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Der 76-Jährige erlag einem Krebsleiden Verdienste um Schloss Neuburg und Donaumoos

Ehrenbürger Richard Keßler gestorben

Neuburg
erstellt am 13.06.2016 um 19:20 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:25 Uhr | x gelesen
Neuburg (r) "Die Menschen müssen zusammenkommen." Das war sein Credo, und danach machte er Politik. Jetzt ist Richard Keßler gestorben. Der Altlandrat und Neuburger Ehrenbürger erlag in der Nacht zum Montag mit 76 Jahren einem Krebsleiden. Nicht nur die politische Welt in der Region trauert.
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Neuburg: Ehrenbürger Richard Keßler gestorben
Erinnerungen an Richard Keßler. In seinem Heimatort Ried war er ein beliebter Gesprächspartner, hier nach dem Kirchgang (oben links). Als Fürsprecher der Bauernschaft nahm er auch an Demonstrationen teil (oben rechts). Die Renaturierung der Donauauen war ihm ein Herzensanliegen, hier bei der Flutung in Grünau (links unten). Als junger Politiker kam er aus Wertingen nach Neuburg (rechts). - Fotos: r
Neuburg

Bei seinem 75. Geburtstag im Frühjahr 2015 war Richard Keßler noch guter Dinge. Eine Krebsdiagnose zum Jahreswechsel machte die Hoffnung auf einige schöne Jahre zunichte. Nach einer Operation im Klinikum Ingolstadt schien es aufwärts zu gehen, aber das Leiden kam zurück.

Ehefrau Irmgard und die Söhne Philipp und Martin - sein ganzer Stolz - blieben im Klinikum an seiner Seite. Sonntagabend verabschiedete sich die Familie. In der folgenden Nacht ist er eingeschlafen.

Richard Keßler war Berufspolitiker mit einem Faible für Geschichte. Fast 40 Jahre lang diente er als CSU-Landtagsabgeordneter und Landrat seiner Bürgerschaft. Etliche Antragsteller und Hilfesuchende können belegen, dass er Bürgernähe praktiziert und oft unbürokratisch geholfen hat. Manchen ist das erst nach seiner Amtsaufgabe 2008 richtig klargeworden.

Er lebte seinen christlichen Glauben und versuchte sein Handeln danach auszurichten. Als "schwäbischer Bauernbub", so seine eigene Einschätzung, begegnete ihm zeitig die Politik - der Vater war 24 Jahre lang Bürgermeister in Ehingen. Für den Stimmkreis Neuburg-Wertingen gewann Richard Keßler 1970 das Landtagsmandat für die CSU. Als die Gebietsreform und Neuburg nach Oberbayern kam, zählte der junge Abgeordnete zu den Kämpfern für eine "Dreier-Lösung" in der Region Ingolstadt. So entstand 1972 der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

1978 kandidierte Richard Keßler für die CSU als OB-Bewerber in Neuburg. Gegen den populären OB Theo Lauber konnte er nicht gewinnen. Als 1984 Landrat Walter Asam nicht mehr antrat, griff Richard Keßler zu und wurde neuer Landrat. So knapp die Wahl '84 ausgefallen war, so souverän ist er danach dreimal wiedergewählt worden. Eines kann man ihm auf keinen Fall nachsagen: Dass der Landrat, der in Neuburg-Ried wohnte, den Landkreissüden vernachlässigt hätte. "Ausgleichende Politik" nannte er seine Zielsetzung im Landratsamt.

Dem Donaumoos, den Auwäldern und der Neuburger Residenz galt seine besondere Zuneigung. In der sogenannten Moossanierung favorisierte er schon in den 80er-Jahren den Naturschutz als Schwerpunkt vor Landnutzung. 1996 entstand das Haus im Moos als Umweltbildungsstätte. Den Stellenwert der Donauauen spiegeln Auenzentrum und Aueninstitut Grünau wider. In jeder freien Minute fand man Richard Keßler im Schloss Grünau wieder, oder in seiner Schnödhofjagd am Bertoldsheimer Stausee. Als einen Höhepunkt bezeichnete er die Fertigstellung der Auenrenaturierung zwischen Bergheim und Ingolstadt mit dem damaligen Umweltminister Markus Söder. Richard Keßlers Kontakte in München halfen entscheidend bei der Sanierung des Neuburger Schlosses. Der frühere Finanzminister Kurt Faltlhauser entdeckte sein Herz für Neuburg und gab Gelder frei. Die bayerische Landesausstellung 2005 zum 500-jährigen Jubiläum des Fürstentums Pfalz-Neuburg holte das Schloss aus einem Dornröschenschlaf.

Richard Keßler hat die Bildungslandschaft in seinem Landkreis ausgebaut, Realschulen und beide Gymnasien erweitert, den Berufsschulstandort Schrobenhausen gesichert. Nebenbei fädelte er die Städtepartnerschaft mit dem südfranzösischen Sète ein. "Als Politiker brauchst du ein Projekt, für das man kämpfen muss", sagte der Ruheständler Richard Keßler. Der Kreistag verlieh ihm den Titel Altlandrat, die Stadt Neuburg machte ihn 2010 zum Ehrenbürger.

"Du hast in deiner Regentschaft im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen eine Infrastruktur mit Umweltschutz, Schulen und kurzen Behördenwegen anlegen lassen, von der die Bürger noch lange profitieren", gratulierte Horst Seehofer zum 75. Geburtstag.

Von Winfried Rein
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