Sonntag, 20. Januar 2019
Lade Login-Box.

Linken-Abgeordnete Eva Bulling-Schröter besichtigt die Neuburger Asylbewerberunterkunft

Ortstermin mit Beigeschmack

Neuburg
erstellt am 10.03.2015 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:22 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter (Die Linke) war gestern für einen Rundgang in der Gemeinschaftsunterkunft. Medien durften erst im Anschluss dazustoßen, das hatte die Regierung so veranlasst.
Textgröße
Drucken
 



Neuburg: Ortstermin mit Beigeschmack
Eva Bulling-Schröter (rechts) hatte bei ihrer Besichtigung der ehemaligen Lassigny-Kaserne einige Fragen. - Foto: Zimmermann
Zimmermann
Neuburg

Erst ein-, dann wieder ausgeladen: Auf Geheiß der Regierung von Oberbayern fand die Besichtigung der ehemaligen Lassigny-Kaserne mit Eva Bulling-Schröter ohne die Öffentlichkeit statt. Die Bundestagsabgeordnete wollte sich in Neuburg ein Bild von den Zuständen der Gemeinschaftsunterkunft machen. Begleitet wurde sie von örtlichen Politikern, Vertretern der Regierung und Mitgliedern des Asyl-Vereins. Man wolle die Privatsphäre der Asylbewerber respektieren, so die Begründung der Regierung für den Ausschluss der Presse.

Dass sich die Flüchtlinge aber durchaus über mediale Präsenz gefreut hätten, zeigte sich nach dem Rundgang. Da nämlich versammelten sich in kürzester Zeit etliche Bewohner, die ihrem Ärger Luft machen wollten. Bulling-Schröter und Stefanie Weber, Regierungs-Bereichsleiterin für Asylfragen, waren noch lange im Gespräch mit den aufgebrachten Flüchtlingen.

„Es ist hier nach wie vor trostlos“, stellte Bulling-Schröter nach dem gut eineinhalbstündigen Rundgang fest. Sie hegte die Hoffnung, dass sich die Situation durch das zusätzliche Unterkunftsgebäude (wir berichteten) verbessern wird – vor allem für Familien. Aus den Gesprächen mit den Bewohnern hatte sie neben der Verbesserung der Wohnsituation vor allem zwei Anliegen herausgehört: „Es gab immer wieder die Frage nach Kindergartenplätzen. Außerdem wollen viele Asylbewerber öfter und länger Deutschunterricht haben. Hier muss die Bayerische Regierung mehr Geld in die Hand nehmen, stattdessen sind die Menschen hier zum Nichtstun verurteilt.“

Stefanie Weber versuchte indes, die Vorwürfe gegen die Unterkünfte aus der Welt zu schaffen: „Es gibt hier ausreichend Toiletten und Duschen. Wir haben in den letzten Jahren viel renoviert, wenn wir Schimmel gemeldet bekommen, dann entfernen wir den sofort.“ Kindergartenplätze und Deutschkurse fallen laut Weber klar in den Aufgabenbereich der Asyl-Sozialberatung. Die Regierung sieht sich hier also nicht in der Pflicht. Diese Angebote dürften nicht mehr länger die bloße Angelegenheit von Ehrenamtlichen sein, entgegnete Bulling-Schröter. Das Engagement der Neuburger Bürger hob sie besonders hervor. Es sei nicht selbstverständlich, dass sich so viele Menschen freiwillig für die Flüchtlinge einsetzen. „Ich würde mir außerdem wünschen, dass die Asylbewerber schneller Arbeitsgenehmigungen erhalten“, so die Linken-Politikerin. Die lange Dauer der Asylverfahren sei ein grundsätzliches Problem: „Es gibt hier Männer, die seit über zehn Jahren in der Unterkunft leben. Das hier ist ein Lager und irgendwann kriegt man einfach einen Lagerkoller, das ist ganz normal.“

Bulling-Schröter war 1975 erstmals in der Gemeinschaftsunterkunft, seitdem hat sich ihrer Meinung nach nicht viel verbessert. Stefanie Weber widersprach umgehend: „Im Bereich der sanitären Anlagen und der Duschen wurde unglaublich viel gemacht.“ Die Bewohner indes machten deutlich, was sie von der Regierung halten: „Diese Leute sind nicht da, um uns zu helfen, sie kommen immer nur, um zu sagen, dass hier alles in Ordnung ist“, hieß es immer wieder. Etliche klagten ihr Leid und schilderten ihre Notlage.

Von Philipp Zimmermann
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!