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Thema Energie

"Wir brauchen einen Landrat der Zukunft"

erstellt am 07.12.2018 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Die Energiewende muss sich auch im Landkreis abspielen, findet Manfred Rößle von der Bürgerenergiegenossenschaft. Und der neue Landrat müsste dabei als Vorreiter fungieren. Konzepte gibt es genug - nur zusammenführen muss die aus seiner Sicht endlich jemand.
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Windkraft, Photovoltaik und die Baugebiete sieht Manfred Rößle von der Bürgerenergiegenossenschaft als wichtige Tätigkeitsfelder für den künftigen Landrat.
Windkraft, Photovoltaik und die Baugebiete sieht Manfred Rößle von der Bürgerenergiegenossenschaft als wichtige Tätigkeitsfelder für den künftigen Landrat.
Janda
Die Energiewende im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist gewaltig ins Stottern geraten. Vom Aufwind von einst spürt Manfred Rößle heute nur noch ein laues Lüftchen. Dabei sind die Aufgaben nach Ansicht des Vorstandsmitglieds der Bürgerenergiegenossenschaft drängender als je zuvor. Vor allem der neue Landrat muss dabei aus seiner Sicht mit gutem Beispiel voranschreiten. "Die Verwaltung muss bei der Energiewende agieren und nicht bloß reagieren", fordert der Neuburger. Und: "Das Landratsamt ist als Beschleuniger gefordert."
 
Janda



Dabei steht seiner Meinung nach längst nicht mehr die Energie in Form von Wärme im Mittelpunkt. "Wir marschieren mit großen Schritten auf eine reine Stromwelt zu", sagt Rößle, der allerdings im Kreisgebiet momentan viel zu wenig Ansätze in diese Richtung sieht. Selbst die rührige Bürgerenergiegenossenschaft tut sich mit Plänen für Windkraftanlagen bei Schrobenhausen richtig schwer. Ein Ansatz, der aus Sicht des Experten hilfreich wäre: eine Lockerung der 10-H-Regelung. Dass Windräder mindestens den zehnfachen Wert ihrer Höhe von Siedlungen entfernt stehen müssen, hält er für nicht mehr zeitgemäß. "Denn dabei wird die gesamte Höhe genommen", erklärt der 60-Jährige, der bis 2015 das f10-Institut in Neuburg geleitet hat. "Wenn wir bei Windrädern aber nur die Höhe des Rotors als Richtwert nehmen, hätten wir viel bereits wieder erschlossen." Nötig sei dazu aber ein Umdenken - so wie in vielen anderen Bereichen.
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Manfred Rößle spricht in diesem Zusammenhang gerne von Brücken. Diese müssen zunächst in den Köpfen der Entscheider entstehen und dann auch in der Realität bestimmte Bereiche verbinden. Da geht es um Brücken zum Klimaschutz, der Hand in Hand mit dem Energiesektor funktionieren muss, beispielsweise über einen regionalen CO2-Ausgleich, an dem die Genossenschaft derzeit feilt und der das Donaumoos erhalten soll. Auch ein Klimaschutzmanager oder eine eigene Energieagentur für Landkreis und Gemeinden wäre Rößle zufolge wieder wichtig. "Wenn ein Landrat das will, dann würde das funktionieren", ist er sich sicher und nennt als weiteres Beispiel Photovoltaik auf kommunalen Liegenschaften - auch wenn Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Vergütung für Dachanlagen drastisch einkürzen will.
 
Janda



Als richtig ärgerlich empfindet der Fachmann die Tatsache, dass viele gute Konzepte seit Jahren in den Schubladen verstauben. "Die könnte ein Landrat endlich hervorholen", sagt er und verweist auf eine Verknüpfung der einzelnen Expertisen. Das reicht vom Energieatlas für den Landkreis über die Energienutzungspläne der einzelnen Gemeinden bis hin zu einem Konzept für Elektromobilität samt Lade-Infrastruktur und eine Studie für die energetische Verwertung der Bioabfälle. "All diese Ideen und Vorschläge gibt es längst, die müsste endlich mal jemand überprüfen."

Rößle erinnert auch an die Kosten für die geplanten Stromtrassen, die letztlich den im Norden erzeugten Strom nach Bayern bringen sollen. Seine Meinung: "Alles, was wir hier erzeugen, muss nicht hierhertransportiert werden." Dabei stelle sich die Frage, was mit dem Geld für die Trassen alles an dezentraler Energieerzeugung im Freistaat realisiert werden könnte.
Eine Vorreiterrolle schreibt Rößle schon jetzt dem Markt Burgheim mit seinem Baugebiet am Vohbach zu. Dort entsteht im Erdreich der Ausgleichsflächen ein Nahwärmenetz, das Dutzende Wohnhäuser versorgen soll. Weitere Ideen gibt es zuhauf. "Dort läuft es richtungsweisend, auf ähnliche Weise könnte der Landkreis in anderen Orten anleiten und auch fördern", findet er und hält auch ein Umdenken in Gewerbe und Industrie für nötig. Ein Beispiel: Wenn die Firmen ihre Parkplätze mit Photovoltaik überdachen, könnten die Mitarbeiter während der Arbeitszeit ihre Elektroautos aufladen. "Dadurch würden wir die Fahrzeuge endlich als Speicher nutzen und die Ladung mit nach Hause nehmen - das wird bislang gar nicht gemacht", so Rößle. Doch dazu sei es nötig, dass der Landkreis aktiv mit den Gemeinden die Bebauungspläne anpasst - "und zwar an die heutigen Entwicklungen".
Stefan Janda
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