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FW-Starkbierfest thematisiert Neuburgs Wachstum

Lokalpolitik im Rotlichtmilieu

Neuburg
erstellt am 11.03.2018 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Auf Bordellbesichtigungstour haben die Freien Wähler Neuburger Lokalpolitiker und Journalisten im Singspiel des 33. Starkbierfestes geschickt. Fastenprediger Sepp Egerer schlüpfte in die Rolle des "traurigsten Zirkusdirektors aller Zeiten", dessen politische Artisten nicht auf ihn hören.
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Neuburg: Lokalpolitik im Rotlichtmilieu
Schon zum Anstich des Starkbierfests der Freien Wähler herrschte gute Laune, als Veranstalter und Ehrengäste die Krüge hoben. - Fotos: Hammerl
Neuburg

Kein Wunder, dass im "Zirkus Bohne" (bläht und produziert nur heiße Luft) alles so weiterläuft, das Publikum sich beschwert und aus Protest die AfD als drittstärkste Fraktion in den Bundestag wählt. Dem Wählerdrittel in Neuburg, dem hätt der Sepp ja am liebsten die allererste Zitrone zum Zuzeln gegeben, doch erstens meldete sich keiner, zweitens "hätt eine Zitrone für ein Drittel Publikum des Maul net sauer gemacht". Also mussten Landrat Roland Weigert, Max Rucker und Bernhard Pfahler dran glauben. Der Landrat dafür, dass er als bestes Pferd - oder besser gesagt Hund - im Stall des Zirkusdirektors diesem das Herz gebrochen hat und den Zirkus verlassen will - keine "Feuerreifensprünge, keine Balanceakte durch den Verwaltungsdschungel und keine Gladiatorenkämpfe mit dem Neuburger Oberhaupt" mehr. Ob der andere Zirkus mehr zahlt, oder ihm die Realschulgeschichte zu sandig wurde? Damit die FW nicht mit "Mr. Nobody Grünschnabel aus Rennertshofen" ins Landratsrennen gehen müssen, schlägt Egerer einen neuen Ringtausch vor - Hubsi Aiwanger gegen Weigert, der dann der Platzhirsch in München wäre.

Fotostrecke: Starkbierfest der Freien Wähler in Neuburg

Zum Zitronensaft gab's für den Noch-Landrat einen echten Egerer - die Collage eines Landratshundes, die Weigert natürlich bezahlen musste. Rucker, der "nur zuckt und lacht", aber im Stadtrat nichts sage, erhielt genau dafür Zitrone Nummer zwei und den Tipp, zum "Stadtrat Heckl, dem Fotzenspangler" zu gehen, der seine Kiefersperre lösen könnte. Der Verkehrsreferent bekam Saures für mangelnde Bürgerinformation über Baustellen und Straßensperrungen, an denen natürlich auch die Stadtwerke schuld seien, die ins über die 30 000er-Marke wachsende Neuburg investieren. Womit Bordellgröße erreicht wäre.

Das mussten sich Politiker und Journalisten natürlich näher ansehen und so machte sich im Singspiel "Lokaltermin" der OB (Peter von der Grün) mit Johann Habermeyer (Roland Harsch), Rüdiger Vogt (mit Leiter: Sepp Egerer), Bernd Pfahler (Anita Kerner), Klaus Babel (einmal fast nackert hinter der Riesenkrawatte: Bernd Pfahler), Elfriede Müller (Luise Ilchmann), Doris Stöckl (giggelnd: Martina Kornreiter) und Anita Kerner (kämpferisch gegenüber dem OB: Kerstin Egerer) begleitet vom Journalistentross beider Neuburger Zeitungen (Wolfgang Köhler und Diana Strassburg sowie Florian Herold und Melanie Bauer) und einem Videojournalisten (der Top-Gag des Abends: Vicky Müller-Toussa) auf ins Etablissement der Sissy Schafferhans. Diese begrüßte die Gäste aus dem "moralischen Neuburg" mit vielsagendem Blick und versprach auch Einblicke hinter verschlossene Türen. Erstaunlicherweise waren es die Stadträtinnen, die sich für ein Bordell engagierten - zwecks Entlastung der Frauen.

Das Zwischenspiel mit Schafferhans, Waldemar Foh als schweigendem und kauendem Wirtshausgast sowie Strassburg und Köhler spielte in der Traube, die Baringer Blaskapelle spielte zünftig auf und kurbelte den Starkbierumsatz mit dem einen oder anderen Prosit an.

Was sonst noch los war in Neuburg? Der Fastenprediger erzählte von "Würstelschlacht und Aberglaube - einem Thiele-und-Teichmann-Event erster Klasse" mit Horst Seehofer, dem bayerischen Löwen, der zum Oachkatzl ohne Schwoaf wurde -, nannte die Schlossfest-Sicherheitsbestimmungen eine "Clownsnummer sondergleichen", meinte ironisch, die Sicherheitswacht brauche es gewiss, die zweite Donaubrücke dagegen nicht. Dann gab es noch Panik-Wasserkäufe, "weil eine einzige Muckn ins Wasserreservoir gefallen war", eine Neuburger Bank, die nun in Oberhausen Gewerbesteuer zahlt und einen brennenden Tanklaster, der von Neuburg nach Schrobenhausen geschickt worden war, aber leider wieder rausfuhr. Egerer prophezeite, "Drehleierspieler Bernhard Gmehling" orientiere sich nun an Söder und werde die Semmeltaste in "Weggla-Dasde" umbenennen. Schließlich fragte er sich, ob der OB mit nur noch einer eigenen Hüfte lieber auf seinem Posten sitzen bleiben werde als seine erfüllten Versorgungsansprüche zu genießen und bot sich zwischenzeitlich selbst als potenziellen Nachfolgekandidaten an, um letztlich zu beschließen: "Ich bleibe Kabarettist."

Von Andrea Hammerl
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