Mittwoch, 12. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Entscheidung gefallen Gestern wurde das Personal der Neuburger Kliniken informiert Landkreis bleibt außen vor

Die KJF Augsburg übernimmt St. Elisabeth

Neuburg
erstellt am 09.01.2017 um 19:18 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:18 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Die Entscheidung ist gefallen: Die Neuburger Kliniken St. Elisabeth werden von der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg (KJF) übernommen. Die KJF wird alleiniger Gesellschafter, der Orden der Elisabethinerinnen zieht sich aus dem Geschäft zurück, bleibt aber in Neuburg.
Textgröße
Drucken
Neuburg: Die KJF Augsburg übernimmt St. Elisabeth
Das Neuburger Krankenhaus mit Ärztehäusern und Kinderklinik (rechts) wird künftig von der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg geführt. Darüber sind gestern die Mitarbeiter informiert worden. Der Betrieb soll kontinuierlich ohne Einschränkungen weitergehen. ‹ŒArch - foto: r
Neuburg

Überraschend kam die Nachricht nicht. Längst war die KJF, die neben dem Josefinum in Augsburg noch weitere Krankenhäuser sowie eine Fachakademie und Fachschulen betreibt (siehe eigenen Bericht), als ernsthafter Verhandlungspartner mit dem Orden der Elisabethinerinnen im Gespräch. Der Orden mit Generaloberin Maria Goretti Böck will sich aus dem Krankenhaus zurückziehen, bleibt aber weiterhin in Neuburg. Zwar hatte auch Landrat Roland Weigert (FW) den Hut in den Ring geworfen, um die Krankenhauslandschaft im Landkreis mit dem Kauf von St. Elisabeth zu stabilisieren und zukunftsfähiger zu machen, doch über ein Anklopfen an der Klosterpforte kam der Landkreischef nicht hinaus.

Nachdem die Entscheidung gefallen ist und der Gesellschafterwechsel voraussichtlich noch heuer im ersten Halbjahr erfolgen soll, wurde gestern das Personal der Kliniken informiert. "Wir werden ein Krankenhaus bleiben", baut Kliniken-Geschäftsführer Günter Strobl etwaigen Spekulationen vor, dass große Veränderungen zu erwarten seien. Er sieht die Zukunft des Hauses gesichert. Die KJF als kirchlicher Träger sei einer der Wunschpartner des Ordens gewesen und im Dezember sei die Entscheidung im Aufsichtsrat gefallen. Über das weitere Verfahren wurde Stillschweigen vereinbart, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch wie viele Millionen über den Verhandlungstisch gehen werden, bleibt vorerst das Geheimnis der Beteiligten. Der Aufsichtsrat der KJF hat ihren Vorstandsvorsitzenden Markus Mayer damit beauftragt, die Verträge auszuarbeiten.

Wie wurde die Nachricht von den 850 Mitarbeitern der Kliniken und den weiteren 100 der Service-GmbH und des medizinischen Versorgungszentrums gestern bei der Betriebsversammlung aufgenommen? Strobl: "Ich denke, die Mitarbeiter sind erleichtert, dass es eine Perspektive gibt." Der Schwebezustand der vergangenen Monate hat wohl Spekulationen ins Kraut schießen lassen und für Verunsicherung gesorgt. Die KJF versteht sich als "eines der größten Sozialunternehmen in Bayern" und beschäftigt etwa 4000 Mitarbeiter.

Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) nahm die Nachricht erleichtert auf. Die KJF sei eine "absolut seriöse Einrichtung, von christlichem Gedankengut beherrscht". Sie sei als neuer Träger keine schlechte Lösung, schätzt der Rathauschef. "Ich sehe das sehr positiv für die Kliniken."

Nachdem auch das Klinikum Ingolstadt Interesse an dem Ordenskrankenhaus angemeldet hatte, ist Gmehling nun erst recht glücklich, dass die KJF den Zuschlag bekommen hat. "Ich denke, alle Beteiligten sind froh, dass das mit Ingolstadt nichts geworden ist. Es war klug, dem nicht näher zu treten", spielt der OB auf mutmaßliche Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit dem Ingolstädter Haus an.

Die Absichten von Landrat Roland Weigert, St. Elisabeth zu erwerben, um dann gemeinsam mit dem Kreiskrankenhaus Schrobenhausen und dem Geriatriezentrum eine schlagkräftige Einheit zu bilden, die sich auf dem schwierigen Krankenhausmarkt besser behaupten könnte, waren nie Gmehlings Bestreben. "Man hätte eine Investitionslawine", befürchtete der OB. Auch ohne den Kauf der Kliniken habe der Landkreis genug zu investieren: einen Schulneubau, Umbauten an bestehenden Schulen, eine Brücke über die Donau bei Bertoldsheim. Gmehling sieht in diesem Zusammenhang die finanzielle Belastung für die Gemeinden über die Kreisumlage. Aus der Sicht des Oberbürgermeisters ist es besser, die Kliniken gehen an einen kirchlichen Träger über, der "beste medizinische Versorgung" verspreche, was eine riesengroße Aufgabe der Daseinsvorsorge sei. In diesem Zusammenhang dankt Gmehling auch den Elisabethinerinnen, die diese Aufgabe viele Jahrzehnte übernommen haben. "Für mich ist das in höchstem Maße positiv, und ich hoffe, dass es so bleibt."

Eine andere Sicht der Dinge hat hingegen Klaus Brems (FW), Krankenhausreferent im Kreistag: "Für mich ist es eine äußerst traurige Angelegenheit, dass der Orden das Haus nicht dem Landkreis gegeben hat. Er hat nicht einmal daran gedacht, mit dem Landrat das Gespräch zu suchen - erst als Weigert sich beim Orden angeboten hat." Der Landkreis sei für die Gesundheitsvorsorge zuständig und habe keine Möglichkeit bekommen, eine Symbiose zwischen Neuburg und dem Krankenhaus Schrobenhausen herbeizuführen, sagt Brems. "Ich finde das unverantwortlich vom Orden."

Mit weniger Drastik drückt es Landrat Roland Weigert aus: "Die Nachricht kam für mich nicht überraschend. Ich habe vermutet, dass das Vermögen der Kirche im Schoß der Kirche bleiben soll." Er selbst sei weder vom Orden noch von der KJF informiert worden. "Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten einen Kooperationsverbund auf kommunaler Ebene und dann regional einen mit Eichstätt, Ingolstadt und Pfaffenhofen, um die Strukturen für unsere Bürger wohnortnah sicherzustellen", sagt er. "Was die Zukunft bringt, wird sich weisen. Ich gehe davon aus, dass endlich einer der Akteure mit dem Kreis das Gespräch sucht."

Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan, stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen, kämpft um seine Einrichtung. Er hätte eine Zusammenführung mit den Kliniken St. Elisabeth begrüßt. "Dass die Entscheidung jetzt so ist, muss ich zur Kenntnis nehmen. "Das Positive daran ist, dass diese leidige Hängepartie nun vorbei ist", sagte Stephan.

Von K. P. Frank
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!