Dienstag, 18. Dezember 2018
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Kandidat im Porträt: Werner Widuckel von der SPD will den Kreis als Landrat voranbringen

Er sucht die Herausforderung

Karlskron
erstellt am 04.12.2018 um 19:45 Uhr
aktualisiert am 08.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Karlskron (DK) Das Hauen und Stechen, das in der Politik bisweilen als ganz normal gilt, liegt ihm nicht.
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Kandidat mit Erfahrung: Werner Widuckel, früherer Audi-Manager, Professor für Personalmanagement und Arbeitsorganisation und SPD-Kreischef, will Landrat werden.
Kandidat mit Erfahrung: Werner Widuckel, früherer Audi-Manager, Professor für Personalmanagement und Arbeitsorganisation und SPD-Kreischef, will Landrat werden.
Janda
Karlskron
"Mir geht es darum, zu integrieren und Gemeinsamkeiten herauszufiltern", sagt Werner Widuckel. Ein Credo, das für ihn im politischen Alltag ebenso gilt wie in der Zeit bis zur Landratswahl am 20. Januar. Dann will der SPD-Politiker und Professor aus Karlskron den Chefsessel in der Neuburg-Schrobenhausener Kreisverwaltung übernehmen. "Ich will zeigen, dass auch ein Sozialdemokrat in Bayern regieren kann. "

Es ist ein Montagmorgen im Haus von Widuckel und seiner Frau Anke. Draußen herrscht tristes Spätherbstwetter, drinnen verbringt der Kandidat seinen Tag mit Katze Felicitas, befasst sich mit der Abschlussarbeit eines Studenten. Zwischen Aktenordnern und Papier, umringt von dicht bestückten Bücherregalen voller Fachliteratur und mit dem Blick auf die Donaumoosausläufer bei Karlskron arbeitet der 60-Jährige im heimischen Büro. Zwei bis drei Tage pro Woche ist der Professor für Personalmanagement und Arbeitsorganisation in technologieorientierten Unternehmen von daheim aus tätig, den Rest der Woche verbringt er in Nürnberg an der Universität. "Die Zeit dort ist aber richtig vollgepackt, damit sich die Pendelei auch lohnt", sagt er. An den Ruhestand denkt der frühere Audi-Manager, der von 2005 bis 2010 im Vorstand des Konzerns saß, dabei noch lange nicht - auch wenn zu seinem Leidwesen immer wieder Leute denken, er genieße längst seine Rente.

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: In einem Alter, in dem mancher seinen Beruf längst an den Nagel hängen will, strebt Werner Widuckel eine neuen Job an. "Ich suche solche Herausforderungen", betont er und spricht von einem spannenden Schritt. Dass er es im Rennen um die Position des Landrats alles andere als einfach haben wird, ist ihm klar. "Doch ich finde es gut, dass es vier Kandidaten gibt, denn das zeigt, dass es um etwas geht", erklärt Widuckel, der seit einigen Jahren auch Kreisvorsitzender der SPD ist.

Wer nun Kritik oder gar Schelte für die drei Mitbewerber erwartet, der kennt den gebürtigen Niedersachsen schlecht. Kein böses Wort verliert er über die politische Konkurrenz, spricht sogar deren Vorzüge an. Ganz klar: Werner Widuckel ist jemand, der gerne verbindet. Der ehemalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat ihn einmal neidlos als "intelligenten Mann" bezeichnet. Kein Wunder: In München galt Widuckel schon vor Jahren als ministrabel. Ex-Landrat Roland Weigert von den Freien Wählern erklärte vor der Bundestagswahl vor gut einem Jahr sogar, dem Karlskroner seine Stimme zu geben und die Kandidatin der eigenen Partei zu verschmähen. Auch im Kreistag gilt der Professor, seit einigen Monaten auch Fraktionssprecher, nach nur vier Jahren längst als angesehenes Mitglied, das selbst in hitzigen Debatten den Überblick behält und dabei immer wieder den entscheidenden Vorschlag macht. "Dabei ist es mir wichtig, zuzuhören und die Qualität von Vorschlägen wertzuschätzen", sagt er selbst. Denn man mache Kommunalpolitik schließlich nicht für sich selbst, "sondern für seine Nachbarn und mit seinen Nachbarn".

So gerne er das Verbindende in den Vordergrund stellt: Mit der eigenen Partei hadert Werner Widuckel, immerhin seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied, nach wie vor etwas. "Ich will nicht leugnen, dass ich mit einigen Dingen nicht zufrieden bin", sagt er. Dazu kommt der tiefe Fall bei den jüngsten Wahlen, denen Widuckel nun engagiert entgegentreten will. Dabei könnte er mit einer Eigenschaft punkten, die in der Politik selten anzutreffen ist: Er ist in der Lage, seine politischen Ziele innerhalb von wenigen Minuten kurz und knapp, dabei aber dennoch gehaltvoll zu erklären. "Ich will schließlich keinen Bauchladen vor mir hertragen, sondern konkrete Ziele nennen - denn am Ende zählen die Inhalte. "

Vier Schwerpunkte hat sich Widuckel gesetzt: Die Gesundheitsversorgung im Landkreis ist eines der Themen; hier will Widuckel durch eine gezielte Weiterentwicklung des Kreiskrankenhauses in Schrobenhausen mit der Geriatrie und der Gerontopsychiatrie sowie der aus seiner Sicht lebensnotwendigen Kooperation mit anderen Häusern punkten. Bei der Bildung hält er die weitere Verankerung der Digitalisierung in den Klassenzimmern für ebenso erforderlich wie eine Sanierung des Descartes-Gymnasiums in Neuburg. "Sobald der Neubau der Paul-Winter-Realschule fertig ist, sollten wir beginnen. " Im Donaumoos, einem riesigen Speicher für Treibhausgase, sieht er eine konkrete Chance, dem Klimawandel entgegenzutreten. "Doch der Erhalt der klimaschützenden Funktion klappt nur mit den Gemeinden und dem Freistaat", sagt der 60-Jährige. Und schließlich sind aus seiner Sicht im öffentlichen Personennahverkehr durchgängige Barrierefreiheit und attraktive Angebote für den ländlichen Raum nötig.

Diesem, dem ländlichen Raum, will Widuckel dauerhaft erhalten bleiben. Auch im Ruhestand werden er und seine Frau Anke in Karlskron bleiben und nicht wieder nach Niedersachsen zurückkehren. Auch die beiden Töchter und die drei Enkelinnen leben in der Region, in der sich der Kandidat längst richtig zu Hause fühlt.

"Ich glaube, dass ich die Position des Landrats auch kann", sagt er zu seinen Ambitionen. Dabei hofft er nicht nur darauf, dass möglichst viele Landkreisbürger am 20. Januar unabhängig von ihrer politischen Gesinnung zur Wahl gehen. "Bei einer Landratswahl geht es viel stärker um Personen und weniger um ihre Parteien, da schauen die Menschen auf die Ziele", weiß Widuckel aus Erfahrung. Immerhin ist er bereits 2014 als Landratskandidat angetreten. Dass damals für ihn gegen FW-Amtsinhaber Roland Weigert und CSU-Mann Roland Gaßner lediglich ein gewisses SPD-Grundrauschen von 11,6 Prozent übrig blieb, hält er nicht für dramatisch.

Gleiches gilt für sein Alter, durch das er als einziger der vier Kandidaten lediglich eine Periode - diesmal sieben Jahre - Landrat sein könnte. "Helmut Schmidt war auch sieben Jahre Bundeskanzler, schauen Sie nur, was er erreicht hat", sagt Widuckel. Und: "In dieser Zeit kann man in der Politik sehr viel gestalten - und das würde ich gerne machen. "
Stefan Janda
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