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Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze plädiert in Neuburg für ein starkes Europa

"Nur so gut, wie wir dafür kämpfen"

Neuburg
erstellt am 13.01.2019 um 19:04 Uhr
aktualisiert am 17.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) "Frag Norbert und Katha" - Unter diesem Motto stand die Diskussionsrunde mit Grünen-Landratskandidat Norbert Mages und Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze gestern in Neuburg. Im Wechsel gingen die beiden auf die Fragen der Bürger ein und Schulze appellierte dabei besonders an ein starkes Europa.
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Stellten sich gemeinsam den Fragen der Zuhörer: Grünen- Landratskandidat Norbert Mages und Fraktionschefin Katharina Schulze.
Stellten sich gemeinsam den Fragen der Zuhörer: Grünen- Landratskandidat Norbert Mages und Fraktionschefin Katharina Schulze.
Kretzmann
Neuburg
"Ich bin ein stiller Bewunderer deiner Arbeit und ich habe selten solch einen Wahlkampf erlebt", sagte Norbert Mages zu Katharina Schulze in Bezug auf die bayerische Landtagswahl im Oktober. Die Grünen-Fraktionschefin sei erst kürzlich zurecht zur "besten Rednerin im Landtag" gekürt worden und er freue sich sehr, sie in Neuburg begrüßen zu dürfen. Im gleichen Atemzug erwähnte Mages, dass die Diskussionsrunde in der Ottheinrichstadt auch im Zeichen eines historischen Ereignisses stehe. "Wir feiern in diesen Tagen 100 Jahre Frauenwahlrecht in Bayern." Er freut sich, dass das Publikum so ausgeglichen sei, denn "nur die Hälfte der Macht gehört den Männern". Nachdem der Landratskandidat für den Kreis Neuburg-Schrobenhausen noch einmal einen Überblick über seine politischen Ziele im Zuge der anstehenden Wahl präsentierte (wir berichteten), übergab er das Wort schließlich an Schulze.


Das vergangene Jahr sei ein gutes für die Grünen gewesen, sagte die 33-Jährige. "Die positive Erzählung von einer guten Zukunft ist wieder ein Thema." Sie lobte den "Hammer-Wahlkampf" ihrer Partei sowie aller Beteiligten im Zuge der bayerischen Landtagswahl im Oktober. "Deswegen gehören die 17,6 Prozent uns allen." Doch wärmende Worte der Fraktionschefin gingen dabei nicht nur an ihre Parteikollegen auf allen politischen Ebenen, sondern auch an die zahlreichen Ehrenamtlichen, die "zu einem starken Bayern beitragen". "Unser Europa ist nur so gut, wie wir, die für dieses Europa kämpfen." Es brauche eine starke bayerische Identität sowie ein starkes Europa. Dennoch mahnte sie, dass es nicht reiche, Likes in Sozialen Netzwerken zu hinterlassen oder eine Petition zu unterschreiben. "Wir haben nur eine Erde, eine Gesellschaft und ein Europa und dafür müssen alle Menschen aktiv werden."

Kritik gab es von der 33-Jährigen hingegen für die schwarz-orange Koalition, wobei sie auf den jüngsten Hackerangriff auf Daten von zahlreichen deutschen Politikern und Prominenten verwies: "Ich frage mich, warum in Kavalleriepferde anstatt in IT-Experten investiert wird." Zudem sei mit Blick auf die Gleichberechtigung immer noch Luft nach oben und "ich bin begeistert, dass Norbert Mages hier eine Lanze für die Frauen bricht." Die Macht sei noch immer ungleich verteilt und "wir müssen dafür kämpfen, dass wir Frauenquote und Co. irgendwann nicht mehr brauchen".

Die anschließende Diskussionsrunde drehte sich dann um die verschiedensten Themen - von Stromtrassen, über die Wirtschaftspolitik in der Region, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs bis hin zur sozialen Gleichberechtigung. Ein Zuhörer wollte zudem wissen, wie die Menschen, die sozial benachteiligt sind, auch im Landkreis, besser wahrgenommen werden können. Schulze plädierte in ihrer Antwort für eine Kindergrundsicherung sowie mehr sozialen Wohnungsbau, ("Wir verschließen die Augen vor einer Realität, die falsch ist"), während Mages sich einen Armutsbericht für die Region wünscht, um mehr auf die Situation aufmerksam zu machen. Die Frage eines anderen Zuhörers richtete sich auch an das Image der Grünen. "Oft werden wir als Verbotspartei bezeichnet. Was können wir also auf Landes- und Kommunalebene machen, um dem entgegenzuwirken?", wollte er wissen. Die Fraktionschefin verwies dabei auf die Umfragergebnisse des aktuellen Bayerntrends. "Wir Grünen haben 21 Prozent und ich denke, dass der Bürger solch lächerliche Vorwürfe sehr schnell durchschaut." Früher habe sie sich auch über derartige Behauptungen aufgeregt, aber "heute lasse ich die Hunde bellen", sagte Schulze. "Wir sollten unsere eigene Geschichte erzählen und diese Vorwürfe ganz locker von uns abtropfen lassen."

Instagram-Gate: "Ich musste lachen"

Neuburg (krk) Entspannt unter der Sonne Kaliforniens mit einem leckeren Eis "richtig" in das neue Jahr starten ("Starting the year right").

Das war der Plan von Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze, den sie mit einem Foto auf ihrem Instagram-Profil demonstrierte. Doch mit diesem Beitrag löste die 33-Jährige eine Welle der Entrüstung aus. Denn die meisten Nutzer sahen auf dem Bild nicht den Eisbecher im kalifornischen Sonnenschein, sondern einen Plastikbecher, einen Plastiklöffel und den mit zwölf Stunden Flugzeit verbundenen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid.

In den Kommentaren hagelte es demnach Kritik und Schulze wurde die Vermittlung einer Doppelmoral vorgeworfen, da sie ein Verhalten an den Tag lege, von welchem sie andere eigentlich abhalten will. "Als Grünenpolitikerin sollte man sich schon überlegen, ob ein Langstreckenflug wirklich sein muss und ob es das Eis nicht auch in der Waffel gibt," kommentierte eine Internet-Nutzerin unter das Bild. Ein anderer warf der 33-Jährigen vor, "Wasser zu predigen und Wein zu trinken". Auch FDP-Fraktionschef Martin Hagen mischte sich in die Diskussion ein und lud ein Foto ins Netz, auf dem eine Bierflasche aus Glas zu sehen ist sowie eine verschneite Landschaft in Bayern. Dazu schrieb er ebenfalls "Starting the year right".

Schulzes erste Reaktion auf die Kritik war das Abschalten der Kommentarfunktion unter ihrem Foto. "Ich freue mich natürlich immer über Diskussion und Austausch, aber die Reaktionen waren irgendwann wirklich unter der Gürtellinie, das muss ich mir nicht geben", sagte sie nun gestern unserer Zeitung. Generell habe sie aber nur darauf gewartet, bis eine Welle der Entrüstung ausbreche. "Und über die Reaktion von Martin Hagen musste ich wirklich lachen. " Sie sei nach Kalifornien geflogen, um Freunde zu besuchen, nicht um einen Eisbecher mit Plastiklöffel zu genießen. "Wir müssen die Plastikflut eingrenzen und ich versuche es auch, so gut es geht im Alltag darauf zu verzichten", sagte sie. Aber es müssten generell die Rahmenbedingungen geändert werden, um das Problem zu bekämpfen. "Und ich ziehe meinen Hut vor all denjenigen, die komplett auf Plastik verzichten. "
Katrin Kretzmann
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