Dienstag, 18. Dezember 2018
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Jahresausstellung mit verschiedensten Werken und unterschiedlichsten Techniken im Rathausfletz eröffnet

Es menschelt beim Kunstkreis

Neuburg
erstellt am 10.09.2017 um 11:12 Uhr
aktualisiert am 14.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (ahl) Viele Porträts beziehungsweise Bilder mit Menschen, kaum Landschaften, einige abstrakte Werke, zwei Akte, einige Tierbilder und vier Skulpturen sind in der am Freitagabend eröffneten Jahresausstellung des Kunstkreises im Rathausfletz zu bewundern.
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Gefallen an dem Engel von Gerhard Brandl fanden Sissy Schafferhans (links) und Vicky Müller-Toùssa, während der jüngste Besucher, der erst zwei Monate alte Marvin, die Vernissage verschlief.
Gefallen an dem Engel von Gerhard Brandl fanden Sissy Schafferhans (links) und Vicky Müller-Toùssa, während der jüngste Besucher, der erst zwei Monate alte Marvin, die Vernissage verschlief.
Hammerl
Neuburg
36 Künstler stellen insgesamt 48 Exponate aus.

Mehr Platz gab es nicht, da der Fürstengang noch von der Ausstellung „Fürstenmacht und wahrer Glaube“ belegt wird. Dennoch freuten sich die Künstler, nach der Renovierung des Fletzes wieder am angestammten Ort ausstellen zu dürfen, wie Kunstkreisvorsitzender Andreas Meilinger anmerkte. Für ihn war es die erste Eröffnungsrede einer Jahresausstellung, und die nutzte er zu einem ebenso informativen wie kurzweiligen Exkurs in die Welt der Kunst, zu der er nicht nur die Bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst sowie neuerdings auch die Fotografie zählte, sondern auch Begriffe anführte, die sich mit Kunst kombinieren ließen, unter anderem Lebenskünstler, Kampfkunst, Baukunst, Beute- oder Raubkunst, Kunstflug, Kochkunst und natürlich die Kunstförderer. Solchen sah er sich gegenüber und wies die circa 50 Vernissagebesucher dezent darauf hin, dass sie die meisten Werke erwerben könnten.

Die einfachste Definition sei „Kunst kommt von Können!“, was die Kunstkreismitglieder mit der Ausstellung unter Beweis stellten. Erwartet hatten sie eigentlich den Oberbürgermeister zur Eröffnung, gekommen war Zweiter Bürgermeister Johann Habermeyer, der augenzwinkernd Annemarie Meilinger mit den Worten zitierte: „Egal, was wir auf die Einladung draufschreiben – es kommt immer der Herr Habermeyer“. Er betonte, „Kunst ist immer auch Ausdruck von Freiheit und politischer Kultur“, daher freue er sich, in Neuburg so eine aktive Kunstgesellschaft zu haben.

In der Ausstellung fällt die Vielfalt der Techniken auf. Acryl auf Leinwand dürfte mit rund einem Viertel der Exponate zwar immer noch vor Öl auf Leinwand das häufigste verwendete Material darstellen, doch mehr als die Hälfte der Werke verteilen sich auf Fotografie, Rosttechnik, Radierung, digitale Fotografie, digitale Malerei, Eitempera, Mischtechnik, Hinterglasmalerei und andere. Das auffälligste Exponat – schon aufgrund der Größe und fröhlichen Farbgebung – dürfte „Clown – verflogen“ von Dieter Bauer sein, der in Acryl auf Stoff einen leicht zerzaust wirkenden Clown gebannt hat, auf dessen Nase sich eine Fliege niedergelassen hat.

Erstmals zeigt Uwe Frömert Werke in einer Jahresausstellung. Sein gelbgrüner „Leopard 3“ und der rot-grau changierende „Bull Red“ sind als digitale Malerei am PC entstanden. Keine Hühner, sondern Watt-Wanderer trägt Elisabeth Jung bei, und der „Gietlhausener Kirschgeist“ von Josephine Psader entpuppt sich als Kirschen direkt vom Baum naschender Junge. Das einzige Aquarell stellt Waltraud Götz’ „Herbstgedanken“ dar, eine „Meerjungfrau“ hat Brigitte Mayer in Rosttechnik gut versteckt – sie zeigt sich erst beim genaueren Hinschauen. Lust auf Spätsommerfrische macht Karin Starks Werk „Genießen“, auf dem sich ein Pärchen entspannt zurücklehnt. Wenig zugänglich, da gefangen in ihrem engen Korsett aus Metallstreifen, zeigt sich „Giacca“, eine der drei Skulpturen von Hans Märkl. In ihrer übertriebenen Schlankheit erinnert sie an die Skulpturen des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti, von dem Märkl den Namen abgeleitet hat. Eher an die Loreley als an einen „Engel“ erinnert Gerhard Brandls weiße, vergleichsweise kleine Figur. Wer Christel Rietze fragt, warum ihr „Heranwachsender“ einigermaßen düster schaue, der bekommt die lächelnde Antwort: „Kennen Sie Heranwachsende? Der Junge ist 14, der schaut manchmal wild“.

Alle Werke sind 2017 entstanden, mit Ausnahme von Alois Bauers „Kugeln“, die aus dem Jahr 2012 stammen, als der zwischenzeitlich erkrankte Künstler von jener Technik fasziniert war und mit Schnüren sowie Acryl auf Stoff arbeitete.

Musikalisch gestaltete Anton Behringer die Vernissage mit Klavierwerken von Maurice Ravel, der Toccata von Aram Chatebotu und einer selbstkomponierten Improvisation.

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