Sonntag, 15. Juli 2018
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Amateurtheatertruppe begeistert mit "5 im gleichen Kleid" das Publikum

Mimenfeld gelingt ein Volltreffer

Rödenhof
erstellt am 15.04.2018 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 19.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Rödenhof (DK) Das ist ganz großes Theater, was die Amateure der Neuburger Theatergruppe Mimenfeld mit "5 im gleichen Kleid" zeigen und dabei Profis in Nichts nachstehen. Der Zweiakter des amerikanischen Drehbuchautors Alan Ball reißt mit, berührt, amüsiert, provoziert und regt zum Nachdenken an.
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Fotos: Hammerl
Rödenhof
Fünf ganz unterschiedliche Frauen fliehen aus unterschiedlichen Beweggründen vom Hochzeitsempfang der Braut Tracy, die sie als Brautjungfern engagiert hat, aufs Zimmer der Brautschwester Meredith. Es kommt zu urkomischen, aber irgendwie doch noch glaubwürdigen Situationen, wenn sich beispielsweise Frances (Patrizia Flierl) unter dem alles dominierenden Himmelbett versteckt. Denn Meredith (Ulrike Bock) hat das Zimmer betreten, bevor Francis deren vermeintliches Diamantarmband wieder in die Schmuckschatulle zurücklegen kann. Meredith aber sucht nach einem Joint, nicht nach dem Armband.

In wechselnden Konstellationen, meist zu zweit oder zu dritt, entwickeln sich Gespräche, mal eher oberflächliche Konversation, mal lästern die Frauen über das Brautpaar oder dessen Gäste, mitunter aber geben die Protagonistinnen auch viel von sich persönlich preis. Das kann amüsant sein, wenn Frances den Genuss von Alkohol oder gar des Joints mit dem Hinweis ablehnt: "Ich bin Christin, ich konsumiere keine Drogen", oder Trisha (Ariane Huber-Tadayon) sich selbst als "die amtierende Königin des schlechten Rufs" bezeichnet. Oder tragikomisch, wenn Georgeanne (Diana Strassburg) vom "besten Sex erzählt, den ich je hatte" - mit einem stadtbekannten Casanova auf einem Parkplatz hinter einem Müllkipper, was für sie nun untrennbar mit dem Geruch von Müll verbunden ist. Oder erschütternd, wenn sich herausstellt, dass eine andere aus dem Quintett als Zwölfjährige vom selben Mann missbraucht wurde, sich aber einredet, selber schuld gewesen zu sein.

Köstlich die trockenen Kommentare der ständig essenden Lesbe Mindy, der Andrea Seibold eine faszinierende Mimik verleiht, wenn sie beispielsweise von sich gibt: "Ihr Hetero-Frauen werft euch weg an Massenmörder und Kinderschänder". Wobei der Massenmörder rein Mindys Fantasie entsprungen ist, nachdem Frances gestanden hat, sich in einen Witwer verguckt zu haben.
Die strenggläubige, evangelikale Christin Frances (Patrizia Flierl ? oben von links) erstarrt, als Meredith (Ulrike Bock), obwohl selbst heterosexuell, ihr scherzhaft lesbische Avancen macht. Eigentlich wollte Trisha (Ariane Huber-Tadayon, unten links) sich mit Georgeanne (Diana Strassburg, r.) unterhalten, doch Mindy (Andrea Seibold) drängt sich dazwischen.
Die strenggläubige, evangelikale Christin Frances (Patrizia Flierl ? oben von links) erstarrt, als Meredith (Ulrike Bock), obwohl selbst heterosexuell, ihr scherzhaft lesbische Avancen macht. Eigentlich wollte Trisha (Ariane Huber-Tadayon, unten links) sich mit Georgeanne (Diana Strassburg, r.) unterhalten, doch Mindy (Andrea Seibold) drängt sich dazwischen.
Fotos: Hammerl
Rödenhof



Es geht um Liebe und Sex, Sehnsüchte und Ängste, verschiedene Lebensentwürfe innerhalb einer einerseits sehr freien Gesellschaft, die dem Individuum Wahlfreiheit lässt, andererseits aber immer noch Normen setzt und die allzu freigeistlich Agierenden zumindest mit Argwohn beobachtet. Der Kunst des Autors ist zu danken, dass schwierige Themen amüsant auf dem Silbertablett des Humors serviert werden. Ein Lacher jagt den anderen, wenn auch mancher dem Publikum im Halse stecken bleibt. Wesentlich trägt die Hochzeitsband mit Andreas Flierl, Jens Froemert, André Meyer, Friedrich Kilg und Bandleader Wolfgang Köhler zum Drive des mit Pause gut zweieinhalbstündigen Stücks bei, das mit Ausnahme der letzten Szene absolut stringent inszeniert ist.

Regisseur Andreas Grün, der für die letzte Szene in die Rolle des Hochzeitsgastes Trip schlüpft, hat ganze Arbeit geleistet und die Rollen mit fünf starken Akteurinnen zielsicher besetzt, sodass alle Charaktere überzeugend rüberkommen. Hier stimmt einfach alles - Attitüde, Mimik, Gestik und passives Spiel des hochmotivierten Ensembles, das nicht nur überzeugend spielt. Diana Strassburg und Ariane Huber-Tadayon begeistern auch als Gesangsduo. Herausragender Höhepunkt ist der ABBA-Song "Chiquitita", mit dem es Georgeanne und Trisha gelingt, Meredith zu trösten. Großartig die Mimik Ulrike Bocks, als sie langsam während des fünfminütigen Songs aus ihrer Erstarrung erwacht. Auch Elvis Presleys "Don't be cruel" oder "All you need is love" der Beatles, "Georgy Girl" von The Seekers oder Robert Palmers "Addicted to love" fügen sich wunderbar ins Geschehen ein. Eine neuer Höhepunkt in der mittlerweile 13-jährigen Erfolgsgeschichte von Mimenfeld.

Weitere Aufführungen am Donnerstag, 19. April, Freitag, 20. April, Samstag, 21. April, jeweils um 20 Uhr im Festsaal des Sporthotels Rödenhof, Am Eichet 8, Neuburg-Rödenhof. Einlass und Abendkasse ab 19 Uhr. Karten gibt es zu 15 Euro im Bücherturm und bei Genius Nachhilfe.
Andrea Hammerl
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