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Seit Anfang Juli gilt die Lkw-Maut auf Bundesstraßen - das sagen die regionalen Unternehmen

38000 Kilometer mehr Kontrolle

Neuburg
erstellt am 12.07.2018 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Seit Anfang Juli gilt die Lkw-Maut nicht mehr nur auf Autobahnen, sondern auch auf Bundesstraßen. Dazu wurden deutschlandweit gut 600 etwa vier Meter hohe blauen Säulen errichtet, um die Fahrer zu kontrollieren. Vor allem für kleinere Speditionsunternehmen kann das existenzbedrohend sein.
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Große blaue Säulen ? wie hier auf der B16 auf der Höhe der Ortschaft Bruck ? sollen die Lastwagen auf den Bundesstraßen kontrollieren.
Große blaue Säulen - wie hier auf der B16 auf der Höhe der Ortschaft Bruck - sollen die Lastwagen auf den Bundesstraßen kontrollieren.
Leurs
Neuburg
Seit Anfang Juli gilt die Lkw-Maut nicht mehr nur auf Autobahnen, sondern auch auf Bundesstraßen. Dazu wurden deutschlandweit gut 600 etwa vier Meter hohe blauen Säulen errichtet, um die Fahrer zu kontrollieren. Vor allem für kleinere Speditionsunternehmen kann das existenzbedrohend sein.

"Ich mag nicht jammern, so ist das nun mal in dem Gewerbe", sagt Markus Hofner, der eine kleine Speditionsfirma in Bruck besitzt. "Aber wir scheffeln nicht das große Geld, alles ist eng kalkuliert." Und da können zusätzliche Kosten durch die seit anderthalb Wochen geltende Lkw-Maut auf Bundesstraßen das Budget spürbar ausreizen. "Die Margen sind so gering, dass wir uns das nicht leisten können." Zurzeit seien die Auftraggeber nicht bereit, mehr zu zahlen, das müssen sie auch nicht. So laufe es darauf hinaus, dass die Spediteure, wie Hofner erzählt, zurzeit die zusätzlichen Kosten selber stemmen. Gut 100 bis 200 Euro werde ihn das im Monat pro Lkw mehr kosten.

Der Geschäftsführer eines weiteren mittelgroßen Speditionsunternehmens in der Region,, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sieht es sehr pragmatisch. "Es muss ja", sagt er auf Anfrage. Bisher lasse sich noch nicht abschätzen, zu welchen Preissteigerungen es kommen werde. "Die Speditionsmargen sind nicht hoch genug, um das zu tragen", sagt der Geschäftsführer über die neue Maut. "Und am 1. Januar 2019 steht bereits die nächste Mauterhöhung an." Besonders die Region Bayern treffe es hart, da gerade hier viele Lastwagen über Bundesstraßen fahren. Zahlen des Staatlichen Bauamtes Ingolstadt ergaben, dass knapp 15 Prozent auf der B16 Schwerverkehr sind. Damit erreicht die Bundesstraße schon das Niveau von Autobahnen (15,3 Prozent).

Die Neuburger Milchwerke, die ihren Hauptsitz im badenwürttembergischen Ravensburg haben, äußern sich auf Anfrage nicht. "Wir wollen dazu kein Statement geben", sagt der zuständige Abteilungsleiter bei der dort ansässigen Firma Omira.

"Die Regierung strebt ein nutzerfinanziertes Straßennetz an", sagt Arne Schönbrodt vom Staatlichen Bauamt Ingolstadt. Wer die Straße benutzt, muss auch dafür zahlen. Dabei werden die Bundesstraßen durch den Lkw-Verkehr wesentlich stärker beschädigt als durch normale Pkw. "Ein Lkw belastet eine Straße genau so stark wie 160000 Pkw", so Schönbrodt. Messungen haben ergeben, dass bei Burgheim gut 1800 Lkw über die B16 fahren - jeden Tag. Bei Weichering sind es 2200, bei Marienheim 2800 und bei Manching gar 3000 am Tag, so der Abteilungsleiter des Bauamtes. Und um die Maut werden die Speditionen wohl nicht herum kommen. "Uns sind bis jetzt keine extremen Maut-Ausweichrouten bekannt", sagt Schönbrodt.

Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl (CSU) befürwortet die Lkw-Maut auf Bundesstraßen. "Wir erwarten eine enorme Belastung durch den Güterverkehr bis zum Jahr 2030", sagt er auf Anfrage. Dieser solle um 38 Prozent zunehmen. Aus seiner Sicht hätte es aber gereicht, nur die Lücken zu schließen, also die Straßen mit Maut zu belegen, die als Ausweichroute genutzt werden. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Verkehrsrouten der Lkw entwickeln.

Ausweich-Routen werden mit der Gebührenerhebung auf Bundesstraßen jedoch immer schwieriger. Waren bisher mit etwa 13000 Kilometern Länge nur deutsche Autobahnen für den Schwerverkehr mautpflichtig, kommen nun noch einmal gut 38000 Kilometer Bundesstraßen hinzu. Laut der Firma Toll Collect, die die Säulen betreibt, seien dadurch zusätzlich "30000 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen" betroffen.
 
Thomas LeursThomas
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