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Neuburger Volkstheater überzeugt mit "Die drei Eisbären" Beste Voraussetzungen für Festival

Charmante Neuauflage eines Kultstücks

Neuburg
erstellt am 21.05.2017 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 25.05.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Ein Kultstück, eigentlich längst aus der Zeit gefallen - und doch "Die drei Eisbären" in der Inszenierung des Neuburger Volkstheaters bringen es voll. Zwei Stunden herzhafte Unterhaltung, jede Menge Situationskomik, urkomisches Mienenspiel der Akteure und ein urbayerischer Text, der sich oft auf das Wesentliche, manchmal nur ein einzelnes Wort reduziert und damit beredter ist als jeder Redeschwall. "Wer ist der Bauer", fragt die junge Magd Maralen (Carina Mayr) die drei eingefleischten Junggesellen auf dem Haldeneggerhof, die sich geschworen haben, "beieinander zu bleiben" und den abgelegenen Bergbauernhof gemeinsam zu bewirtschaften. Was nur funktioniert, wenn keiner heiratet, denn "sonst gibt's hier einen Bauern und zwei Knechte". Die Antwort auf Maralens Frage lautet schlicht "der" und kommt aus drei Mündern gleichzeitig. Jürgen Zimmermann als Peter, Noppo Heine als Pauli und René Schmager als Nachzügler Juliander strecken gleichzeitig die Arme aus und zeigen in wildem Durcheinander auf die jeweils beiden anderen.
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Neuburg: Charmante Neuauflage eines Kultstücks
Da schmelzen die Herzen: Juliander (René Schmager, v.l.), der schüchternste der drei Eisbären hat sich in Maralen (Carina Mayr) verliebt. Dem Glück muss sie allerdings kräftig nachhelfen. Beim Anblick des Findelkinds erwachen auch bei Peter (Jürgen Zimmermann) und Paulie (Noppo Heine) die Gefühle. - Fotos: Hammerl
Neuburg

Dass die junge Magd überhaupt auf den Hof gekommen ist, ist dem kleinen Wuzerl zu verdanken, das die drei in einer stürmischen Gewitternacht vor ihrer Tür gefunden haben. Und der guten Idee des Pfarrers, der ihnen das Findelkind nicht wie erwartet abnimmt, sondern die junge Magd auf den Hof schickt. Mit dem Einstand der fleißigen und bescheidenen Maralen ändert sich so einiges dort. Sogar das Herz der grantelnden alten Haushälterin Veronika (Paraderolle für Annelies Zellner) erobert das Mädel im Nu. Ganz zu schweigen von den verwahrlosten Männern, die plötzlich nach ihrem (einzigen und offenbar gemeinsamen) Rasiermesser suchen. Und nicht nur um Maralen herumschwänzeln, sondern sich plötzlich auch Kampfhahnmanieren zulegen. Herrlich komisch die Szene zwischen Zimmermann und Heine, die sich mit Rasiercreme eingeschäumt gegenüberstehen - wie jene beiden Herren in der Badewanne in Loriots berühmten Sketch. Nur Juliander hält sich zurück und himmelt Maralen lediglich aus der Ferne an.

Legendär die Wassersuppe, die Juliander und Pauli aus Waschwasser, kiloweise Salz und Eiern samt Schale zusammenbrauen, herrlich die keifende Veronika, die trotz ihres wehen Knies das Regime auf dem Hof nicht so leicht abgeben will, und Maralens beredte Mimik, wenn sie sich der Annäherungsversuche der - aus ihrer Sicht - falschen Verehrer erwehren muss, während der Richtige die Zähne nicht auseinanderbringt. Einen kurzen, aber wirkungsvollen Auftritt legt Daniela Zimmermann hin, die als Haslocherin, eine reiche Witwe, auf den Hof einheiraten will. Als Heiratsvermittler betätigt sich Girgl Anthuber, gespielt von Hans Wöhrl.

Im Vergleich zum deutlich langsameren Vorbild des Komödienstadels von 1961 hat die Inszenierung von Florian Schmidt wesentlich mehr Schwung, die drei Hauptdarsteller drehen in Mimik und Gestik ebenfalls auf, halten aber die Grenzen zum Klamauk gekonnt ein. Beste Voraussetzungen also, um die bayerischen Volkstheater beim Wurzelwerk Festival in Schleswig würdig zu vertreten. Das Neuburger Volkstheater wird heuer als Vertreter der 600 bayerischen Volksbühnen dorthin fahren, das Stück wurde auf Wunsch der Veranstalter ausgewählt, nachdem der Brandner Kasper aus personellen Gründen nicht gespielt werden konnte. Offenbar eine gute Wahl. Dem Premierenpublikum in der Box 15, die nach dem Umbau in ein entzückendes, uriges kleines Theater ebenfalls Premiere feierte, hat "Die drei Eisbären" jedenfalls bestens gefallen, was sich nicht nur in herzhaften Lachern und Szenenapplaus ausdrückt, sondern auch Jubelrufen und kräftigem Applaus am Ende.

Von Andrea Hammerl
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