Dienstag, 21. August 2018
Lade Login-Box.

Neue Ausstellung im Haus im Moos in Kleinhohenried zeigt die Zusammenhänge

"Moorschutz ist aktiver Klimaschutz"

Kleinhohenried
erstellt am 12.06.2018 um 19:44 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kleinhohenried (DK) "Das Moos ist ein Raum zum Verlieben auf den zweiten Blick", sagte Landrat Roland Weigert, selbst ein - zugezogener - Mösler, bei der Eröffnung der Doppelausstellung im Haus im Moos.
Textgröße
Drucken
Die Arbeit des Donaumoos-Zweckverbands stellte Michael Hafner vor. Grundlage ist das von 2000 bis 2030 geltende Entwicklungskonzept.
Die Arbeit des Donaumoos-Zweckverbands stellte Michael Hafner vor. Grundlage ist das von 2000 bis 2030 geltende Entwicklungskonzept.
Foto: Hofmann
Kleinhohenried
Zu sehen ist dort bis 21. August, was ein Moorgebiet ausmacht - und was der Donaumoos-Zweckverband unternimmt, um den einzigartigen Naturraum zu bewahren.

"Die Erhaltung eines Niedermoores ist nicht so einfach", sagte Pankraz Wechselberger, der Leiter der Umweltbildungsstätte. Denn der Erhalt ist, wie die Ausstellung zeigt, mit einer Vernässung verbunden, der Menschen, die dort wohnen, und Landwirte, die Flächen bewirtschaften, oft skeptisch gegenüberstehen. "Ein Posten in der Donaumoosentwicklung ist auch eine nachhaltige Landwirtschaft", stellte Wechselberger deshalb klar.

Michael Hafner vom Donaumoos-Zweckverband kennt die Schwierigkeiten, die Interessen von Naturschützern, Landwirten, Donaumoosbewohnern und Politikern unter einen Hut zu bringen, nur zu gut. "Das Donaumoos wurde erschlossen, um Nahrungsmittel anzubauen", weiß er. Heute allerdings liege nicht mehr nur die Massenproduktion im Fokus - die Menschen wollten gesunde Produkte und auch den Klimaschutz.

Wichtigste Grundlage der Arbeit im Zweckverband ist noch immer das "Entwicklungskonzept Donaumoos 2000 bis 2030", dem der eine Teil der Ausstellung gewidmet ist. Mit diesem Konzept hat man sich im Donaumoos ein Leitbild gegeben und vier Ziele benannt, die die künftige Entwicklung bestimmen sollen: Hochwasserschutz, Torfkörperschutz, Arten- und Biotopschutz sowie landwirtschaftliche Nutzung.

Diese Ziele habe man, wie Landrat Roland Weigert eingestand, quantitativ nicht erreicht. Qualitativ sehe es aber ganz anders aus. Weigert erklärte das am Beispiel der Hochwasserrückhalteräume: Nach mehr als der Hälfte der Laufzeit des Entwicklungskonzepts gebe es gerade mal sechs von 54 vorgesehenen Becken. Doch diese sechs Becken seien Vorzeigeobjekte. Beispiel Baierner Flecken bei Hollenbach: "Hier sind die vier Ziele vereint", sagte Hafner: Aus einer ehemaligen Agrarfläche sei eine strukturreiche Landschaft entstanden, die Hochwasser zurückhält und beweidet, also landwirtschaftlich genutzt werde. Und sie biete unzähligen Lebewesen eine Heimat. Hier habe es, ergänzte Weigert, "eine Artenexplosion, wie man sich das kaum vorstellen kann", gegeben.

"Moorschutz ist aktiver Klimaschutz", sagte Hafner. Warum das so ist, zeigt die zweite Teilausstellung, die den Titel "Faszination Moor" trägt und vom Landesamt für Umwelt gestaltet wurde. "Es ist die beste Wanderausstellung die es gibt zum Thema Moore", schwärmte Wechselberger - weil sie leicht zu verstehen sei und man weder Abitur noch Studium benötige, um die komplexe Materie zu verstehen. Auf Stellwänden können die Besucher zum Beispiel lesen, dass von den einst 220000 Hektar Moorboden in Bayern mittlerweile 95 Prozent trockengelegt sind oder dass Moore gute Wasserspeicher sind und somit für den Hochwasserschutz wichtig. Zudem speichern sie immense Mengen Kohlendioxid, die bei der Trockenlegung freigesetzt werden. "Uns ist bewusst: Das Donaumoos verliert 400000 Tonnen CO2 pro Jahr", sagte Hafner.

Um diesen Schwund - der übrigens am Donaumoospegel in Ludwigsmoos eindrucksvoll dargestellt wird - zu stoppen, müsste der Wasserstand bis nahe an die Geländeoberfläche erhöht werden, sagte Michael Winterholler vom LfU. Hier sei ein Umdenken in der Landwirtschaft erforderlich. Noch immer würden aber in Bayern Millionenbeträge an Förderung für klimaschädliche Nutzungen in Moorgebieten ausgezahlt.
Bernd Hofmann
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!