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Eva Zwacks neuestes Werk "Vergessene Räume" profitiert von Jörg Sachse

Vom Ein- zum Zweipersonenstück

Neuburg
erstellt am 14.03.2016 um 19:38 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:23 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) "Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr jung sein darf, aber auch noch nicht alt sein will." Eine Sekretärin der Schlossverwaltung, nicht mehr ganz taufrisch, mit 30-jährigem Gummibaum namens Maya, denkt am Heiligen Abend laut über ihr Leben nach. Soweit steht Eva Zwacks neuestes Werk "Vergessene Räume" die ersten 45 Minuten ganz in der Tradition ihrer Ein-Frau-Stücke.
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Neuburg: Vom Ein- zum Zweipersonenstück
Eva Zwack in ihrem neuen Stück "Vergessene Räume", zu sehen im Seminartheater. - Foto: Hammerl
Neuburg

Jörg Sachse, den sie sich als Mitautor und Mitspieler für die 15. Produktion des Neuburger Boulevardtheaters an Bord geholt hat, muss sich auf wenige Sätze beschränken.

Sie erzählt Maya von verpassten Gelegenheiten, telefoniert mit Freundin Dorit in London, die ihr von einem Serienmörder erzählt, erinnert sich an Anekdoten aus ihrer Kindheit. Der Kanarienvogel, den sie damals fliegen ließ und der im weihnachtlichen Schokopudding landete, gehört zu den wenigen Lachern, die der erste Akt für die Zuschauer im nicht ganz gefüllten Parkett des Seminartheaters bereithält. Ein wenig zäh geht der Neuburg-Krimi los, mit deutlichen Längen in den Monologen. Wirklich Angst um die Protagonistin hat der Zuschauer nicht, gleichwohl baut sich eine gewisse Spannung auf. Wann wird der Mörder aus den Tiefen der vergessenen Räume unter dem Schlossturm, in dem Amalie Dolorosa ihren Schlüssel sucht, um zwei Etagen tiefer aufs stille Örtchen gehen zu können, zu ihr hinaufsteigen? Und was hat er vor? Noch beschränkt er sich darauf, sein Kommen in Telefonanrufen mit unterdrückter Nummer anzukündigen, was sie zunächst nervt, dann aber zunehmend ängstigt.

Im Gegensatz zu ihr kann das Publikum Jörg Sachse sehen, der hinter durchbrochener Mauer zunächst spiegelbildlich zu ihr am Laptop sitzt und telefoniert, später an einer Schneiderpuppe ein Gewand näht. Was das Motiv für sein Treiben liefert - er braucht "schöne Haut" für Kundinnen in aller Welt, die daraus Kleider haben möchten. Die zweigeteilte Bühne bringt ein wenig Abwechslung ins Spiel. Die Polizei? Kann nicht kommen, weil der Kollege allein auf der Wache sitzt. Ein Taxi, das sie abholen und aus der Gefahrenzone bringen könnte? Dauert eine Stunde, weil alle mit Krankentransporten unterwegs sind. Und dann ist es plötzlich zu spät. "Schau her, jetzt bin ich da", sagt der Unheimliche, und steht schon in der Tür des Turmzimmers, der Vorhang fällt zur Pause.

Im zweiten Akt nimmt das Stück gewaltig an Fahrt auf. Das Publikum amüsiert sich köstlich über das Geplänkel zwischen den beiden Akteuren. Das Blatt hat sich komplett gewendet - wer Opfer und wer Täter ist, was im Turmzimmer tatsächlich passiert ist und was dahinter steckte, das erfährt der Zuschauer nun im amüsanten Rückblick, für den Sachse sein komödiantisches Talent voll auslebt. Jetzt hat sich "Vergessene Räume" tatsächlich zum Zweipersonenstück entwickelt und die knappe halbe Stunde des deutlich temporeicheren zweiten Teils vergeht wie im Flug.

Weitere Vorstellungen am Donnerstag, 17. März, und Freitag, 18. März, jeweils 20 Uhr im Theater des Studienseminars, Eingang Donauwörther Straße. Vorverkauf in der Perlenoase, Erwachsene zahlen 16 Euro, ermäßigt 14 Euro.

Von Andrea Hammerl
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