Samstag, 15. Dezember 2018
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Wolfgang Amadeus Mozart und Karl Jenkins im Mittelpunkt beim 34. Baringer Kirchenkonzert

Ergreifende Klänge

Bergen
erstellt am 22.10.2018 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 26.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Bergen (DK) Mit "Stabat Mater" von Karl Jenkins ist Werner Lecheler mit den drei Chören Liederkranz, Madrigalchor und Windrose, zwei ausgezeichneten Solistinnen und versierten Instrumentalisten ein großer Coup beim 34. Baringer Kirchenkonzert am Sonntag gelungen. Zum Auftakt gab es Mozarts Konzert KV 313.
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Hammerl, Andrea, Karlshuld(Grasheim)
Bergen
Es waren weder Nachtigall noch Lerche, sondern Nicola Kloss, die ihre Querflöte in der Baringer Wallfahrtskirche zwitschern ließ und das Publikum in der bis zum letzten Stehplatz gefüllten Kirche damit verzauberte. Dass Wolfgang Amadeus Mozart die Flöte nicht mochte, wie er mal seinem Vater gegenüber geäußert haben soll, gehört wohl ins Reich der Fantasie, beweist doch das vielschichtige Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur das Gegenteil. Festlich pompös der erste Satz, das "Allegro maestoso", romantisch wie eine Aufforderung zum Tanz das ausdrucksstarke Hauptthema des zweiten Satzes, technisch anspruchsvoll, mal heiter, mal melancholisch der dritte Satz im französischen Menuett-Stil.
Verzauberten das Publikum in der voll besetzten Wallfahrtskirche: die zahlreichen Musiker beim 34. Baringer Kirchenkonzert.Hammerl
Verzauberten das Publikum in der voll besetzten Wallfahrtskirche: die zahlreichen Musiker beim 34. Baringer Kirchenkonzert.Hammerl
Hammerl, Andrea, Karlshuld(Grasheim)
Bergen



Martin Göbel sorgt als Dirigent für ein harmonisches Miteinander von Soloinstrument und Orchester. Das besteht aus dem um etliche Instrumentalisten ergänzten Kammerorchesters Dieter Sauer und Bläsern sowie Schlagzeugern der Stadtkapelle Neuburg unter Leitung von Christoph Hoffmann. Letztere verleihen schon dem Auftaktsatz, dem Cantus lacrimosus von Jenkins "Stabat Mater" zusätzliches Gewicht. Dabei dringt der Schmerz der Gottesmutter ohnehin schon tief unter die Haut der Konzertbesucher, so eindringlich wie der große, stimmgewaltige Chor ihm Ausdruck verleiht.
 
Hammerl, Andrea, Karlshuld(Grasheim)
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Ganz anders, aber nicht weniger ergreifend die faszinierende "Incantation" der jungen Altistin Nicole Küffner, die auf Altarabisch die Gottesmutter um ihre Fürsprache bittet. Fremdartig weht der orientalische Gesang durch die Wallfahrtskirche, scheint irgendwie nicht von dieser Welt zu sein. Sehr wohl von dieser Welt ist das Leid des Chores, der begleitet von den Streichern sein melancholisches "Vidit Jesum in tormentis" zu gewaltiger Klage steigert und den ganzen Schmerz dieser Welt hineinlegt. Beschwörend "Lament" der ausdrucksstarken Mezzosopranistin Ursula Maxhofer-Schiele, dem als starker Kontrast "Sancta Mater" mit Orchester und markantem Schlagwerk folgt. Hier scheint sich der Chor den schlimmsten Schmerz bereits hinter sich gelassen zu haben, er klingt zunehmend kämpferischer, findet Trost im Gedanken, Jesu Leid zu teilen.
 
Hammerl, Andrea, Karlshuld(Grasheim)
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Es bleibt der Schmerz der Mutter, dem wieder Maxhofer-Schiele in "Now my life is only weeping" Ausdruck verleiht. Etwas Magisches haftet Küffners aramäischer Version an, die von Verschleifungen und Improvisationen geprägt ist und sich mit Musik und dem Hintergrundgesang des Chores zu einem völlig neuen Klangerlebnis vereint. Wie gut Dirigent Lecheler seine Chöre, mit denen er selbst, Gabriella Lay und Martin Göbel geprobt haben, im Griff hat, zeigt sich im vielstimmigen Kanon "And the mother did weep", der in Englisch und vier antiken Sprachen gesungen wird.

Nur sechs der insgesamt zwölf Sätze vertonen das aus dem 13. Jahrhundert stammende Gebet "Stabat Mater", die übrigen hat Jenkins ergänzt und setzt dabei mehrfach auf orientalischen Charakter, so auch in "Are you lost out in darkness?" aus dem rund 2500 Jahre alten Gilgamesch Epos, das sich die beiden Solistinnen wieder teilen - mal Englisch, mal Aramäisch. Jenkins hebt das christliche Gebet auf eine höhere Ebene, der Schmerz der Gottesmutter wird zum Schmerz aller Mütter, zum modernen Anti-Kriegs-Epos.

Ein Anachronismus, dass der letzte Satz, "Paradisi gloria", nach orientalisch anmutendem Beginn der Streicher und Perkussionisten zum jubelnden, beinahe militärisch wirkenden Marsch ins versprochene Jenseits wird? Auf jeden Fall ein furioser Schlusspunkt mit fulminantem "Amen", dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Ein wunderbares, begeisterndes und vor allem mitreißendes Konzert, das ganz tief unter die Haut gegangen ist.
Andrea Hammerl
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