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Gewohntes Umfeld mit neuen Aufgaben: Gerdi Kuyten ist neue Leiterin der Grundschule am Schwalbanger

"Nicht nur nach Noten beurteilen"

Neuburg
erstellt am 14.09.2018 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Die Position ist neu, ein paar Aufgaben auch, doch vieles ist geblieben: Gerdi Kuyten tritt die Nachfolge von Marietta Platzer als Leiterin der Grundschule am Schwalbanger in Neuburg an. Eine Unbekannte ist sie nicht, schließlich war sie zehn Jahre lang dort Konrektorin - eine Zeit, in der sie eine enge Bindung zur gesamten Schulfamilie aufgebaut hat, die sie nicht mehr missen möchte.
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Hat sich in ihrem neuen Büro gut eingelebt: Schulleiterin Gerdi Kuyten.
Hat sich in ihrem neuen Büro gut eingelebt: Schulleiterin Gerdi Kuyten.
Kretzmann
Neuburg
Im Juli hat sich Marietta Platzer nach über 40 Jahren als Lehrerin und einem Jahrzehnt als Rektorin der Grundschule am Schwalbanger in den Ruhestand verabschiedet - kein leichter Schritt, besonders für die Schüler und auch das Kollegium, die die 64-Jährige nach all den Jahren ins Herz geschlossen hatten. Doch Platzer kann beruhigt ihren Ruhestand genießen, denn ihr großer Wunsch, dass eine bestimmte Person ihre Nachfolge antritt, ist in Erfüllung gegangen: Gerdi Kuyten.

Für die 56-Jährige ist die Schule kein Neuland, schließlich war sie zehn Jahre lang dort als Konrektorin im Dienst und zwischen 2002 und 2006 als Lehrerin. Auch wenn sich Kuyten auf die Zukunft und die neuen Aufgaben freut, ist die Stelle als Schulleiterin in so mancher Hinsicht noch etwas ungewohnt. "Ich war mit Leib und Seele Klassenleiterin, das fehlt mir schon ein bisschen, weil das schließlich eine ganz besondere Bindung zu den Schülern war", sagt die 56-Jährige etwas wehmütig. Dafür fehle in dieser Position aber leider einfach die Zeit. "Doch das ganze Drumherum bleibt und das ist das Schöne."

Es seien nicht nur die Schüler, die der Grund dafür sind, dass Kuyten jeden Tag gerne in die Schule geht, sondern auch das harmonische Kollegium. "Als es klar war, dass Marietta Platzer in den Ruhestand geht, sind die Kollegen sofort auf mich zugekommen und haben mich darum gebeten, dass ich mich doch auf die Stelle bewerben soll, bevor es jemand anderes tut", erzählt sie. "Und dieser Rückhalt ist toll." Auch Platzer wollte die 56-Jährige unbedingt als ihre Nachfolgerin. So sei der Übergang sehr harmonisch und Hand in Hand verlaufen - was auch bei der Verabschiedung der 64-Jährigen deutlich wurde: "Ich habe wirklich sehr viel von dir gelernt und danke dir für alles", sagte Kuyten dabei.

Schon von Kindesbeinen an wollte die 56-Jährige, die in Mühlhausen bei Neustadt an der Donau aufgewachsen ist, Lehrerin werden. "Ich hatte eine Grundschullehrerin, die ich sehr mochte, und ich wollte schon immer etwas mit Kindern machen." Während der Schule sowie des Studiums in Regensburg hat sie in den Ferien immer in einer Bank gearbeitet. "Mein damaliger Chef wollte unbedingt, dass ich bleibe und eine Ausbildung mache", erzählt sie. Doch vom Ziel, Lehrerin zu werden, wich sie nicht ab. Nach Stationen in Mühldorf, Burgheim und Königsmoos, wo Kuyten zwei Jahre lang Konrektorin war, wechselte sie schließlich an die Schwalbangerschule und "will auch nicht mehr weg".

Die 56-Jährige hat auch einige Ziele auf ihrer To-do-Liste. So steht ein weiterer Anbau der Schule an - und in Sachen Bauen und Planen hat Kuyten bereits Erfahrung, denn sie war von Anfang an in den Neubau der Schwalbangerschule eingebunden. Was den Unterricht angeht, spielt die Medienentwicklung eine immer größere Rolle. "Die Kinder wachsen damit auf, die Welt wird immer digitaler und wir müssen uns überlegen, wie wir all das an die Klassen vermitteln, wie wir ausgestattet sind und wie wir die Medien im Unterricht gezielt einsetzen können." Daneben sei es auch wichtig, die Kinder über die Gefahren aufzuklären, die der digitale Wandel mit sich bringt. Trotz der größeren Einbindung der Medien in den Unterricht, steht für Kuyten eines fest: "Die Grundschule ist immer noch der Grundstock für Lesen, Rechnen und Schreiben."

Nicht nur die Digitalisierung sondern auch der Wandel der Gesellschaft macht sich aus Sicht der Schulleiterin im Unterricht und bei den Kindern bemerkbar. "Sie sind schon anstrengender geworden", sagt sie. "Aber das liegt nicht primär an ihnen, sondern an der Gesellschaft, man kann ihnen also gar keine Vorwürfe machen." Alles werde schneller, das Miteinander sei nicht mehr so vorhanden, wie es einmal war, und auch die sozialen Werte hätten eine andere Gewichtung. "Das Problem ist, dass die Kinder von morgens bis abends alles vorgesetzt bekommen, sie können selbstständig gar nichts mehr machen." Die Schüler hätten zwar im Vergleich zu früher ein viel globaleres Wissen, aber "grundlegende Sachen wie Höflichkeit oder Grüßen nehmen ab". Die Konsequenz daraus sei die zunehmende Verlagerung des Erziehungsauftrags auf die Schule. So seien viele Eltern alleinerziehend, oder beide Teile berufstätig. "Viele Kinder bekommen zum Beispiel kein Frühstück oder sitzen morgens vor der Schule schon vor dem Fernseher", sagt Kuyten. "Die Eltern können oft auch einfach nicht erziehen, weil sie es selbst nicht mitbekommen haben."

Doch der Wandel der Gesellschaft habe auch seine positiven Auswirkungen: "Die Kinder sind offener und selbstständiger geworden, das Verhältnis zu den Lehrern ist mehr auf Augenhöhe." Auch würden sich die Kinder im Unterricht gegenseitig viel mehr motivieren, "so dass keiner mehr Angst vor etwas haben muss". Für die Zukunft wünscht sich Kuyten daher, getreu dem Schulmotto, vor allem eines: gemeinsam wachsen. "Und das passt in alle Beziehungen, egal, ob im Unterricht, in der Erziehung, der Mittagsbetreuung oder auch der schulexternen Zusammenarbeit mit Eltern, Fachleuten oder öffentlichen Einrichtungen." Ein weiteres Ziel sei es auch, die Kinder in ihrem Wesen zu stärken. "Der Stoff soll nicht immer im Vordergrund stehen." Natürlich müsse man Noten machen, aber "ein Schüler beziehungsweise ein Mensch soll nicht nur nach seinen Noten beurteilt werden". Die Kinder sollen sich wohlfühlen und "wenn sie gerne in die Schule gehen, sind sie auch ganz anders bereit, dafür etwas zu leisten".
 
Katrin Kretzmann
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