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Die Tafel Neuburg kümmert sich um mehr als 500 Menschen im nördlichen Landkreis - Tendenz steigend

"Ohne wäre mein Kühlschrank leer"

Neuburg
erstellt am 05.12.2018 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 09.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) 600 Euro hat sie jeden Monat zum Leben.
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Sie helfen gerne: Das Mittwochsteam der Tafel mit Philomena Schlamp (v.l.) und Petra Stuber freut sich über die Kontakte zu den Kunden.
Sie helfen gerne: Das Mittwochsteam der Tafel mit Philomena Schlamp (v.l.) und Petra Stuber freut sich über die Kontakte zu den Kunden.
Janda
Neuburg
600 Euro für Miete, Versicherungen und alle anderen Ausgaben. "Da bleibt am Ende nicht viel", sagt eine 71-Jährige aus Rennertshofen, die lieber anonym bleiben will. Gemeinsam mit rund einem Dutzend anderen Bedürftigen sitzt sie an diesem tristen Wintervormittag im Vorraum der Tafel Neuburg und wartet. Auf den Beginn der Essensausgabe, die ihr so viel bedeutet. "Denn ohne wäre mein Kühlschrank leer", sagt die Frau. Und: "Ohne Tafel würde ich nicht mehr über die Runden kommen. "

Ein Einzelfall ist die Rennertshofenerin im Landkreis schon lange nicht mehr. Allein die Tafel Neuburg, für die unsere Zeitung auch heuer im Zuge der Aktion "Vorweihnacht der guten Herzen" Spenden sammelt, versorgt Woche für Woche mehr als 500 Menschen mit Nahrungsmitteln - eine Zahl, die stetig zunimmt, wie die Vorsitzende Philomena Schlamp berichtet. "Es fallen zwar immer mal Leute weg und andere kommen dazu, doch insgesamt ist der Bedarf nach wie vor steigend. " Das Gebiet der Tafel umfasst dabei den gesamten nördlichen Landkreis; aus Karlshuld und Königsmoos, aus Weichering, aus Rennertshofen und Burgheim sowie vor allem aus der Kreisstadt selbst kommen die Menschen zur Tafel. Wer offiziell als bedürftig gilt, regelt das Gesetz - und die oft prekäre Einkommenssituation.

Für sie alle ist der Besuch allerdings viel mehr als nur eine Art Einkauf. Längst haben sich die Räume im Neuburger Schwalbangerviertel zu einer Art Sozialtreff gewandelt. Um gute Gespräche geht es dabei ebenso wie um den karitativen Zweck. "Mittlerweile ist es ein richtiger Treffpunkt, nicht nur für uns Helfer", sagt Petra Stuber, Dritte Vorsitzende der Tafel. Denn viele Leute, die auf die Hilfe angewiesen sind, kämen sonst nicht mehr oft aus dem Haus. Weil ihnen das Geld für Freizeitaktivitäten fehlt, weil dadurch der Anschluss an die Gesellschaft verloren geht.

Apropos Geld: Obwohl die rund 70 Mitarbeiter der Einrichtung komplett ehrenamtlich tätig sind, spielt der finanzielle Bereich dennoch eine große Rolle. Die Lebensmittel, die der Verein aus zahlreichen Geschäften in der Region bekommt, gibt es nämlich keineswegs umsonst. Zwei Euro muss jeder pro "Einkauf" bezahlen. "Wir haben oft Kunden, die sich das am Ende des Monats nicht mehr leisten können", weiß Schlamp. Gerade in Monaten mit fünf statt der üblichen vier Abholtage werde es für viele oft schwierig. "Doch schon bei der nächsten Öffnung bezahlen sie pünktlich. Und zwar immer. "

Gleichzeitig ist das Geld auch in den Köpfen der Helfer ein Dauerthema. Denn ohne einen steten Spendenfluss - sowohl finanziell als auch bei den Nahrungsmitteln - würde bei der Tafel rein gar nichts laufen. Die monatliche Miete für die früheren Supermarkträume, der Betrieb der drei Fahrzeuge, mit denen die Ehrenamtlichen die Lebensmittel bei den zahlreichen Unterstützern abholen, die vielen Nebenkosten, die sich am Ende des Monats summieren - all das muss der kleine Verein erst einmal stemmen. Und all das geht nicht ohne regelmäßige Einnahmen. "Wir müssen sparen, ganz klar", sagt Stuber. Erst in den vergangenen Wochen sei eines der Autos in der Werkstatt gewesen - da wird es dann schon mal eng für die Helfer. Gleichzeitig sind die Gefährte, darunter zwei Kühlfahrzeuge, in keinem guten Zustand mehr. Ein großzügiger Autosponsor steht daher ganz oben auf dem Wunschzettel der Tafel.

Während die Sorgen in diesem Bereich durchaus an den Helfern nagen, läuft der Betrieb selbst völlig reibungslos. Probleme wie bei der Tafel in Essen, wo Ausländer vorübergehend nicht willkommen waren, gebe es in Neuburg nicht. Über die Reihenfolge bei der Ausgabe entscheidet mittlerweile das Los. "Auf diese Weise kommen die Leute mal als erste, mal etwas später an die Reihe", erklärt Schlamp. Sie hat auch schon oft bemerkt, dass viele Tafelkunden lieber etwas mehr Zeit im Wartebereich verbringen, um sich zu unterhalten. Gleichzeitig gehören die fertigen Pakete der Vergangenheit an. Stattdessen ist einer der Helfer nun beim Gang durch die Lebensmittelausgabe dabei - wie bei einem Einkauf mit Begleitung, erklärt Schlamp. Der Vorteil: Niemand sortiert die Ware vor der Tür wieder aus, weil er damit zum Teil nichts anfangen kann. Wer aus einem südlichen Land kommt, der greift nach der Erfahrung der Helfer lieber mal zu Obst oder Auberginen. Bei älteren Menschen ist hingegen eher saisonales Gemüse hoch im Kurs. Und wer eine der angebotenen Waren nicht kennt, dem erklären die Helfer die richtige Verwendung oder Zubereitung. "Wir helfen, wo wir können", sagt Schlamp und stellt fest: "Das klappt gut. "

Ganz unentgeltlich läuft diese Arbeit, die sich bei vielen der Ehrenamtlichen längst vom Hobby zum Nebenjob entwickelt hat, allerdings nicht ab. "Wir kriegen sehr viel von den Kunden zurück", sagt die Vorsitzende. So gut wie keiner würde die Räume ohne ein freundlichen Wort, ohne einen Dank verlassen. Ohne diese kleinen Gesten wäre das arbeitsreiche Ehrenamt ihrer Ansicht nach kaum zu leisten.

Solchen Zuspruch gibt es an diesem Vormittag auch aus Rennertshofen. "Ich bin sehr gerne hier", sagt die 71-Jährige, die noch immer im Warteraum sitzt. Die regelmäßig en Besuche im Schwalbanger will die Seniorin vor allem wegen der Lebensmittel, aber auch wegen der vielen Kontakte nicht missen. Denn jedes Mal sei sie danach etwas zufriedener als zuvor, gibt sie offen zu. Ohne die Fahrten nach Neuburg und die netten Gespräche, das weiß die Rentnerin nur zu gut, wäre ihr Leben ein Stück weit ärmer.

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Stefan Janda
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