Samstag, 15. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Stausee total verschlammt Räumen ist E.ON zu teuer

erstellt am 18.11.2003 um 22:10 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 12:06 Uhr | x gelesen
Burgheim (r) Die Marktgemeinden Rennertshofen und Burgheim verlangen von der Donauwasserkraft AG weiterhin das Ausbaggern des arg verlandeten Donaustausees Bertoldsheim. Der Kopfspeicher der Kraftwerkskette hat von seinem ursprünglichen Volumen von 2,2 Millionen Kubikmetern den Großteil eingebüßt. Aus Kostengründen wird aber vermutlich keine einzige Fuhre Schlamm abtransportiert. Das machten Vertreter des Betreiberkonzerns E.ON bei einer Informationsversammlung in Burgheim deutlich.
Textgröße
Drucken
Bürgermeister und Behördenvertreter nahmen an dem vom SPD-Kreisverband organisierten Treffen teil. Obwohl eingeladen, verweigerte SPD-Sprecher Michael Kettner den Medien dann den Zutritt. Hochwasserschutz als nichtöffentliches Thema ist etwas ganz Neues und widerspricht sich selber.

Eines der Hauptanliegen der Bürgermeister Albin Kaufmann (Burgheim) und Ernst Gebert (Rennertshofen) bleibt die Schaffung neuer Retentionsräume an den Oberläufen von Lech und Donau. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth überplant einige Flächen, die aber insgesamt wohl kaum ausreichen dürften. Die Behörden kündigen für die zweite Jahreshälfte 2004 eine "Lechstudie" an, die die Hochwasserhandhabung von 20 Staustufen besser koordinieren soll.

Der Lech trug am 22./23. Mai 1999 mit 1200 Kubikmetern pro Sekunde kurzzeitig mehr zum "Jahrhunderthochwasser" bei als die Donau. Als Gesamtabfluss haben die Fachbehörden etwa 2300 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Der Forggensee, damals nach dem "Vatertagshochwasser" (13./14. Mai) wieder gefüllt, musste überstaut werden, um einen Beitrag zur Flutrückhaltung zu leisten. Mittlerweile gebe es ein "Eingriffsrecht", das Hochwasserschutz vor Tourismus und das Aufnahmevolumen (160 Millionen Kubikmeter) zeitlich passend zur Verfügung stelle. Darauf verwies die Führung des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt in Burgheim.

Der Kopfspeicher der Donau bei Bertoldsheim vermag eine Hochwasserspitze nur ein, zwei Stunden aufzuhalten. Dennoch sollten die Schlammberge endlich einmal abgetragen werden, "damit die Kraftwerksbetreiber wenigstens ihren guten Willen zeigen", verlangt Bürgermeister Gebert. Seit Inbetriebnahme 1967 war der Stausee nur einmal Ende der 70er Jahre ausgebaggert worden. E.ON bzw DWK scheuen die Kosten, denn 500 000 oder mehr Kubikmeter Schlamm zu entsorgen, das erfordert eigentlich eine eigene Deponie.

Georg Remboldt, Werkleiter der Donau-Staustufen, wiederholte vor den Politikern, dass sich das Unternehmen strikt an den alten Wasserrechtsbescheid halte. Er sieht auch die Anhebung der Wehre in Bittenbrunn um 50 Zentimeter bei starken Hochwassern vor. Das soll die Ausuferung oberhalb vergrößern und Unteranliegern helfen. In Hatzenhofen, Stepperg und vor allem im Dorf Straß-Moos "schwimmen" in solchen Momenten Straßen und Häuser. Die Betroffenen beklagen deshalb seit langem den "Überstau".

Das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt hält die Schuldzuweisung an E.ON in diesem Fall für unberechtigt. Die Enge zwischen Antoniberg und Stepperg sei es, die den Hochwasser führenden Fluss bremse, erklärte Bauoberrat Walter Hoferer. Dazu komme im Bereich Rennertshofen der Rückstau der Ussel. "Keinen Millimeter sind wir weitergekommen", winkt Ortssprecher Johannes Weidner nach dem Burgheimer Treffen ab. Der Moosmüller kämpft seit dem Schock 1999 um die Belange des Retentionsdorfes. Unverhohlen sprechen die Behörden von Absiedlung der 40 Haushalte, und das Kreisbauamt genehmigt keine Neubauten mehr. Alteingesessene Straß-Mooser verlassen aber ihre Heimat nicht. Für Frühjahr kündigt die Fachbehörde die Studie eines "Ringwalls" um das Dorf an. Bei Kosten bis zu zehn Millionen € glaubt keiner an die Realisierung. Zumal die Gemeinde Burgheim nicht im Entferntesten in der Lage ist, den vom Freistaat geforderten Anteil von 50 Prozent zu übernehmen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!