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Jurastudent Ilia Choukhlov gibt Neuburger Mittelschülern Einblicke in das jüdische Leben

Miteinander statt übereinander reden

Neuburg
erstellt am 23.07.2018 um 18:41 Uhr
aktualisiert am 27.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) " Rent a Jew", zu Deutsch "Einen Juden mieten" - was sich etwas seltsam anhört, ist eine Initiative der Europäischen Janus-Korczak-Akademie, die Begegnungen zwischen Juden und Nicht-Juden vermittelt.
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Alltag, Religion und Bräuche: Jurastudent Ilia Choukhlov informierte die Schüler über das Leben als Jude.
Alltag, Religion und Bräuche: Jurastudent Ilia Choukhlov informierte die Schüler über das Leben als Jude.
Foto: Sax
Neuburg
Eine solche Gelegenheit erhielt jetzt die Klasse 8a der Mittelschule Neuburg auf Initiative ihrer Lehrerin Maria Sax .

Der Jurastudent Ilia Choukhlov aus Erlangen schaffte es mit seiner lockeren, temperamentvollen Art im Handumdrehen, die Schüler in seinen Bann zu ziehen. Er erzählte nicht nur von seiner eigenen Geschichte, sondern forderte die Schüler und Schülerinnen auf, ihm Fragen zu stellen, was diese so ausgiebig taten, dass drei Schulstunden kaum ausreichten.

Das Alltagsleben, typische Bräuche, Feiertage, Religionsausübung, Geschichte des Staates Israel - all diese Themen wurden besprochen und die Schüler erfuhren dabei viele interessante neue Details, zum Beispiel dass orthodoxe Juden am Sabbat kein Licht, keinen Fernseher und kein Radio einschalten. Auch Handy und Compter sind tabu. Als es um Essensvorschriften ging, meinte ein muslimischer Schüler: "Das ist ja wie bei uns! " "Halal" und "koscher" ähneln sich sehr, unter anderem beim Verbot, Schweinefleisch zu essen und bei der Art der Schlachtung der Tiere.

Dies war auch ein Ziel dieser Veranstaltung, Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Religionen herauszustellen und so Versöhnung zu schaffen. Choukhlov verdeutlichte das so: "Moslems und Juden sind wie Cousin und Cousine. " Er selbst sei nicht sehr religiös, gehe nur manchmal in die Synagoge und führe ansonsten ein ganz normales Leben. Doch das werde in Deutschland immer schwieriger. Er erzählte, dass er fast täglich über das Internet beschimpft und bedroht wird. Viele Juden trauen sich nicht mehr, auf der Straße die "Kippa", ihre typische Kopfbedeckung, zu tragen, weil sie Angst haben, angefeindet zu werden. Woher dieser Hass kommt, kann er sich nicht erklären, zumal in Deutschland nur 100000 Juden leben, auf der ganzen Welt insgesamt 15 Millionen.

Ganz still wurde es in dem Moment, als Ilia erzählte, dass seine Großtante, die in Paris lebte, beim Holocaust umgekommen sei: "Ihr letzter Aufenthaltsort war Ausschwitz-Birkenau. " Auch sein Großvater ist auf grausamste Weise ermordet worden.

Witze oder dumme Sprüche über Juden, wie sie immer wieder auf den Schulhöfen oder im Internet kursieren, seien der Anfang davon, jemanden auszugrenzen. Und Ausgrenzung habe schon einmal zur Katastrophe geführt.

Mit diesen mahnenden Worten beendete Ilia Choukhrov die Veranstaltung, die das Ziel des Projektes erreicht hat: Miteinander statt übereinander zu reden, Fragen auf beiden Seiten zu beantworten und Vorurteile abzubauen.
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