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Runder Tisch im Rathaus - Ein Arbeitskreis soll Lösungsvorschläge zum Thema Tempo 30 machen

Bürger wollen Verkehrsberuhigung in Weichering

Weichering
erstellt am 09.12.2018 um 20:01 Uhr
aktualisiert am 13.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Weichering (smo) Es ist offenbar ein emotional durchaus aufgeladenes Thema in der Gemeinde Weichering: die Geschwindigkeit der Autos auf den Straßen und eine mögliche Verkehrsberuhigung in den einzelnen Gemeindeteilen.
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In der Ingolstädter Straße auf Höhe der Schule und des Kindergartens (blaues Gebäude im Hintergrund) gibt es die einzige Tempo-30-Zone in Weichering.
In der Ingolstädter Straße auf Höhe der Schule und des Kindergartens (blaues Gebäude im Hintergrund) gibt es die einzige Tempo-30-Zone in Weichering.
Ziegler
Weichering
Das wurde am Freitagabend bei einem Runden Tisch im Rathaus deutlich, zu dem gut ein Dutzend Bürger und einige Gemeinderäte gekommen waren.

Eine endgültige Lösung gab es - wie zu erwarten war - nicht, aber zumindest nun eine gewisse Richtung. Die Bürger, die am Freitag da waren, könnten als Art "Arbeitskreis" firmieren. Der soll Messwerte analysieren, die die Gemeinde nun in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt an neuralgischen Punkten erheben will.

"Was ist denn an so einem Tempo-30-Schild so makaber", schimpfte eine Anwohnerin aus Weichering selbst. Überall würde es gehen, "im ganzen Oberland, in Herrsching und sonst wo stehen diese Schilder, nur in Weichering geht's nicht". Sie bezog sich dabei auf einen Gemeinderatsbeschluss vom Juli, in dem die gewählten Bürgervertreter sich deutlich gegen ein flächendeckenes Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde ausgesprochen hatten. "Wir brauchen einen Kompromiss. " Man stelle sich nicht explizit gegen eine Verkehrsberuhigung, sagte Bürgermeister Thomas Mack am Freitag. Sinnvoll sei es allerdings nur auf Durchgangsstraßen oder an entsprechenden Gefahrenstellen.

Dass hier genaue Analysen vorliegen müssen, stellte Bernd Walter, der sich im Landratsamt um Verkehrsrecht kümmert, klar. "Die Gemeinde braucht für die Anordnung rechtssichere Argumente", sagte Walter. Er erinnerte daran, dass die Verkehrsteilenehmer qua Gesetz dazu verpflichtete seien, ihre Geschwindigkeit der Umgebung anzupassen. "Im Ort ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 km/h", das heiße nicht, dass man überall so schnell fahren müsse. Jeder sei gefordert, seinen Teil beizutragen, so Walter.

Bürgermeister Mack wies darauf hin, dass in verschiedenen Straßenzügen seiner Ansicht nach gar nicht so schnell gefahren werden könne. Zweiter Bürgermeister Thomas Fürst ergänzte, dass "heute schon lange nicht mehr so schnell gefahren werden kann wie vor fünf Jahren", überall stünden Autos. "Aber es gibt immer Leute, die sich nicht an die Regeln halten. "
Vor der Diskussion hatte Bernd Sluka, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands des Verkehrsclub Deutschland (VCD) über Tempo 30 referiert und dabei seine Sicht der Dinge dargestellt: Eine entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzung mache eine Gemeinde "lebenswerter", fördere die Mobilität von Kindern, verringere die Wahrscheinlichkeit von Unfällen - auch von tödlichen Zusammenstößen mit Fußgängern - und bringe eine "Halbierung der Verkehrsstärke" mit sich.
Er nannte drei mögliche Umsetzungen von Tempo 30: als Zone, als sogenanntes Streckenverbot sowie als Ausnahme vor Einrichtungen wie Schule, Kindergarten oder Altenheimen. Vor Kindergarten und Schule an der Ingolstädter Straße ist bereits eine temporäre Reduzierung auf 30 km/h angeordnet worden. Er, Sluka, habe sich Weichering (den Hauptort) zusammen mit Hans-Jürgen Steinherr, der schon seit Langem ein Kämpfer für die Geschwindigkeitsreduzierung ist, angesehen: "Es gibt nur eine Straße mit Durchgangsverkehr. " Alle anderen hätten Erschließungsfunktion. Aber, so Sluka, die Wohngebiete seien alle so angelegt, als wären sie Tempo 30. "Es fehlt eigentlich nur ein Schild. " So einfach wollte es dann Bürgermeister Mack nicht stehen lassen: "Der Gemeinderat stellt sich die Frage, wer denn in den Wohngebieten fährt. " Das seien vornehmlich die Anwohner dort und möglicherweise Besucher. "Und das Postauto und die Paketdienste", warf eine Bürgerin ein. "Wir wollen, dass der Verkehr langsamer wird", sagte ein anderer Anwohner.

Das soll nun auch tatsächlich in Angriff genommen werden, der Runde Tisch soll nach dem Vorliegen von belastbaren Ergebnissen wieder tagen und möglicherweise dann bereits erste Kompromisse herausarbeiten, über die dann der Gemeinderat zu befinden haben wird. "Hier werden wir sicher auch die Anregungen von Herrn Sluka mit aufnehmen", sagte Bürgermeister Mack. Für die Ergebnisse sollen auch Überwachungsgeräte herangezogen werden, die anonym Verkehrsflüsse aufzeichnen. Hans-Jürgen Steinherr regte an, sich als allerersten Punkt die Ecke Am Wall/Kochheimer Straße anzusehen.
 
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