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"Hervorragende Bereitschaft" der Pädagogen zu Deutschunterricht und Mehrarbeit

Schulen meistern die Integration

Neuburg
erstellt am 25.02.2016 um 19:42 Uhr
aktualisiert am 03.08.2017 um 19:48 Uhr | x gelesen
Neuburg (r) Der Flüchtlingszustrom fordert auch die Lehrer und die Schulverwaltung: 92 Kinder ohne Deutschkenntnisse sind seit Herbst im Landkreis dazukommen. Somit kümmern sich die Pädagogen an den 26 Volksschulen derzeit um rund 1250 Kinder mit Migrationshintergrund oder Asylstatus.
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Neuburg: Schulen meistern die Integration
Über 1200 Buben und Mädchen mit Migrationshintergrund besuchen die 26 Volksschulen im Landkreis. Die Pädagogen nehmen die Integrationsarbeit laut Schulamt gerne an und widmen sich intensiv dem Deutschunterricht. - Foto: r
Neuburg

"Wir haben die Situation gut im Griff", versicherte Schulamtsdirektorin Ilse Stork gestern den Mitgliedern des Kreistages Neuburg-Schrobenhausen. Das Schulamt habe zusätzliche Lehrerstellen erwirkt, drei Pensionisten reaktiviert und Teilzeitstunden ausgeweitet. "Die Bereitschaft der Kollegen, die Mehrarbeit anzunehmen, ist hervorragend", sagte die Schulamtsdirektorin unter dem Beifall der Kreisräte.

Der Anteil der Flüchtlingskinder an den 5090 Buben und Mädchen in den 26 Grund- und Volksschulen des Kreises Neuburg-Schrobenhausen stellt also kein wirkliches Problem dar.

Besonders viele Flüchtlingskinder integrieren die Schulen in Aresing, Gachenbach, Schrobenhausen (Übergangsklasse) und Neuburg. Die Mittelschule Neuburg hat 56 Kinder zu unterrichten. Vor Weihnachten seien 40 Kinder in den Unterricht gekommen, davon seien 20 Analphabeten gewesen. Ehrenamtliche Kräfte erteilen ihnen nachmittags Unterricht in Deutsch. In der Neuburger Ostendschule zum Beispiel lernen 340 Kinder, von denen 59 Prozent Migrationshintergrund mitbringen - und es läuft gut in der Grundschule.

Nicht ganz so gut läuft es bei der Suche des Landratsamtes nach dezentralen Unterkünften für Flüchtlinge. Wohnraum wird dringend benötigt, ungeachtet der reduzierten Pflichtquote für Neuburg-Schrobenhausen. Derzeit hat der Landkreis wöchentlich 17 Flüchtlinge neu unterzubringen, mit einem Anstieg im Frühjahr ist zu rechnen.

Es handle sich nur um andere Zuteilungen, von einem Rückgang der Zahlen sei nicht auszugehen, sagt Landrat Roland Weigert, "von Entspannung kann nicht die Rede sein." Man habe ausgerechnet, dass auf Neuburg-Schrobenhausen etwa ein Promille der Ankömmlinge deutschlandweit entfallen - bei einer Million also 1000 Flüchtlinge.

Von 271 angebotenen Unterkünften seien bisher nur 29 angemietet worden. Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, dann könne man die Belegung von Schulturnhallen vermeiden. "Für mich ist diese Variante nur die allerletzte Lösung", so Landrat Weigert.

Die Erstaufnahmeeinrichtung in der früheren Lassignykaserne funktioniert gut, zuverlässige Dienstleister, so der Landrat, sorgten für geregelte Abläufe ohne große Eskalationen. Von 300 Flüchtlingen sind mittlerweile wieder 110 auf andere Landkreise verteilt worden. Deshalb sind bald Neuzuweisungen für die freien Plätze zu erwarten. Das Landratsamt will dazu sämtliche Räume nutzen und eingemietete Vereine und Musikbands anderweitig unterbringen. Die Einschaltung eines externen Betreibers für die Erstnotaufnahme sei geplant.

Bürgermeister Karl Seitle (Karlshuld) ärgert sich, dass übergeordnete Behörden die Standards in dieser Sondersituation nicht senken "und die Kommunen alleine lassen." So könnte man den Schlüssel für Kindergärten durchaus um zwei Kinder pro Gruppe anheben.

Von Winfried Rein
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