im vergangenen Jahr hält die Mehlschwalbe Platz neun. Die Liste der zehn in Bayern am häufigsten beobachteten Gartenvögel rundet der Buchfink ab. Alle Endergebnisse können landkreisgenau auf www. stunde-der-gartenvoegel. lbv. de eingesehen werden. Interaktive Karten zeigen, wie sich eine Vogelart an einem ausgesuchten Ort oder Landkreis entwickelt hat.
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