Dienstag, 16. Oktober 2018
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Kerstin und Sepp Egerer gestalten unterhaltsamen Karl-Valentin-Abend - zur Freude des Publikums

Nonsens oder höhere Logik?

Neuburg
erstellt am 14.05.2018 um 19:27 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (lm) Die markante Physiognomie ist schon sehr hilfreich. Die muss dem Original gar nicht ähnlich sein, was rasch auf eine billige Kopie hinausliefe. Und da war und bleibt Karl Valentin ein Unikat. Was freilich nicht heißen soll, dass Valentin ohne Valentin nicht funktioniert, man ihn heute nicht spielen könnte. Sepp und Kerstin Egerer tun es.
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Sepp und Kerstin Egerer auf den hintergründig gewitzten Spuren von Karl Valentin und Liesl Karlstadt.
Sepp und Kerstin Egerer auf den hintergründig gewitzten Spuren von Karl Valentin und Liesl Karlstadt.
Foto: Heumann
Neuburg
Der proppenvolle Rennbahn-Saal jedenfalls war rasch aus dem Häuschen. Selten mischt sich Nonsens mit überlegener Einsicht ins letztlich Unvermeidlich so sehr wie bei diesem Programm. Die Egerers haben dazu Valentin-Standards wie den Semmel-n-knödeln-Disput oder den nur schwerlich noch vor Abnutzungserscheinungen freizuhaltenden "Firmling" geschickt gewitzt mit weniger im Ohr Liegenden vermengt. Sie haben das Ganze zu einem ziemlich durchlaufenden Theaterabend verknüpft. Nun wird niemand ernstlich behaupten wollen, Sepp Egerer sähe aus wie Ludwig Frey, als solcher Karl Valentin in der Münchener Au geboren wurde. Aber das ist wie gesagt nur gut, jegliches Nachäffenwollen ginge sowieso in die Hose.

Egerer spielt denn auch nicht Valentin, sondern Texte von Karl Valentin. Die sind längst in ihrem literarischen Eigenwert erkannt. Da ließen sich noch ganz andere, weit entschiedenere Zugriffe im heutigen Theater denken, die Komik zum Wahnsinn verdichtet, dieser zu fatalistischem Existentialismus gesteigert, Nonsens als ultimative Lebenssinnfrage verstanden. Oder auch bei so viel Sinnlosigkeit dem puren Chaos nur noch frönen. Reizvoll könnte das eine wie das andere sein.

Einer, der wie Sepp Egerer sich seit Jahr und Tag so unerschrocken unentwegt über die Unabänderlichkeiten des Lebens in einer Kleinstadt aufregen kann, der so gern die Rolle der kleinen Leute mimt und dabei längst ganz schön bei den Großkopferten mitmischt, hat natürlich seinen ganz eigenen Zugang zu einem Querdenker wie Karl Valentin, der in beider Augen doch ganz im Gegenteil ein Haarscharf-Geradeausdenker war. Und so entdeckt man im Egererschen Familientheater die wunderbare, gelegentlich auch etwas wunderliche valentineske Totalvereinnahmung. Mit Michael Kettl als Gast im "Firmling" gibt's zudem eine nette Reminiszenz ans Valentin-Theater, das einst im Zettschen Hochzeitsstadel wie seine Spielstätte selbst längst Legende ist.

Wie es verwandtschaftliches Verbandeltsein so mit sich bringt, täte ein wenig mehr Distanz gelegentlich nicht schaden. Auch weiß eine wie Kerstin Egerer, die selbst schon wiederholt Regie geführt hat, wie segensreich selbiges Zutun fürs Theatergelingen sein kann.

Aber wenn dann der Zufall so wunderbar wieder reinspielt. Wie hingebungsvoll Sepp Egerer mit dem Kamm den Scheitel durch seine Glatze hinwinkelt - das ist kein Regiegag, das steht eins zu eins so im Text. Und das könnte niemand göttlicher spielen in dieser verzweifelten Unerbittlichkeit.
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