Sonntag, 16. Dezember 2018
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Windkraft polarisiert

Nachgefragt: Das sagen die Landratskandidaten zum Thema

Neuburg
erstellt am 07.12.2018 um 18:19 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Seit Jahren entstehen im Landkreis keine neuen Windkraftanlagen, unter anderem wegen der 10-H-Regelung. Folgende Fragen wurden den Kandidaten gestellt.
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  • Wie stehen Sie dazu?
 
  • Es gibt bereits viele Energiekonzepte aus unterschiedlichen Bereichen. Können Sie sich eine sektorenübergreifende Zusammenführung vorstellen?
 
  • Für öffentliche Liegenschaften gibt es Möglichkeiten zur nachhaltigen und innovativen Energieversorgung. Wie sieht Ihr Konzept beispielsweise für die Berufsschule aus?
 
  • Für den Landkreis gibt es bereits ein Konzept für Elektromobilität. Ist dieser Weg in Ihren Augen sinnvoll?

Norbert Mages (Grüne)

 
Janda, Stefan, Ingolstadt
Neuburg
Seit diesem Sommer wissen wir: Der Klimawandel betrifft uns alle hautnah. Die Trockenheit führte zu Dürreschäden von zirka zwei Milliarden Euro. Der Güterverkehr auf dem Rhein brach ein. Aber: CSU und FW halten stur an der 10-H-Regel fest. Das ist unklug.

Tipp: Zeichnen Sie 100-Euro-Anteile an den geplanten Windrädern der Bürgerenergiegenossenschaft SOB, und Sie tun Gutes für die Zukunft Ihrer Kinder. Wir bräuchten in allen Landratsämtern schnell eine Stabstelle Wirtschaft und Klimaschutz. Denn: Kein wirtschaftlicher Wohlstand ohne eine gesunde Umwelt. Bitte denken Sie daran, wenn Sie in der Weihnachtspost "vor allem Gesundheit" wünschen. Ich beteilige mich seit Jahren finanziell an Solar-, Wind- und Kleinwasser-Kraftwerken sowie Speichertechnik. Mir reicht eine Rendite von zwei bis vier Prozent.

Wärmeversorgung: Nahwärme, Solarwärme, Erdwärme oder eine Kombi von allen. Strom: Eigenstromversorgung mit Solarpaneelen auf den Dächern und/oder auf anliegenden Grundstücken, Kauf von Ökostrom; Blockheizkraftwerk liefert Strom und Wärme. Ziel: Eine effiziente, nachhaltige und kostengünstige Versorgung muss gewährleistet sein. Welche Kombi am günstigsten ist, müsste durchgerechnet werden.

Das Fazit des Gutachtens, dass wir ein Anreizsystem für Elektro-Tankstellen brauchen, ist richtig. Ziel im grün regierten Baden-Württemberg bis 2021: E-Tankstellen im 10-Kilometer-Umkreis. Die GroKo wird das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straße zu bringen, verfehlen. Bis jetzt nur 53.681 E-Autos (Stand 2018). Der E-Auto-Kauf muss von Bund und Industrie gefördert werden.

Werner Widuckel (SPD)

 
Janda, Stefan, Ingolstadt
Neuburg
Die 10 H-Regelung ist ein falsches Signal.Es ist möglich, Windkraftanlagen unterhalb von 10 H zu errichten, ohne Menschen zu schädigen. Ohne Windenergie ist der Klimawandel nicht zu stoppen. Der beste Weg hierzu ist die Bürgerenergie, damit wir Bürgerinnen und Bürger bestimmen, wo und wie Energie produziert wird, und ein großer Teil der Wertschöpfung in unserer Region entsteht.

Die Zusammenführung von Strom und Wärme ist unverzichtbar. Hierzu benötigen wir bessere und effektivere Speicher und "Power-to-Gas"-Technologien. Hiermit wird Energie gespeichert und kann als Strom oder Wärme verbraucht werden. Zusätzlich wäre auch die Nutzung als elektrische Energie für den Verkehr möglich. Diese Flexibilität reduziert Kosten und erhöht die Versorgungssicherheit der Energiewende.

Für die Berufsschule würde ich untersuchen: a) Möglichkeiten der verbesserten Dämmung, b) Einsatz von Photovoltaik und Speicher, c) Effektivität der Stromverbraucher (Licht, Maschinen), d) Heizungstechnologie (Wärmepumpen, Anschluss an Netze, eventuell ein Blockheizkaftwerk im Verbund mit Nachbarn), e) Lüftungskonzept gegen Energieverluste. Lehrerkollegium und Schüler müssten einbezogen werden.

Die Möglichkeiten des Landkreises sind begrenzt. Wir brauchen einen integrierten Ansatz: Elektrofahrzeuge dürfen nicht durch Kohlestrom angetrieben werden, sondern benötigen saubere und ausreichend verfügbare Energie. Hinzukommen muss eine Verkehrswende. Hierzu benötigen sauber angetriebene und attraktive Busse und Bahnen. Das kostet Geld, aber wachsende Staus sind ebenfalls sehr teuer.

Fridolin Gössl (CSU)

 
Schneider, Marco, Eichstätt
Neuburg
Bedingt durch die Topographie und durch die Bedürfnisse des Flugverkehrs sind kaum Standorte umsetzbar.Der Natur- und Artenschutz muss beachtet werden. Die Errichtung von Windrädern ist nur "mit dem Bürger" möglich, das heißt, sie müssen die Aufstellung akzeptieren. Der technische Fortschritt sollte genutzt werden. Effizientere Windkraftanlagen können die geringere Anzahl an Anlagen kompensieren.

Eine sektorenübergreifende Energieversorgung ist wünschenswert. Sie stellt eine Dekarbonisierungsoption neben Energieeffizienzsteigerungen und der direkten Nutzung erneuerbarer Energien dar. Sie ist ein Beitrag zur Energiewende, wenn effizienter Einsatz von EE-Strom fossile Energieträger ersetzt. Der Aufbau eines Smart-Grids würde die Durchlässigkeit der Energieversorgung erhöhen. Für die Berufsschule ist eine gemeinsame Heizzentrale mit dem Wohnheim sinnvoll. Nach dem Grundsatz "Efficiency first" muss der Energieverbrauch auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden. Der entsprechende Energiebedarf ist CO2-neutral zu erzeugen und überschüssige Energie zu speichern. Eine Substitution von Stromerzeugung durch den fossilen Energieträger Braunkohle ist nicht erstrebenswert. Das

Landkreiskonzept für Elektromobilität ist ein guter Anfang und sollte entsprechend der tatsächlichen zukünftigen Entwicklungen fortgeschrieben und umgesetzt werden. Die Schaffung der optimalen Ladeinfrastruktur für alle Arten der e-Mobilität ist vorrangiges Ziel. Bei der Planung und Erschließung von Gewerbe- und Wohngebieten empfiehlt es sich, entsprechende Ladestationen vorzusehen.


Peter von der Grün (FW)

 
Janda, Stefan, Ingolstadt
Neuburg
Unser Landkreis ist aufgrund der Topographie von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen für die Windkraftnutzung eher ungeeignet. Im Übrigen muss stets darauf geachtet werden, dass durch Windkraftanlagen keine unzumutbare gesundheitliche Belastung der Anwohner durch tieffrequenten Hör- und Infraschall entsteht.

Eine sektorenübergreifende Zusammenführung ist notwendig. Ich vertrete die Auffassung, dass eine dezentrale Energiewende unter Verwendung regenerativer Quellen (bei uns vor allem Photovoltaik, Solarthermie und Geothermie) nötig ist, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt. Dann brauchen wir keine Stromtrassen aus dem Norden, die aus Umwelt- und Kostengründen abzulehnen sind. Der Landkreis kann und muss die nachhaltige und innovative Energieversorgung fördern, solange es wirtschaftlich vertretbar ist. Am Schulcampus Neuburg-Bittenbrunn bin ich für eine lokale Energie- und Wärmeversorgung (BHKW) mit Nahwärmenetz mittels einer Verknüpfung von oberflächennaher Geothermie und einer PV-Anlage. Im Kreistag habe ich an dieser Thematik im Detail mitgearbeitet.

Elektromobilität (auch als Hybridtechnologie) ist vor allem in den Städten, mit der Erhöhung der Reichweiten aber auch im ländlichen Raum, ein wichtiger Teil im Mobilitäts-Mix. Auch Benzin- und Dieselmotoren werden in den nächsten Jahren weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Mittelfristig wird die Entwicklung aus meiner Sicht jedoch zu Antrieben mit Wasserstoff und Brennstoffzellen gehen. Foto: Janda
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